Zum Inhalt springen
logo Das Magazin für Fitness, Gesundheit und Ernährung
Longevity Alle Themen
Laut Studie

Diese Essenszeiten sind mit einer kürzeren Lebenserwartung verbunden

Wann die erste Mahlzeit auf den Tisch kommt, könnte für die Gesundheit relevant sein.
Wann die erste Mahlzeit auf den Tisch kommt, könnte für die Gesundheit relevant sein. Foto: Getty Images
Artikel teilen
Julia Freiberger
Ernährungsexpertin

21. August 2026, 9:59 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten

Kennen Sie den Spruch „Lieber zu spät als nie“? Auf das Frühstück könnte er zumindest nicht zutreffen. Denn wann wir morgens zum ersten Mal etwas essen, könnte stärker mit unserer Gesundheit zusammenhängen als gedacht. Eine neue Studie mit mehr als 31.000 Erwachsenen zeigt nun einen auffälligen Zusammenhang zwischen unseren Essenszeiten und der Lebenserwartung. Dabei scheint nicht nur entscheidend zu sein, wann wir morgens anfangen, zu essen. Auch die Uhrzeit der letzten Mahlzeit könnte eine Rolle spielen.

Was unsere innere Uhr mit den Essenszeiten zu tun hat

Unser Körper arbeitet nicht zu jeder Tageszeit gleich. Viele Vorgänge folgen einer inneren Uhr, also einem ungefähr 24-stündigen Rhythmus. Das betrifft auch den Stoffwechsel – vereinfacht gesagt die Prozesse, mit denen unser Körper Nährstoffe verarbeitet und Energie bereitstellt. Auch Nahrung kann dabei ein zeitliches Signal für den Körper sein.

Deshalb beschäftigt sich die Forschung schon länger damit, ob für unsere Gesundheit nicht nur entscheidend ist, was und wie viel wir essen, sondern auch wann. Frühere Studien hatten beispielsweise das Auslassen des Frühstücks, nächtliches Essen oder zeitlich begrenztes Essen untersucht.1

Nach Angaben der neuen Studie war jedoch weiterhin unklar, wie die genaue Uhrzeit der ersten und letzten Mahlzeit sowie die Länge des täglichen Essenszeitraums mit Sterblichkeit und Lebenserwartung zusammenhängen.2

Deshalb konzentrierte sich die Studie auf drei zentrale Fragen:

  • Wann wurde die erste Mahlzeit des Tages gegessen?
  • Wann wurde die letzte Mahlzeit des Tages gegessen?
  • Wie viele Stunden lagen zwischen der ersten und der letzten Mahlzeit?

Anschließend wurde geprüft, ob diese Essenszeiten mit der Gesamtsterblichkeit und mit Todesfällen durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen zusammenhingen. Zusätzlich berechnete die Studie mögliche Unterschiede in der statistisch geschätzten Lebenserwartung.

Auch interessant: Was gehört zu einem gesunden Frühstück? Diese Lebensmittel sind ideal

Die Essenszeiten wurden anhand eines typischen Tages bestimmt

Grundlage waren Daten von 31.044 Erwachsenen ab 40 Jahren aus der großen US-amerikanischen Gesundheits- und Ernährungsstudie NHANES. Verwendet wurden Erhebungen aus den Jahren 1999 bis 2018.

Um herauszufinden, wann die Teilnehmer aßen, nutzten die Wissenschaftler eine 24-Stunden-Ernährungsbefragung. Die Teilnehmer gaben dabei an, was und wann sie innerhalb eines Tages gegessen oder getrunken hatten. Daraus wurden der Zeitpunkt der ersten und letzten Mahlzeit sowie die Zeitspanne dazwischen bestimmt – das sogenannte Essensfenster.

Anschließend wurde erfasst, welche Teilnehmer im weiteren Verlauf starben. Die Nachbeobachtungszeit betrug im Median 8,6 Jahre. Das heißt: Die Hälfte der Teilnehmer wurde länger als 8,6 Jahre nachverfolgt, die andere Hälfte kürzer. Insgesamt wurden 7129 Todesfälle dokumentiert.

Wichtig ist das Studiendesign: Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie. Niemand bekam vorgeschrieben, zu welcher Uhrzeit er essen sollte. Die Studie untersuchte stattdessen, ob die vorhandenen Essensgewohnheiten mit späteren Todesfällen zusammenhingen. Ein solcher Aufbau kann Zusammenhänge aufzeigen, aber nicht beweisen, dass eine bestimmte Essenszeit die Ursache dafür ist.

Je später die erste Mahlzeit, desto höher war das Sterberisiko

Beim ersten Essen des Tages zeigte sich ein klares Muster. Als Vergleich dienten Teilnehmer, die zwischen sieben und acht Uhr erstmals aßen.

Bei Menschen mit einer ersten Mahlzeit zwischen acht und zehn Uhr lag das relative Sterberisiko zehn Prozent höher. Wer zwischen zehn und zwölf Uhr erstmals aß, hatte ein 19 Prozent höheres relatives Sterberisiko. Bei einer ersten Mahlzeit nach zwölf Uhr waren es 29 Prozent.

Was bedeutet ein 29 Prozent höheres Sterberisiko?

Ein um 29 Prozent höheres relatives Sterberisiko bedeutet nicht, dass von 100 Menschen 29 zusätzlich starben. Es bedeutet, dass das statistisch ermittelte Sterberisiko dieser Gruppe im Vergleich zu Menschen, die zwischen sieben und acht Uhr erstmals aßen, um 29 Prozent höher lag.

Bei der letzten Mahlzeit fielen beide Extreme auf

Auch die Uhrzeit der letzten Mahlzeit spielte eine Rolle. Hier dienten Teilnehmer mit einer letzten Mahlzeit zwischen 19 und 20 Uhr als Vergleich. Wer bereits vor 19 Uhr zuletzt aß, hatte ein 13 Prozent höheres relatives Sterberisiko. Bei einer letzten Mahlzeit nach Mitternacht lag es 27 Prozent höher. Ähnliche Zusammenhänge beobachtete die Studie auch bei Todesfällen durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Im Schnitt rund 2,5 Jahre weniger geschätzte Lebenserwartung

Noch greifbarer sind die Berechnungen zur Lebenserwartung: Für Teilnehmer im Alter von 50 Jahren, die ihre erste Mahlzeit erst nach zwölf Uhr einnahmen, ergab sich eine im Durchschnitt rund 2,5 Jahre kürzere geschätzte Lebenserwartung als in der Vergleichsgruppe. Bei einer letzten Mahlzeit nach Mitternacht waren es rund 2,4 Jahre weniger.

Dabei handelt es sich um statistische Schätzungen für Gruppen. Das bedeutet nicht, dass ein einzelner Mensch durch spätes Essen tatsächlich rund 2,5 beziehungsweise 2,4 Lebensjahre verliert.

Mehr zum Thema

Nicht nur spätes Essen fiel in der Studie auf

Wer jetzt denkt, die Botschaft laute einfach „möglichst früh essen“, sollte genauer hinsehen. Denn bei der letzten Mahlzeit fiel auch das andere Ende der Skala auf. Teilnehmer, die bereits vor 19 Uhr ihre letzte Mahlzeit einnahmen, hatten gegenüber der Gruppe, die zwischen 19 und 20 Uhr zuletzt aß, ebenfalls ein höheres relatives Sterberisiko. Die Ergebnisse sprechen damit nicht für die einfache Regel „je früher, desto besser“.

Auch die Länge des täglichen Essenszeitraums lieferte keine einfache Antwort. Die Studie untersuchte schließlich nicht nur die erste und letzte Mahlzeit, sondern auch die Zeit dazwischen. Der Zusammenhang zwischen diesem Essensfenster und dem Risiko, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben, unterschied sich abhängig davon, wann die erste Mahlzeit des Tages stattfand.

Aus den Ergebnissen lässt sich deshalb auch nicht ableiten, dass ein möglichst kurzes Essensfenster – und damit eine möglichst lange tägliche Fastenphase – automatisch besser ist. Vor allem bei der ersten Mahlzeit des Tages bleibt dennoch ein auffälliges Ergebnis: Mit immer späteren Zeitfenstern für das Frühstück stieg auch das relative Sterberisiko. Ob die Essenszeit selbst dafür verantwortlich ist, kann diese Untersuchung allerdings nicht beantworten.

Warum sich aus den Essenszeiten keine Lebensverlängerung ableiten lässt

Mit 31.044 Teilnehmern und 7129 registrierten Todesfällen verfügt die Untersuchung über eine große Datengrundlage. Trotzdem wäre die Aussage „Wer früh frühstückt, lebt länger“ durch diese Studie nicht belegt.

Die Essenszeiten stammen aus einer 24-Stunden-Befragung

Der wichtigste Grund: Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie und nicht um ein Experiment. Die Teilnehmer wurden nicht zufällig einer bestimmten Frühstücks- oder Abendessenszeit zugeteilt. Menschen, die beispielsweise erst mittags ihre erste Mahlzeit einnehmen, können sich auch in anderen Punkten von Menschen unterscheiden, die früh am Morgen essen. Deshalb lässt sich aus dem beobachteten Zusammenhang nicht beweisen, dass die Essenszeit selbst die Ursache für das unterschiedliche Sterberisiko war.

Hinzu kommt eine wichtige Einschränkung bei der Erfassung der Essenszeiten. Sie wurden anhand einer 24-Stunden-Ernährungsbefragung geschätzt. Die Angaben eines solchen Tages müssen nicht exakt widerspiegeln, zu welchen Uhrzeiten ein Mensch über viele Jahre hinweg normalerweise isst.

Auch die errechneten Unterschiede in der Lebenserwartung sind keine persönliche Prognose. 2,5 beziehungsweise 2,4 Jahre weniger bedeuten nicht, dass ein Mensch genau diese Lebenszeit verliert, wenn er erst nach zwölf Uhr erstmals oder nach Mitternacht zuletzt isst.

Die Autoren gaben keine Interessenkonflikte an. Die Studie wurde durch mehrere öffentliche Forschungsprogramme in China finanziert. Laut Veröffentlichung hatten die Geldgeber keinen Einfluss auf Studiendesign, Datenerhebung, Analyse, Interpretation oder die Entscheidung zur Veröffentlichung.

Quellen

  1. Chen, H., Zhang, B., Ge, Y., Shi, H. et al. (2020). Association between skipping breakfast and risk of cardiovascular disease and all cause mortality: A meta-analysis. Clin Nutr. ↩︎
  2. Hu, W., Wang, M., Liu, S. et al. (2026). Meal timing and eating window with all-cause and cardiovascular mortality and life expectancy: population-based cohort study. Eur J Clin Nutr. ↩︎

Sie haben erfolgreich Ihre Einwilligung in die Nutzung unseres Angebots mit Tracking und Cookies widerrufen. Damit entfallen alle Einwilligungen, die Sie zuvor über den (Cookie-) Einwilligungsbanner bzw. über den Privacy-Manager erteilt haben. Sie können sich jetzt erneut zwischen dem Pur-Abo und der Nutzung mit Tracking und Cookies entscheiden.

Bitte beachten Sie, dass dieser Widerruf aus technischen Gründen keine Wirksamkeit für sonstige Einwilligungen (z.B. in den Empfang von Newslettern) entfalten kann. Bitte wenden Sie sich diesbezüglich an datenschutz@axelspringer.de.