Zum Inhalt springen
logo Das Magazin für Fitness, Gesundheit und Ernährung
Frauengesundheit Männergesundheit Regeneration Alle Themen
Unterschiedliche Effekte

Eisbaden wirkt bei Frauen anders – was Studien jetzt zeigen

Laut Forschung reagieren die Körper von Männern und Frauen unterschiedlich auf Eisbaden
Laut Forschung reagieren die Körper von Männern und Frauen unterschiedlich auf Kälte Foto: Getty Images; Collage: FITBOO
Artikel teilen
Melanie Hoffmann
Ernährungs-, Fitness- und Schlafexpertin

6. Januar 2026, 4:17 Uhr | Lesezeit: 10 Minuten

Für die Regeneration nach intensivem Training und zur Förderung der Gesundheit – Eisbäder sind seit Jahren im Trend. Aber profitieren vielleicht gar nicht alle Menschen von der „Kältetherapie“? Studien und Experten gehen zunehmend davon aus, dass Frauen anders auf Eisbaden reagieren als Männer. FITBOOK erklärt den aktuellen Wissensstand.

Wim Hof gehört wohl zu den berühmtesten Verfechtern von Eisbaden zur Förderung der Gesundheit. Und auch im Profisport ist die Kältetherapie längst angekommen. Fans werden sich an die Eistonnen-Bilder diverser Fußballer erinnern. Immer mehr Menschen probieren den Eisbaden-Trend. Die Forschung zu den tatsächlichen Effekten des „eisigen Vergnügens“ steckt allerdings noch in den Kinderschuhen. Es gibt wissenschaftliche Hinweise darauf, dass die Kältherapie positiv auf den Blutdruck, das Immunsystem, die Hormone, das Herz-Kreislauf-System sowie den Stoffwechsel wirkt, entzündliche Krankheiten lindern kann, der Psyche guttut und die Regeneration nach dem Sport fördert.1,2,3,4 Aber genauso gibt es Studien, die keine positive Wirkung bestätigen konnten oder sie gar widerlegten. Und: Es häufen sich Indikatoren dafür, dass die möglichen Vorteile mehr für Männer als für Frauen gelten.

Körperreaktion auf Kälte

Wenn uns (zu) kalt wird, ist das Stress für unseren Körper, denn er muss dafür sorgen, dass unsere Körpertemperatur erhalten bleibt. Deshalb ziehen sich bei Kälte die Blutgefäße zusammen, was den Energieverlust minimiert. Die Durchblutung verändert sich, im Fokus stehen die lebenswichtigen Organe. Die Muskeln ziehen sich zusammen und erzeugen das typische Zittern und Schaudern – muskuläre Minibewegungen, die für ein Aufrechterhalten bzw. Ansteigen der Körpertemperatur sorgen.5

Diese Reaktion auf sinkende Außentemperaturen ist grundsätzlich bei allen Menschen gleich. Und diese Stressreaktion des Körpers auf Kälte ist der Mechanismus, über den Eisbäder gesundheitsförderlich sein sollen. So wie auch Sport ein gesunder Stressor ist.

Auch interessant: Hilfreiche Tricks, um weniger Kälte zu empfinden

Frauen reagieren früher auf Kälte als Männer

Demnach wäre es nur logisch, dass Kältetherapie für Männer und Frauen gleich gut ist. Aber es ist tatsächlich auch kein Alltagsmythos, dass Frauen anders – nämlich früher – auf Kälte reagieren als Männer. Das bekräftigt z. B. eine Studie aus dem Jahr 2018, die 43 gesunde Personen zwischen 16 und 35 Jahren (20 Männer und 23 Frauen) miteinander verglich. Bei den Frauen wurden ihre Zyklusphasen berücksichtigt, um hormonelle Effekte einordnen zu können.6

Frauen begannen im Schnitt bei höheren Temperaturen zu zittern als Männer. Während 65 Prozent der Frauen bei 11,3 °C bereits zitterten, waren es bei den Männern nur 25 Prozent. Auch das subjektive Kälteempfinden setzte bei Frauen früher ein: Sie empfanden die Temperatur bereits ab 22,1 °C als „kälter als neutral“ und ab 18,3 °C als „kühl“. Männer verspürten diese Empfindungen erst deutlich später – bei 20,3 °C bzw. bei 14,6 °C.

Zudem fühlten sich Frauen während der gesamten Kälteexposition unwohler als Männer und bewerteten ihre Schüttelfrostintensität signifikant höher. Hauttemperaturen unterschieden sich je nach Messstelle nur teilweise. Am Ende der Kühlprotokolle war die Handtemperatur bei Frauen jedoch niedriger als bei Männern. Auch wenn innerhalb eines Geschlechts das subjektive Wärmeempfinden individuelle Unterschiede aufzeigte und zudem das Verhältnis von Körperoberfläche zu Körpermasse eine Rolle spielte, zeigen die Ergebnisse der Studie deutlich, dass das Geschlecht beeinflusst, wie früh jemand auf Kälte reagiert und wie stark.

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass Frauen im Durchschnitt schneller Kälte empfinden und zu zittern beginnen. Doch reagiert der weibliche Körper auch anders auf Eisbaden bzw. Kältetherapie?

Auch interessant: Der Fehler, den viele nach der Sauna machen

Eisbaden möglicherweise schlecht für Fruchtbarkeit von Frauen

Dieser Frage gingen chinesische Forscher in einer 2025 veröffentlichten Studie auf den Grund. Sie machten Experimente an Mäusen, um den möglichen Einfluss von Kälteexposition auf die Hormone und die Fruchtbarkeit zu untersuchen.7 Auch wenn zwischen der Aussagekraft von Tierstudien und Beweisen für Effekte beim Menschen noch viele Schritte fehlen, liefert die chinesische Studie bemerkenswerte Hinweise, auf deren Basis weiter geforscht werden sollte.

Die Wissenschaftler nutzten zehn Mäuse, fünf bildeten die Studiengruppe, fünf die Kontrollgruppe. Über einen Zeitraum von 21 Tagen führten sie mit den Mäusen der ersten Gruppe täglich sechsminütige Eisbäder mit 4 °C kaltem Wasser durch. Die Tiere der Kontrollgruppe wurden keiner Kälte ausgesetzt. Um die Wirkung der Kältetherapie zu ermitteln, erfassten die Wissenschaftler das Körpergewicht der Mäuse. Am Ende der Studie entnahmen sie Blutproben und Gewebeproben aus Gebärmutter und Eierstöcken sowie Bauchhöhlenflüssigkeit. Außerdem wurde der Spiegel wichtiger Sexualhormone analysiert.

Es zeigte sich, dass die Kälteexposition zu biologischen Veränderungen bei den weiblichen Tieren führte. Die der Kälte ausgesetzten Tiere nahmen an Gewicht zu und der Spiegel der Sexualhormone stieg, was die Forscher als Hinweis auf eine hormonelle Dysregulation deuteten. In der Gebärmutter und in den Eierstöcken konnten Veränderungen der Gene nachgewiesen werden, besonders betroffen waren Signalwege, die mit Entzündungsprozessen verknüpft sind. Auch die Bauchhöhlenflüssigkeit enthielt Hinweise auf Entzündungen.

Vereinfacht gesagt löste die Kältetherapie offenbar Entzündungsreaktionen in den Fortpflanzungsorganen der weiblichen Versuchstiere aus. Übertragen auf Frauen könnte dies bedeuten, dass beim Eisbaden die Gefahr besteht, dass Zyklus und Fruchtbarkeit gestört und eventuell gynäkologische Erkrankungen wie Endometriose gefördert werden könnten.

Eisbaden und Regeneration nach dem Sport

Nicht nur die zuvor erwähnten Fußballer setzen auf Kälte nach intensiver körperlicher Belastung, um Muskelkater vorzubeugen und ihre Regeneration zu fördern. Auch in anderen Sportarten hat sich die Maßnahme etabliert – sowohl für Männer als auch für Frauen. Während der Frauenfußball-WM nutzten die Spielerinnen der deutschen Mannschaft die Eistonne als Regenerationsmittel.8

Profisport-Experten scheinen also von der Wirkung überzeugt zu sein. Doch wissenschaftlich zweifelsfrei belegt ist sie nicht. Das gilt auch speziell mit Blick auf den Effekt bei Frauen. 2025 wurde eine Studie veröffentlicht, deren Ergebnisse darauf hinwiesen, dass Kältetherapie keine Auswirkung auf die Regeneration bei Frauen hatte.9

Die Untersuchung umfasste 30 gesunde, körperlich aktive Teilnehmerinnen mit einem Durchschnittsalter von 23 Jahren. Per Zufall teilte man sie in drei Gruppen ein. Eine Gruppe badete in kaltem Wasser, die zweite Gruppe erhielt ein warmes Bad und die dritte Gruppe ruhte sich aus (Kontrollgruppe). Die Intervention fand jeweils für zehn Minuten direkt nach einer intensiven Sporteinheit sowie 20 Minuten später erneut statt. In der Folge wurden verschiedene physiologische Parameter (Muskel-Sauerstoffsättigung, Haut- und Körperkerntemperatur, Herzfrequenz) sowie Erholungsmarker (isometrische Maximalkraft, Muskelschwellung per Ultraschall, subjektiver Muskelkater) zu mehreren Zeitpunkten bis 72 Stunden nach dem Training gemessen.

Die Ergebnisse für die erhoffte Wirkung von Kältetherapie waren ernüchternd. Denn keiner der Marker entwickelte sich positiver bei kalten Bädern als bei warmen Bädern, und selbst verglichen mit reiner Ruhezeit zeigten sich keine signifikant besseren Regenerationseffekte.

Mehr zum Thema

Das passiert beim Eisbaden bei Frauen – laut Expertin

Dr. Stacy Sims, Sportphysiologin und Ernährungswissenschaftlerin, gehört zu den Frauenfitness-Expertinnen, die Frauen in Interviews stets eher vom Eisbaden abrät oder zumindest realistische Erwartungen schaffen möchte.10 Im November 2025 veröffentlichte sie auf ihrer Webseite auch einen Bericht zu dem Thema mit dem Titel „Cold Plunging for Women: Why Colder Isn’t Always Better“ (dt. „Kaltwasserbäder für Frauen: Warum kälter nicht immer besser ist“).

In der Bewertung der Effektivität von Eisbädern unterscheidet sie zwischen zwei verschiedenen Zielen: der Förderung der allgemeinen Gesundheit und der Regeneration nach dem Training.

Ziel: Gesundheit und Stoffwechselprozesse verbessern

Hier lautet Sims Urteil: Männer profitieren von Eisbaden, Frauen nicht. Das Eintauchen in nahezu eiskaltes Wasser löse eine Stressreaktion im Körper aus. Die Blutgefäße in der Haut verengten sich, der Katecholaminspiegel (Adrenalin, Noradrenalin) erhöhe sich und es komme zu einer massiven Aktivierung des sympathischen Nervensystems.

Das habe Vorteile für Männer. Bei ihnen führe dies zu ausgeprägten metabolischen Anpassungen, etwa einer stärkeren Aktivierung von braunem Fettgewebe, einer besseren Fähigkeit, Wärme zu speichern, und deutlicheren Veränderungen im Glukosestoffwechsel. Bei Frauen könne dieselbe extreme Reaktion jedoch zu weit gehen. Der Cortisolspiegel könne sich erhöhen, die Schilddrüsenaktivität zurückgehen und genau die hormonellen und metabolischen Vorteile abschwächen, die eigentlich erzielt werden sollten.

Der mögliche Grund liege in der zuvor erwähnten größeren Sensitivität für Kälte von Frauen. Das mache Kälte für sie zu einem größeren Stressfaktor als für Männer. Und Stress kann bekanntlich positiv sein und z. B. in Form von Sport zu gesundheitsförderlichen Anpassungen führen. In zu hohem Maße sorgt Stress für negative Effekte wie Gewichtszunahme oder die Förderung von Krankheiten. Weil der weibliche Körper auf große Kälte mit einem gestressten Nervensystem und Anstieg von Cortisol reagiere, könne dies auf Dauer den Zyklus stören und Folgen für die Schilddrüsenfunktion haben.

Sollten Frauen ihrer Gesundheit zuliebe also komplett auf kaltes Duschen oder Baden verzichten? Nein, sie sollten bzw. müssten sich nur nicht derselben Eiseskälte (typisch seien 4 °C) aussetzen wie Männer. Dr. Sims empfiehlt mit Verweis auf eine entsprechende Studie für Frauen Wassertemperaturen von 14 bis 15 °C und eine Expositionszeit von zwei bis fünf Minuten.11

Sinnvoll könne Kältetherapie auch zur Linderung akuter Beschwerden, etwa im Kontext der Menstruation oder Erkrankungen wie Endometriose, sein.

Ziel: Regeneration nach dem Training

Um das Beste für die Regeneration herauszuholen, erklärt Dr. Sims Bäder mit einer Wassertemperatur von 10 bis 12 °C zehn Minuten nach der Trainingseinheit zum Mittel der Wahl. Wer allerdings damit nicht nur Muskelkater vorbeugen wolle, sondern trainiere und regeneriere, um schneller, fitter oder stärker zu werden, sollte es mit den Bädern nicht übertreiben. Tägliches Baden sei kontraproduktiv, Hobby-Sportlern rät sie offenbar nicht dazu. Ihrer Meinung nach sind kalte Bäder eher im Leistungssport effektiv und dort auch speziell nach Wettbewerben und nicht nach alltäglichen Trainingseinheiten.

Fazit

Experten und Studien zeigen, dass Frauen im Durchschnitt anders als Männer auf Temperaturen und somit Kältetherapie reagieren. Frauen, die sich in Eisbäder quälen und erhoffen, davon ähnlich zu profitieren wie ihre männlichen Partner, könnten enttäuscht werden. Womöglich freuen sie sich, zu erfahren, dass es gar nicht so eisig kalt sein muss, um positive Effekte auf Gesundheit und Regeneration zu erzielen.

Wie in so vielen Bereichen der Gesundheit und Fitness handelt es sich aber vielfach noch um Beobachtungen und erste Hinweise bei Tieren. Weitere Forschung ist noch nötig, um die Effekte von Eisbaden bei Frauen und Männern ausreichend zu verstehen. Auch geschlechterunabhängige, aber individuelle Faktoren könnten eine Rolle spielen und entgegen aller Erwartungen Eisbaden für gewisse Männer nachteilig, dafür für gewisse Frauen förderlich machen. Es bleibt spannend, zu verfolgen, was die Forschung in der Zukunft noch herausfindet.

Quellen

  1. Fontana, J.M., Dugué, B., Capodaglio, P. (2024) . Prolonged or Repeated Cold Exposure: From Basic Physiological Adjustment to Therapeutic Effects. Whole-Body Cryostimulation. ↩︎
  2. Huttunen, P., Kokko, L., Ylijukuri, V. (2004). Winter swimming improves general well-being. International Journal of Circumpolar Health.  ↩︎
  3. Knechtle, B., Waśkiewicz, Z., Sousa, C.V., Hill, L., Nikolaidis, P.T. (2020). Cold Water Swimming-Benefits and Risks: A Narrative Review. Int J Environ Res Public Health ↩︎
  4. Bleakley, C., McDonough, S., Gardner, E. et al. (2010). Cold‐water immersion (cryotherapy) for preventing and treating muscle soreness after exercise. Cochrane Library. ↩︎
  5. Bergmann, J. Warum zittern wir bei Kälte? Akademie für Sport und Gesundheit (aufgerufen am 5.1.2026) ↩︎
  6. Kaikaew, K., van den Beukel, J. C., Neggers, S. J.C.M.M. et al. (2018). Sex difference in cold perception and shivering onset upon gradual cold exposure. Journal of Thermal Biology. ↩︎
  7. Sun, H., Zhao, Q., Liang, X. et al. (2025). Effects of cold environment exposure on female reproductive health and its regulatory mechanisms. Front Genet. ↩︎
  8. Sportschau. Rebecca Knaak - Waren einige Zeit in der Eistonne (aufgerufen am 5.1.2026) ↩︎
  9. Wellauer, V., Clijsen, R., Bianchi, G. et al. (2025). No acceleration of recovery from exercise-induced muscle damage after cold or hot water immersion in women: A randomised controlled trial. PLOS One. ↩︎
  10. Dr. Stacy Sims Official. Should Women Do Ice Baths? Benefits, Risks & Safe Temperatures Explained | Dr. Stacy Sims. YouTube (aufgerufen am 5.1.2026) ↩︎
  11. Søeberg, S. et al. Cold-Water Immersion for Recovery: New Insights for Women. Søeberg Institute (aufgerufen am 5.1.2025) ↩︎

Sie haben erfolgreich Ihre Einwilligung in die Nutzung unseres Angebots mit Tracking und Cookies widerrufen. Damit entfallen alle Einwilligungen, die Sie zuvor über den (Cookie-) Einwilligungsbanner bzw. über den Privacy-Manager erteilt haben. Sie können sich jetzt erneut zwischen dem Pur-Abo und der Nutzung mit Tracking und Cookies entscheiden.

Bitte beachten Sie, dass dieser Widerruf aus technischen Gründen keine Wirksamkeit für sonstige Einwilligungen (z.B. in den Empfang von Newslettern) entfalten kann. Bitte wenden Sie sich diesbezüglich an datenschutz@axelspringer.de.