2. Oktober 2026, 18:29 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Chronische Entzündungen könnten bei der Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen eine wichtige Rolle spielen. Ein möglicher Hinweis darauf ist das C-reaktive Protein (CRP), dessen Konzentration im Blut bei Entzündungsprozessen ansteigen kann. Ärzte lassen diesen Wert im Labor typischerweise testen, wenn sie bei einem Patienten eine versteckte Entzündung im Körper vermuten. Forscher haben nun untersucht, ob dauerhaft erhöhte CRP-Werte auch mit dem späteren Auftreten einer Herzschwäche zusammenhängen.
Höheres Risiko für Herzschwäche bei erhöhtem CRP
Menschen mit dauerhaft erhöhten CRP-Werten entwickelten häufiger eine Herzinsuffizienz als Menschen mit niedrigeren Werten. Über einen Zeitraum von zehn Jahren waren 10,8 Prozent betroffen, in der Vergleichsgruppe waren es 8,3 Prozent. Die Rate neuer Herzinsuffizienz-Diagnosen war bei erhöhtem CRP während der Nachbeobachtung damit rund ein Drittel höher.
So wurde die Studie durchgeführt
Nach Angaben einer von den Studienautoren zitierten Studie leben weltweit mehr als 64 Millionen Menschen mit Herzinsuffizienz.1 Frühere Untersuchungen deuten darauf hin, dass chronische, niedriggradige Entzündungen zu ihrer Entstehung beitragen könnten. Unklar war bislang jedoch, inwieweit dauerhaft erhöhte CRP-Werte mit einer späteren Herzinsuffizienz zusammenhängen.
Ein internationales Forscherteam unter der Leitung des CHRU de Nancy und der Université de Lorraine in Frankreich hat untersucht, ob dauerhaft erhöhte CRP-Werte mit einem höheren Risiko für Herzschwäche verbunden sind. Hierfür werteten sie elektronische Gesundheitsdaten von 64.743 Erwachsenen zwischen 40 und 80 Jahren aus. Alle wiesen mindestens zwei kardiovaskuläre Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Typ-2-Diabetes, Fettstoffwechselstörungen oder Rauchen auf und waren zu Beginn nicht an Herzinsuffizienz erkrankt.2
Für alle Teilnehmer lagen mindestens zwei CRP-Messungen vor. Als niedrig galten dauerhaft gemessene Werte zwischen 0,1 und drei Milligramm pro Liter, als erhöht galten Werte zwischen 3,1 und zehn Milligramm pro Liter. Noch höhere Werte wurden ausgeschlossen, um den möglichen Einfluss akuter Entzündungen zu begrenzen.
Die Forscher glichen die Gruppen statistisch anhand zahlreicher Merkmale an, darunter Alter, Geschlecht, Body-Mass-Index und bestehende Erkrankungen. Anschließend umfassten beide Gruppen jeweils 19.547 Teilnehmer. Die mediane Nachbeobachtungszeit betrug 3,9 Jahre.
Weitere Befunde zu Herzschwäche und Sterblichkeit
Während der Nachbeobachtung wurden insgesamt 1580 neue Fälle von Herzinsuffizienz dokumentiert. Der Unterschied zwischen Menschen mit erhöhtem und niedrigem CRP zeigte sich bereits nach einem Jahr: Zu diesem Zeitpunkt lag die berechnete Häufigkeit bei 1,4 und 0,9 Prozent. Der absolute Unterschied zwischen den Gruppen nahm im weiteren Verlauf zu.
Auch bei der Sterblichkeit zeigte sich ein Unterschied: In der Gruppe mit dauerhaft erhöhtem CRP starben 7,7 Prozent der Teilnehmer, in der Gruppe mit niedrigeren Werten waren es 4,3 Prozent. Betrachteten die Forscher Todesfälle und neu aufgetretene Herzschwäche gemeinsam, lagen die Anteile bei 16,3 und 11,5 Prozent.
Der Zusammenhang zeigte sich auch bei den beiden untersuchten Formen der Herzschwäche. Das galt sowohl für Patienten, bei denen das Herz weniger Blut als normal in den Körper pumpt, als auch für Patienten, bei denen die Pumpleistung weitgehend erhalten ist. Auch weitere Auswertungen mit anderen Zeiträumen und CRP-Grenzwerten kamen zu ähnlichen Ergebnissen.
Zusammenhang vor allem bei Menschen ohne starkes Übergewicht
Auch beim Körpergewicht zeigten sich interessante Unterschiede. Bei Teilnehmern ohne starkes Übergewicht war ein dauerhaft erhöhtes CRP mit einem deutlich höheren Risiko für Herzschwäche verbunden. Bei Teilnehmern mit Adipositas zeigte sich dagegen kein eindeutiger Zusammenhang. Die Forscher vermuten, dass bei Adipositas bereits andere Faktoren das Herz belasten und der CRP-Wert deshalb weniger Einfluss hat.
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Einordnung der Studie
Eine Stärke der Studie ist die große Datenbasis mit Teilnehmern aus mehreren Ländern. Die Forscher berücksichtigten nur Personen mit mindestens zwei ähnlichen CRP-Messungen, um den Einfluss kurzfristiger Entzündungen zu verringern. Zudem wurden die Gruppen statistisch möglichst vergleichbar gemacht.
Da bereits vorhandene Gesundheitsdaten ausgewertet wurden, kann die Studie jedoch keine Ursache und Wirkung belegen. Nicht erfasste Faktoren wie Infektionen, Begleiterkrankungen oder Unterschiede in der medizinischen Versorgung könnten die Ergebnisse beeinflusst haben. Da alle Teilnehmer bereits ein erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko hatten, lassen sich die Ergebnisse außerdem nicht ohne Weiteres auf die Allgemeinbevölkerung übertragen.
Weitere Unsicherheiten ergeben sich aus den Daten selbst: Herzschwäche wurde über Diagnosecodes erfasst, die Abstände und Verläufe der CRP-Messungen waren nicht bekannt und unterschiedliche CRP-Testverfahren konnten nicht unterschieden werden. Auch Todesfälle als konkurrierendes Risiko konnten statistisch nicht vollständig berücksichtigt werden.
Dauerhaft erhöhte CRP-Werte könnten aber zusätzliche Hinweise auf das langfristige Risiko für Herzschwäche geben. Ob Entzündungen selbst dazu beitragen oder ein erhöhtes CRP lediglich andere Risikofaktoren widerspiegelt, bleibt offen.
Mehrere Autoren gaben finanzielle Beziehungen zu Pharma- oder Medizintechnikunternehmen an, die laut Publikation nicht im Zusammenhang mit der Studie standen.
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Was andere Studien zu diesem Thema zeigen
Eine niederländische Studie mit rund 8000 Herz-Kreislauf-Patienten kam bereits 2023 zu einem ähnlichen Ergebnis: Über fast zehn Jahre hatten Menschen mit den höchsten CRP-Werten ein gut doppelt so hohes Risiko, wegen Herzschwäche ins Krankenhaus zu kommen, als jene mit den niedrigsten.3
Ob sich das Risiko senken lässt, indem man die Entzündung gezielt dämpft, ist dagegen fraglich. Der Entzündungshemmer Ziltivekimab senkte in einer großen Studie zwar die CRP-Werte deutlich, verringerte aber nicht das Risiko für schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse.4 Zwei weitere Studien bei Patienten mit Herzschwäche wurden im September 2026 vorzeitig beendet, weil kein Nutzen mehr zu erwarten war.5 Das spricht eher dafür, dass ein erhöhtes CRP zumindest teilweise ein Warnsignal ist und nicht allein die Ursache.