Zum Inhalt springen
logo Das Magazin für Fitness, Gesundheit und Ernährung
Herzgesundheit Herzinfarkt Herzinsuffizienz Alle Themen
Studie zeigt

Eine Lebensstilveränderung könnte 12 Jahre später zu Herzerkrankung führen

Bewegung Herzerkrankungen
Weniger Bewegung geht Herzerkrankungen oft voraus. Foto: Getty Images/Science Photo Libra
Artikel teilen

29. Juli 2025, 19:20 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Bewegung schützt das Herz – das ist bekannt. Doch wie verändern sich Bewegungsgewohnheiten über die Lebensspanne hinweg, insbesondere rund um eine Herz-Kreislauf-Erkrankung wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder Herzschwäche? Eine neue Langzeitstudie aus den USA zeigt: Das Aktivitätsniveau beginnt oft schon etwa zwölf Jahre vor einer kardiovaskulären Erkrankung zu sinken – und bleibt auch danach dauerhaft niedriger. Besonders betroffen waren in der Untersuchung afroamerikanische Frauen, die durchgehend das niedrigste Maß an körperlicher Aktivität zeigten.

Jetzt dem FITBOOK-Kanal bei Whatsapp folgen!

Ziel der Studie: Zusammenhang zwischen Bewegung und Herzerkrankungen ermitteln

Regelmäßige körperliche Aktivität mittlerer bis höherer Intensität – sogenannte MVPA („moderate to vigorous physical activity“) – gilt als zentraler Schutzfaktor gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dennoch war bisher wenig darüber bekannt, wie sich das Bewegungsverhalten über Jahrzehnte entwickelt – vor allem im Zusammenhang mit dem Auftreten einer Erkrankung. Genau hier setzt die aktuelle Studie an.

Untersucht wurde, wie sich MVPA vom jungen Erwachsenenalter bis ins höhere Lebensalter verändert, ob sich ein Bewegungsrückgang bereits vor einem kardiovaskulären Ereignis abzeichnet, wie sich das Aktivitätsverhalten danach weiterentwickelt und ob Unterschiede nach Geschlecht und ethnischer Zugehörigkeit bestehen.

Studiendesign und Methoden

Die Analyse basiert auf Daten der CARDIA-Studie (Coronary Artery Risk Development in Young Adults), einer seit 1985 laufenden prospektiven US-Kohortenstudie in vier Städten. Die aktuelle Auswertung umfasst eine Kohortenanalyse mit 3068 Teilnehmern sowie eine eingebettete Fall-Kontroll-Studie mit 236 Personen, die im Studienverlauf eine kardiovaskuläre Erkrankung erlitten. Diese 236 Probanden wurden jeweils mit einer Kontrollperson mit gleichem Alter, Geschlecht und ethnischer Zugehörigkeit verglichen.1

Die körperliche Aktivität wurde bei bis zu zehn Erhebungen zwischen 1985/86 und 2020 bis 2022 mit einem validierten Fragebogen erfasst. Die MVPA wurde in sogenannten Exercise Units (EU) gemessen. 300 EU entsprechen etwa 150 Minuten Bewegung pro Woche – also der international empfohlenen Mindestmenge für gesundheitswirksame Aktivität. Wer weniger als 300 EU pro Woche angab, galt in der Studie als körperlich inaktiv.

Bewegungsverläufe wurden über das gesamte Erwachsenenalter hinweg sowie im Zusammenhang mit kardiovaskulären Ereignissen modelliert. Zusätzlich wurde die Wahrscheinlichkeit für unzureichende Bewegung nach einer Erkrankung berechnet – also für Werte unter 300 EU pro Woche.

Auch interessant: Ist es wirklich schwieriger, fit über 40 zu sein?

So entwickelt sich das Maß an Bewegung im Laufe des Lebens

Die körperliche Aktivität nahm im Verlauf des Erwachsenenalters bei allen Gruppen ab: Sie war in jungen Jahren hoch, sank im mittleren Lebensalter deutlich und stabilisierte sich anschließend auf niedrigerem Niveau. Dabei traten jedoch deutliche Unterschiede zwischen Bevölkerungsgruppen zutage. Afroamerikanische Frauen zeigten durchgehend die niedrigste Aktivität, während afroamerikanische Männer den stärksten Rückgang über die Zeit verzeichneten.

Herzpatienten zeigten Bewegungsreduzierung 12 Jahre zuvor

Bei den 236 Personen mit einem Herz-Kreislauf-Ereignis zeigte sich, dass der Rückgang der Aktivität bereits etwa zwölf Jahre vor dem Ereignis begann. In den beiden Jahren unmittelbar vor dem Ereignis beschleunigte sich dieser Abwärtstrend deutlich. Nach dem Ereignis blieb das Aktivitätsniveau dauerhaft niedriger als bei den gesunden Kontrollpersonen. Besonders stark ausgeprägt war dieser Rückgang bei Menschen mit Herzschwäche.

Was bedeuten die Zahlen konkret?

Die Analyse ergab, dass Erkrankte nach einem Herz-Kreislauf-Ereignis deutlich häufiger körperlich inaktiv blieben. Die sogenannte Odds Ratio (OR) lag bei 1,78 – das bedeutet: Das Risiko, nach dem Ereignis weniger als 300 EU pro Woche zu erreichen (also die empfohlene Mindestaktivität zu unterschreiten), war bei den Erkrankten um 78 Prozent höher als bei den Kontrollpersonen.

Das zugehörige 95-Prozent-Konfidenzintervall lag zwischen 1,26 und 2,50. Das bedeutet: Die Forscher sind sich sehr sicher – nämlich zu 95 Prozent –, dass das tatsächliche Risiko irgendwo zwischen 26 Prozent und 150 Prozent höher liegt als bei gesunden Personen. Solche Werte zeigen, dass der Unterschied nicht zufällig zustande gekommen ist, sondern mit großer Wahrscheinlichkeit wirklich existiert.

Noch deutlicher war die Situation bei afroamerikanischen Frauen: Ihre Odds Ratio lag bei 4,52 – sie waren also über viermal so häufig inaktiv nach einem Herz-Kreislauf-Ereignis wie vergleichbare gesunde Frauen derselben ethnischen Gruppe.

Mehr zum Thema

Nach einer Herzerkrankung bleibt Bewegung oft dauerhaft reduziert

Die Studie zeigt eindrücklich, dass körperliche Aktivität zwar mit dem Alter allgemein abnimmt, bei Menschen mit späterer Herz-Kreislauf-Erkrankung jedoch deutlich früher und stärker zurückgeht. Der Zeitraum etwa zehn Jahre vor dem Ereignis könnte ein potenzielles Frühwarnsignal oder ein beeinflussbarer Risikofaktor sein.

Nach einem Herzereignis bleibt die Bewegung häufig dauerhaft niedrig – obwohl sie in dieser Phase besonders wichtig für Genesung, Lebensqualität und Prognose ist. Das legt nahe, dass Rehabilitations- und Nachsorgeprogramme stärker auf langfristige Bewegungsförderung ausgerichtet sein sollten.

Die besonders hohe Betroffenheit afroamerikanischer Frauen weist zudem auf strukturelle gesundheitliche Ungleichheiten hin. Neben medizinischen Maßnahmen sind deshalb gezielte gesellschaftliche, finanzielle und kulturelle Ansätze erforderlich, um benachteiligte Gruppen besser zu unterstützen.

Einordnung der Studie und mögliche Einschränkungen

Die Kombination aus Langzeit-Kohortendaten und eingebettetem Fall-Kontroll-Design bietet einen wertvollen Einblick in Bewegungsverläufe über mehrere Jahrzehnte. Die große Teilnehmerzahl, wiederholte Erhebungen und die differenzierte Betrachtung nach Bevölkerungsgruppen erhöhen die Aussagekraft.

Einschränkungen bestehen allerdings darin, dass die Angaben zur körperlichen Aktivität auf Selbstauskünften beruhen, was zu Über- oder Unterschätzungen führen kann. Objektive Messmethoden wie Bewegungssensoren wurden nicht eingesetzt. Außerdem fand die Studie ausschließlich in den USA statt – eine Übertragbarkeit auf andere Länder mit abweichenden Gesundheitssystemen oder kulturellen Unterschieden im Bewegungsverhalten ist daher nur eingeschränkt möglich.

Ein weiterer wichtiger Punkt: Bewegungsmangel kann sowohl Ursache als auch Folge eines sich entwickelnden Krankheitsprozesses sein. Die Studie zeigt somit Zusammenhänge, aber keine Kausalität.

Quellen

  1. Gerber Y, Pettee Gabriel K, Jacobs DR, et al. (2025). Trajectories of Physical Activity Before and After Cardiovascular Disease Events in CARDIA Participants. JAMA Cardiol. ↩︎

Sie haben erfolgreich Ihre Einwilligung in die Nutzung unseres Angebots mit Tracking und Cookies widerrufen. Damit entfallen alle Einwilligungen, die Sie zuvor über den (Cookie-) Einwilligungsbanner bzw. über den Privacy-Manager erteilt haben. Sie können sich jetzt erneut zwischen dem Pur-Abo und der Nutzung mit Tracking und Cookies entscheiden.

Bitte beachten Sie, dass dieser Widerruf aus technischen Gründen keine Wirksamkeit für sonstige Einwilligungen (z.B. in den Empfang von Newslettern) entfalten kann. Bitte wenden Sie sich diesbezüglich an datenschutz@axelspringer.de.