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Studie identifiziert

Kritische Altersschwelle für Herzinfarktrisiko bei Männern

Herzinfarktrisiko Männer
Bei einem Herzinfarkt wird ein oder mehrere Herzkranzgefäße durch Blutgerinnsel vollständig verschlossen. Foto: Getty Images
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Friederike Ostermeyer
Freie Autorin

3. Februar 2026, 14:55 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Haben Männer ein höheres Herzinfarktrisiko, weil sie ungesünder leben? Die aktuelle Datenanalyse einer US-Langzeitstudie stellt langgehegte Annahmen infrage und kommt gleichzeitig zu einer alarmierenden Erkenntnis.

Auch in Deutschland sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit Abstand die häufigste Todesursache.1 Oft entwickeln sie sich unbemerkt, da sich mitunter über Jahrzehnte hinweg kaum Symptome zeigen. Ältere Studien zeigten, dass Männer in der Regel zehn Jahre früher von Herzinfarkt und ähnlichen Ereignissen betroffen sind.2 Bislang wurde dies damit erklärt, dass sie öfter rauchen, sich ungesünder ernähren oder zu Bluthochdruck neigen. Gleichzeitig ging man davon aus, dass bestimmte Hormone Frauen vor Herzkrankheiten schützen. Inzwischen haben Frauen in Bezug auf Übergewicht, Diabetes und Bluthochdruck jedoch aufgeholt, während die Raucherquote kontinuierlich sinkt. Dies wirft die Frage auf, ob sich die Geschlechtsunterschiede bezüglich kardiovaskulärer Risiken mittlerweile angeglichen haben. Wie hoch ist also das tatsächliche Herzinfarktrisiko bei Männern? Ab welchem Alter sind regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen erforderlich? Eine Langzeitstudie der Northwestern University in Illinois bringt neue Erkenntnisse, die kürzlich im Fachmagazin „Journal of the American Heart Association” veröffentlicht wurden.3

Daten der groß angelegten CARDIA-Studie analysiert

Für ihre Analyse verwendeten die Forscher Daten der im Jahr 1985/1986 gestarteten CARDIA-Studie (Coronary Artery Risk Development in Young Adults). Die damals jungen und gesunden Erwachsenen (18 bis 30 Jahre) wurden über einen Zeitraum von 34 Jahren intensiv begleitet und überwacht. Dabei war das ausgewogene Verhältnis von Männern und Frauen bzw. von schwarzen und weißen Personen ausschlaggebend. Während des Untersuchungszeitraums dokumentierten die Forscher genau, bei wem und in welchem Alter kardiovaskuläre Erkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder Herzinsuffizienz auftraten. Dabei berücksichtigten sie auch Informationen zu Lebensstil, körperlicher Aktivität, Body-Mass-Index, Blutfettwerten und Glucosespiegel.

Die Kluft zwischen den Geschlechtern bleibt bestehen

Bis zum 35. Lebensjahr war das Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden, bei Männern und Frauen etwa gleich hoch. In den folgenden Jahren traten jedoch messbare Unterschiede auf, unabhängig von Hautfarbe und Bildungshintergrund. So ereignete sich die koronare Herzkrankheit, eine der Hauptursachen für Herzinfarkt, bei der Fettablagerungen in den Arterien den Blutfluss verhindern, bei Männern im Durchschnitt zehn Jahre früher. Bis zum 50. Lebensjahr kam es bei fünf Prozent der Männer zu einem ernsteren Herz-Kreislauf-Ereignis, während es bei Frauen nur drei Prozent waren. Das weiter steigende Herzinfarktrisiko bei Männern ab 35 zeigte sich darin, dass das Zehnjahresrisiko nach scheinbar gesunden 50 Jahren fast doppelt so hoch ist wie bei Frauen. Einzig die Schlaganfallraten waren bei beiden Geschlechtern ähnlich.

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Unterschiede lassen sich nicht allein durch Lebensstil erklären

Unter Berücksichtigung gängiger Risikofaktoren lässt sich der beobachtete Unterschied nicht allein durch eine vermeintlich ungesündere Lebensweise erklären. Dies deutet laut den Forschern auf den Einfluss weiterer biologischer oder sozialer Faktoren hin. Welche das sind, und ob Hormone dabei tatsächlich eine größere Rolle spielen, muss weiter erforscht werden.

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Eine wichtige Botschaft an die Männer

Die Studie besticht durch ihre hohe Datenqualität. Sie verfolgt systematisch die Lebensverläufe von über 5000 jungen Erwachsenen bis weit ins mittlere Alter. Somit wird sichtbar, wann Herzkrankheiten tatsächlich beginnen, wie sie sich entwickeln und wie ausschlaggebend Lebensstil bzw. Vorerkrankungen wirklich sind. Auch wenn die Forscher nicht alle Faktoren wie Stress, traumatische Ereignisse, Schlafqualität oder Unterschiede im Gesundheitssystem berücksichtigten, liefern die neuesten Erkenntnisse eine Grundlage für eine wichtige Botschaft: Ab dem 35. Geburtstag sollten Männer regelmäßig zu Vorsorgeuntersuchungen gehen. Denn ganz gleich, wie fit sie sich fühlen oder wie gesund sie leben, scheint es bislang ungeklärte Gründe zu geben, die dafür sorgen, dass ihr Herzinfarktrisiko ab dann rasant steigt.

Quellen

  1. Statistisches Bundesamt. Todesursachen. (aufgerufen am 3. Februar 2026) ↩︎
  2. Okunrintemi, V., Tibuakuu, M., Virani, S. S. et al. (2020). Sex differences in the age of diagnosis for cardiovascular disease and its risk factors among US adults: trends from 2008 to 2017, the Medical Expenditure Panel Survey. Journal of the American Heart Association. ↩︎
  3. Freedman, A. A, Colangelo, L.A., Ning, H. et al. (2026) Sex Differences in Age of Onset of Premature Cardiovascular Disease and Subtypes: The Coronary Artery Risk Development in Young Adults Study. Journal of the American Heart Association. ↩︎

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