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Essens-Jetleg

Männer, die am Wochenende anders essen, haben höheres Herzrisiko

Essens-Jetleg
Im Bett frühstücken oder spät abends noch eine Pizza bestellen: Am Wochenende sind die Essgewohnheiten häufig anders als unter der Woche. Foto: Getty Images
Sophie Brünke
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Berlin, 3.6.2026
(c) Niels Starnick / BILD
Ernährungsexpertin

25. September 2026, 9:51 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Wer unter der Woche um 7 Uhr frühstückt und am Wochenende gemütlich um 11 Uhr bruncht, denkt dabei meist nicht an sein Herz. Doch genau solche Verschiebungen der Essenszeiten standen im Mittelpunkt der französischen NutriNet-Santé-Studie mit mehr als 100.000 Erwachsenen. Die Ergebnisse legen nahe, dass nicht nur das „Was“, sondern auch das „Wann“ beim Essen eine Rolle für die Herzgesundheit spielen könnte. Besonders auffällig war der Zusammenhang bei Männern.

Der „Essens-Jetlag“: die Zeit im Fokus

Arbeitszeiten bestimmen bei vielen Menschen den Tagesablauf. An freien Tagen essen sie dagegen oft deutlich früher oder später als unter der Woche. Wissenschaftler bezeichnen diese Verschiebung der Essenszeiten zwischen Arbeits- und freien Tagen als „Eating Jetlag“ oder Essens-Jetlag.

Die Idee dahinter ähnelt dem bekannten Jetlag nach einer Flugreise: Der Körper muss sich immer wieder an unterschiedliche Zeitpläne anpassen. Dabei sind Mahlzeiten wichtige Signale für die innere Uhr. Bereits frühere Untersuchungen der Teilnehmer aus der französischen NutriNet-Santé-Studie hatten gezeigt, dass spätes Essen und Störungen der inneren biologischen Uhr mit ungünstigen Auswirkungen auf Stoffwechsel und Herz-Kreislauf-Gesundheit verbunden sein können.1 Bislang war jedoch kaum untersucht worden, ob allein die Unregelmäßigkeit der Essenszeiten zwischen Werktagen und Wochenende langfristig mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen zusammenhängt.

Das zentrale Ergebnis: Je stärker sich die Essenszeiten zwischen Arbeitswoche und Wochenende unterschieden, desto höher war das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und koronare Herzerkrankungen bei Männern.2 Der Studienleiter Bernard Srour erklärte in einer Pressemitteilung: „Diese neue Studie legt nahe, dass es nicht nur wichtig sein könnte, nicht zu spät zu essen. Genauso wichtig könnte es sein, die Essenszeiten zwischen Werktagen und Wochenenden möglichst konstant zu halten.“3

Teilnehmer dokumentierten ihre Ernährungsgewohnheiten

Für ihre Beobachtungsstudie zogen die Wissenschaftler 104.806 Erwachsene aus der NutriNet-Santé-Kohorte heran, die im Durchschnitt 42,7 Jahre alt waren. Dabei waren 79 Prozent der Teilnehmenden weiblich und 21 Prozent männlich. Die Teilnehmer wurden bis Ende 2023 verfolgt, die mittlere Nachbeobachtungszeit betrug 8,1 Jahre.

Die Teilnehmer dokumentierten online ihre Ernährung in 24-Stunden-Protokollen. Dabei wurden jeweils drei nicht aufeinanderfolgende Tage erfasst, darunter auch ein Tag am Wochenende. Das wiederholten sie alle sechs Monate in den ersten zwei Studienjahren.

Die Wissenschaftler werteten die Ernährungsprotokolle aus und verglichen die Essenszeiten an Werktagen mit denen am Wochenende. Dabei berechneten sie, wie stark sich der tägliche Essensrhythmus zwischen beiden Zeiträumen verschob. Zusätzlich berücksichtigten die Forscher zahlreiche Faktoren, die das Herz-Kreislauf-Risiko beeinflussen können. Dazu gehörten unter anderem Alter, Rauchen, Alkoholkonsum, körperliche Aktivität, Körpergewicht sowie Schlafdauer und Schlafenszeit. Anschließend wurde untersucht, ob Menschen mit stärker ausgeprägtem Essens-Jetlag im Verlauf häufiger Herz-Kreislauf-Erkrankungen entwickelten.

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Mehr als 2300 Herz-Kreislauf-Erkrankungen traten auf

Während der Nachbeobachtungszeit wurden insgesamt 2368 Herz-Kreislauf-Erkrankungen registriert. Darunter waren 1270 koronare Herzerkrankungen, 1098 Schlaganfälle und andere Gefäßerkrankungen des Gehirns.

Die Auswertung ergab, dass mit jeder zusätzlichen Stunde Essens-Jetlag bei Männern das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen um durchschnittlich 14 Prozent stieg. Das Risiko für koronare Herzerkrankungen erhöhte sich sogar um durchschnittlich 21 Prozent. Bemerkenswert war, dass es offenbar keine Rolle spielte, ob die Mahlzeiten am Wochenende früher oder später als unter der Woche stattfanden – das Herz-Kreislauf-Risiko erhöhte sich in beiden Fällen im Vergleich zu Teilnehmern mit weitgehend konstanten Essenszeiten. Allerdings waren die Zusammenhänge besonders deutlich bei Männern, die ihre erste Mahlzeit des Tages generell eher spät einnahmen.

Kardiologe Dr. Schneeweis erklärt Anzeichen der koronaren Herzerkrankung:

Die Zusammenhänge blieben auch bestehen, nachdem Ernährungsqualität, Schlafdauer, Schlafzeitpunkt und der sogenannte soziale Jetlag statistisch berücksichtigt worden waren. Sozialer Jetlag beschreibt Unterschiede im Schlafrhythmus zwischen Arbeits- und freien Tagen.

Bei Frauen fanden die Forscher dagegen keine statistisch signifikanten Zusammenhänge. Außerdem zeigte sich der Effekt vor allem für Herz- und Gefäßerkrankungen des Herzens, nicht jedoch für Schlaganfälle.

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Es könnte sich lohnen, im Takt zu bleiben

Für den Alltag ist besonders eine Erkenntnis interessant: Möglicherweise kommt es nicht nur darauf an, was man isst, sondern auch darauf, ob die Essenszeiten regelmäßig bleiben. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass starke Verschiebungen zwischen Werktagen und Wochenende ungünstig sein könnten. Wer etwa unter der Woche morgens frühstückt und zu festen Zeiten isst, am Wochenende aber erst spät die erste Mahlzeit einnimmt, könnte seinen biologischen Rhythmus aus dem Takt bringen.

Das bedeutet allerdings nicht, dass ein später Sonntagsbrunch direkt das Herz schädigt. Die Studie zeigt lediglich statistische Zusammenhänge in einer großen Bevölkerungsgruppe. Dennoch liefern die Ergebnisse einen weiteren Hinweis darauf, dass regelmäßige Tagesabläufe für die Gesundheit wichtig sein könnten. Nach Ansicht der Studienautoren könnte eine möglichst konstante Struktur bei den Mahlzeiten dazu beitragen, die innere Uhr stabil zu halten.

Einordnung der Studie und Fazit

Die NutriNet-Santé-Studie liefert Hinweise darauf, dass stark wechselnde Essenszeiten zwischen Werktagen und Wochenende mit einem höheren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden sein könnten. Besonders ausgeprägt war der Zusammenhang bei Männern.

Dabei gehört die Arbeit zu den bislang größten Untersuchungen zum Thema Essens-Jetlag. Zu den Stärken zählen etwa die hohe Teilnehmerzahl, die lange Nachbeobachtungszeit sowie die detaillierte Erfassung von Essenszeiten.

Allerdings handelt es sich um eine Beobachtungsstudie. Sie kann nicht beweisen, dass unregelmäßige Essenszeiten tatsächlich die Ursache für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind, nur, dass diese in Zusammenhang stehen. Außerdem gingen die Forscher vereinfachend davon aus, dass Montag bis Freitag Arbeitstage und Samstag sowie Sonntag freie Tage waren. Das dürfte nicht auf alle Teilnehmer, etwa Schichtarbeiter, zutreffen. Hinzu kommt, dass die Studienpopulation nicht repräsentativ für die gesamte französische Bevölkerung war. Frauen machten rund 79 Prozent der Teilnehmer aus, viele Teilnehmer waren gesundheitsbewusst und überdurchschnittlich gebildet.

Positiv ist jedoch, dass die Ergebnisse auch nach zahlreichen statistischen Anpassungen bestehen blieben und sich weder durch Schlafverhalten noch durch die allgemeine Ernährungsqualität vollständig erklären ließen. Dadurch gewinnen die Befunde an Glaubwürdigkeit, auch wenn weitere Studien zur Bestätigung notwendig sind.

Quellen

  1. Palomar-Cros, A., Andreeva, V. A., Fezeu, L. K. et al. (2023). Dietary circadian rhythms and cardiovascular disease risk in the prospective NutriNet-Santé cohort. Nature Communications. ↩︎
  2. Le Folcalvez, X., Obeid, E., Palomar-Cros, A. et al. (2026). Eating jetlag based on meal timing discrepancies and risk of cardiovascular disease using the prospective cohort NutriNet-Santé. Communications Medicine. ↩︎
  3. National Research Institute for Agriculture, Food and Environment. Eating jetlag and the risk of cardiovascular disease. EurekAlert! (aufgerufen am 24.09.2026) ↩︎

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