9. Juli 2026, 20:27 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Die Darmflora steht seit einigen Jahren im Fokus der Herzforschung. Sie beeinflusst unter anderem Entzündungsprozesse und den Stoffwechsel – und könnte damit auch den Verlauf von Herz-Kreislauf-Erkrankungen mitbestimmen. Eine neue Studie hat untersucht, ob eine Ernährung, die die Darmflora unterstützt, mit besseren Überlebenschancen bei Menschen mit koronarer Herzkrankheit zusammenhängt.
Darmfreundliche Ernährung mit geringerem Sterberisiko verbunden
Forscher untersuchten, ob eine darmfreundliche Ernährung mit einem geringeren Sterberisiko bei Menschen mit koronarer Herzkrankheit zusammenhängt. Die Darmflora umfasst Milliarden von Mikroorganismen, die unter anderem Entzündungen, den Fettstoffwechsel und die Funktion der Blutgefäße beeinflussen können.
Das Ergebnis war, dass Patienten mit einer besonders darmfreundlichen Ernährung ein deutlich geringeres Risiko hatten, während des Beobachtungszeitraums zu sterben. Der Zusammenhang zeigte sich vor allem ab einem bestimmten Wert des sogenannten „Dietary Index for Gut Microbiota“ (DI-GM).
Im Video spricht FITBOOK-Experte, Kardiologe Dr. Christopher Schneeweis über die koronare Herzkrankheit:
Wie die Studie durchgeführt wurde und was sie untersuchte
Für die Studie analysierten Wissenschaftler Daten von 1537 Erwachsenen mit koronarer Herzkrankheit aus der US-amerikanischen Gesundheitsstudie NHANES. Die Teilnehmer wurden zwischen 2005 und 2018 erfasst und bis Ende 2019 nachverfolgt.1
Anhand eines 24-Stunden-Ernährungsprotokolls berechneten die Forscher für jeden Teilnehmer den DI-GM. Dieser bewertet, wie günstig die Ernährung für die Darmflora ist. Je höher der Wert, desto stärker unterstützt die Ernährung nach diesem Bewertungssystem das Darmmikrobiom. Für die Auswertung teilten die Wissenschaftler die Teilnehmer in vier Gruppen mit DI-GM-Werten von 0 bis 3, 4, 5 sowie mindestens 6 Punkten ein.
Positiv bewertet werden unter anderem Ballaststoffe, Vollkornprodukte, fermentierte Milchprodukte, Kaffee, grüner Tee und verschiedene pflanzliche Lebensmittel. Weniger günstig wirken sich dagegen rotes und verarbeitetes Fleisch, raffiniertes Getreide sowie eine fettreiche Ernährung aus.
Anschließend verglichen die Wissenschaftler die Sterblichkeit zwischen Teilnehmern mit unterschiedlich hohen DI-GM-Werten. Bei der Auswertung berücksichtigten sie zahlreiche weitere Faktoren, darunter Alter, Geschlecht, Rauchen, Alkoholkonsum, Körpergewicht, Bluthochdruck, Diabetes sowie verschiedene Laborwerte.
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Was den Darm freut, hat wohl auch Schutzwirkung für das Herz
Das mediane Alter der Teilnehmer lag bei 68 Jahren, rund zwei Drittel waren Männer. Während der Nachbeobachtungszeit starben 37,4 Prozent der Studienteilnehmer.
Wurde der DI-GM als fortlaufender Wert ausgewertet, war der Zusammenhang mit der Sterblichkeit nach Berücksichtigung aller Einflussfaktoren statistisch nicht mehr eindeutig. Beim Vergleich der einzelnen DI-GM-Gruppen zeigte sich jedoch ein klareres Bild: Teilnehmer mit einem DI-GM-Wert von 5 hatten ein um 40,7 Prozent geringeres Sterberisiko als Personen mit den niedrigsten Werten. Bei einem DI-GM von mindestens 6 lag das Sterberisiko um 35,1 Prozent niedriger. Die Ergebnisse deuten damit auf einen Plateau-Effekt hin: Ab einem DI-GM von etwa 5 scheint der Großteil des Schutzeffekts bereits erreicht zu sein. Eine noch stärker darmfreundliche Ernährung war paradoxerweise eher nachteilig für das Sterberisiko. Dieses Phänomen nennen Fachleute „Plateau-Effekt“.
Ein deutlicher Vorteil zeigte sich erst ab einem bestimmten DI-GM-Wert. Zudem blieb der Zusammenhang in den meisten untersuchten Patientengruppen bestehen. Etwas anders sah es bei Diabetikern aus. Eine darmfreundliche Ernährung war zwar auch bei ihnen mit einem geringeren Sterberisiko verbunden. Der mögliche Schutzeffekt fiel aber geringer aus als bei den Nicht-Diabetikern. Dies deutet darauf hin, dass die Stoffwechselerkrankung den Zusammenhang zwischen Ernährung und Sterberisiko beeinflussen könnte.
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Was das nun konkret bedeutet
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine Ernährung, die die Darmflora unterstützt, mit einem geringeren Sterberisiko bei Menschen mit koronarer Herzkrankheit verbunden sein könnte. Als mögliche Erklärung nennen die Autoren, dass ballaststoffreiche und pflanzliche Lebensmittel das Wachstum nützlicher Darmbakterien fördern. Diese produzieren Stoffe, die Entzündungen hemmen und die Gesundheit der Blutgefäße unterstützen können.
Auffällig war zudem, dass der Zusammenhang bei Menschen ohne Diabetes stärker ausgeprägt war als bei Patienten mit Diabetes.
Einordnung der Studie und mögliche Einschränkungen
Die Autoren weisen darauf hin, dass der Zusammenhang zwischen einer darmfreundlichen Ernährung und der Sterblichkeit bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit bisher kaum untersucht wurde. Die Auswertung basiert auf einer großen, repräsentativen Gesundheitsstudie aus den USA. Zudem berücksichtigten die Forscher zahlreiche Faktoren wie Alter, Rauchen, Diabetes oder Bluthochdruck, die die Ergebnisse beeinflussen könnten.
Allerdings hat die Studie auch Grenzen. Als Beobachtungsstudie kann sie nicht belegen, dass die Ernährung tatsächlich die Ursache für das geringere Sterberisiko ist. Zudem wurde die Ernährung nur an einem einzigen Tag erfasst, sodass sie die langfristigen Essgewohnheiten möglicherweise nicht vollständig widerspiegelt.