Zum Inhalt springen
logo Das Magazin für Fitness, Gesundheit und Ernährung
Krankheiten A bis Z Alle Themen
3 Tote nach Sandwich-Verzehr in Italien

Erste Anzeichen einer Botulismus-Vergiftung

Botulismus
Botulismus ist eine Vergiftung, die durch das Bakterium Clostridium botulinum und dessen Toxine verursacht wird Foto: Getty Images/Science Photo Libra
Artikel teilen

12. August 2025, 13:21 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Es klingt unglaublich: Drei Menschen sterben in Italien, nachdem sie scheinbar harmlose Sandwiches gegessen haben. Die Ursache ist nicht etwa ein seltenes Virus oder eine exotische Krankheit – sondern ein weltweit verbreitetes (Boden-)Bakterium, das unter bestimmten Bedingungen eines der tödlichsten bekannten Gifte freisetzt. Die Folge: ein dramatischer Ausbruch von Botulismus.

Jetzt dem FITBOOK-Kanal bei Whatsapp folgen!

3 Tote und zahlreiche Erkrankte nach Botulismus-Vergiftung in Italien

In mehreren beliebten Urlaubsregionen Italiens wurden kürzlich schwere Botulismus-Fälle gemeldet – mit tragischen Folgen. In Diamante in der Region Kalabrien starben zwei Menschen, nachdem sie an einem Straßenstand ein Sandwich mit Stängelkohl und Salsiccia verzehrt hatten. Auch auf Sardinien wurde ein Fall bekannt: Eine 38-jährige Frau infizierte sich nach dem Konsum von Guacamole bei einem Volksfest. Trotz intensivmedizinischer Versorgung überlebte sie nicht und verstarb nach mehreren Wochen.

Insgesamt erlitten mehr als zwölf Menschen eine lebensgefährliche Vergiftung. Bei allen Betroffenen wurde eine Botulismus-Vergiftung diagnostiziert, ausgelöst durch verunreinigte Lebensmittel. Zwei der Erkrankten schweben weiterhin in Lebensgefahr. Im Zentrum der laufenden Ermittlungen stehen nun der Betreiber des betroffenen Foodtrucks, mehrere Zulieferfirmen sowie eine Klinik, in der die richtige Diagnose offenbar erst verspätet gestellt wurde. Die Behörden untersuchen derzeit mögliche Versäumnisse bei Lagerung, Verarbeitung und der medizinischen Versorgung.1

Auch interessant: Ursachen, Symptome und Folgen von Milzbrand

Clostridium botulinum – ein unsichtbarer, aber tödlicher Umweltkeim

Das Bakterium Clostridium botulinum ist in der Umwelt weitverbreitet – es kommt in Erde, Staub und Sedimenten vor. In seiner Sporenform ist es äußerst widerstandsfähig gegenüber Hitze, Trockenheit und Kälte. Erst wenn es in eine sauerstoffarme, feuchte und nährstoffreiche Umgebung gelangt, beginnt es sich zu vermehren und produziert dabei das extrem toxische Botulinumtoxin. Eine Botulismus-Vergiftung zählt zu den gefährlichsten lebensmittelbedingten Erkrankungen überhaupt, weil sie ohne rechtzeitige Behandlung tödlich verlaufen kann.

Besonders gefährlich wird es, wenn man konservierte, vakuumverpackte oder eingelegte Lebensmittel nicht ausreichend erhitzt oder nicht hygienisch einwandfrei lagert. Im aktuellen Fall in Italien sollen Brokkoli-Zubereitungen stundenlang ungekühlt in der Sonne gestanden haben – ein typisches Szenario, das die Bildung des gefährlichen Toxins begünstigt.

Wie eine Botulismus-Vergiftung durch Lebensmittel entsteht

Das Bakterium Clostridium botulinum ist ein natürlicher Bestandteil der Umwelt und nahezu überall zu finden – etwa in Erde, Staub oder auf Pflanzen. Um ungünstige Bedingungen zu überstehen, bildet es winzige, äußerst widerstandsfähige Sporen. Diese können unbemerkt über Staub oder Schmutz auf Lebensmittel gelangen – ohne sichtbare oder wahrnehmbare Hinweise.

Besonders kritisch wird es, wenn entsprechende Lebensmittel luftdicht verpackt und dabei unzureichend erhitzt oder gekühlt werden. Unter diesen Bedingungen – ohne Sauerstoff, aber mit ausreichend Feuchtigkeit und Nährstoffen – können sich die Sporen im Inneren ungehindert vermehren und ein extrem potentes Nervengift produzieren. Der Verzehr solcher Produkte kann zu einer Botulismus-Vergiftung führen.

Typische Risikoprodukte sind selbstgemachte Gemüse- oder Fleischkonserven, bei denen beim Einkochen keine ausreichend hohen Temperaturen erreicht wurden. In solchen Fällen können die Sporen überleben und sich im verschlossenen Glas wieder aktivieren. Dort entwickeln sie sich zu Bakterien, die das gefährliche Toxin bilden. Industriell hergestellte Konserven gelten hingegen als deutlich sicherer, wenn die Produktionsbedingungen eingehalten werden. Clostridium-Sporen sind extrem hitzestabil.

Rohmilch oder frisches Fleisch gelten nach heutigem Wissensstand beim Menschen nicht als typische Auslöser für eine Botulismus-Vergiftung.2

Wirkung im Körper: Wie das Gift das Nervensystem lähmt

Das von Clostridium botulinum gebildete Botulinumtoxin ist tatsächlich das stärkste bekannte Gift oder Toxin. Es blockiert die Signalübertragung von den Nerven zu den Muskeln, wodurch es zu fortschreitenden Lähmungen kommt. Anfangs treten meist Beschwerden im Kopf- und Gesichtsbereich auf. Im weiteren Verlauf können lebenswichtige Körperfunktionen betroffen sein.

Typische Symptome sind:

  • Mundtrockenheit
  • Lichtempfindlichkeit, Augenflimmern, Doppeltsehen
  • Hängende Augenlider, Gesichtsmuskellähmung
  • Verwaschene Sprache, Heiserkeit, Schluckstörungen
  • Störungen des Hustenreflexes
  • Übelkeit, Erbrechen, Verstopfung, Darmverschluss
  • Muskelschwäche, Kreislaufprobleme, Atemnot bis hin zur vollständigen Atemlähmung

Bei schweren Verläufen ist eine intensivmedizinische Behandlung mit künstlicher Beatmung und Antitoxin-Gabe erforderlich. Besonders kritisch ist der frühe Beginn der Therapie, da das Toxin irreversibel an die Nervenzellen bindet.3

Botulismus-Vergiftung: Was im Ernstfall medizinisch passiert

Botulismus ist immer ein medizinischer Notfall. Betroffene müssen sofort ins Krankenhaus und werden in der Regel auf einer Intensivstation behandelt. Häufig ist eine künstliche Beatmung nötig, da das Gift die Atemmuskulatur lähmen kann. Schon kleinste Mengen des Botulinumtoxins können lebensbedrohlich sein.

Besteht der Verdacht auf eine Botulismus-Vergiftung, wird ein spezielles Gegengift verabreicht – meist noch bevor die Laborergebnisse vorliegen. Je früher die Behandlung beginnt, desto größer sind die Überlebenschancen.

Wurde die verdorbene Nahrung erst vor wenigen Stunden gegessen, kann zusätzlich eine Magenspülung sinnvoll sein, um Reste des Gifts aus dem Körper zu entfernen. Wenn der Darm bereits gelähmt ist oder eine Verstopfung vorliegt, helfen Medikamente, die die Darmtätigkeit wieder anregen.4

Mehr zum Thema

Formen von Botulismus – und wie sie entstehen

Botulismus tritt in verschiedenen Formen auf, abhängig vom Infektionsweg. Jede Form birgt spezifische Risiken:

1. Inhalationsbotulismus

Eine extrem seltene, aber hochgefährliche Form. Sie entsteht durch das Einatmen von Botulinumtoxin – zum Beispiel beim Öffnen stark kontaminierter Konserven oder im Falle eines bioterroristischen Angriffs.

2. Iatrogener Botulismus

Diese Variante kann durch eine Überdosierung von Botulinumtoxin entstehen, wie es beispielsweise bei kosmetischen Faltenbehandlungen oder in der neurologischen Therapie eingesetzt wird. Solche Fälle sind jedoch äußerst selten.

3. Tierischer Botulismus

Betrifft vor allem Rinder und Geflügel, wenn sie kontaminiertes Futter aufnehmen. Diese Form spielt vor allem in der Landwirtschaft eine Rolle, kann aber wirtschaftliche und epidemiologische Folgen haben.

4. Wundbotulismus

Entsteht, wenn das Bakterium in offene, sauerstoffarme Wunden eindringt. Besonders gefährdet sind Personen, die intravenöse Drogen konsumieren. Das Gift entsteht direkt im infizierten Gewebe.

5. Säuglingsbotulismus

Diese Form tritt ausschließlich bei Säuglingen unter zwölf Monaten auf. Da ihre Darmflora noch nicht vollständig ausgereift ist, können sich eingeschleppte Sporen im Darm ansiedeln und dort das Toxin produzieren. Ein typischer Auslöser ist Honig – deshalb sollten Eltern ihn Säuglingen grundsätzlich nicht geben.

6. Lebensmittelbotulismus

Die mit Abstand häufigste Form beim Menschen – und auch die Ursache im aktuellen Fall in Italien. Sie entsteht durch den Verzehr kontaminierter, unzureichend erhitzter Lebensmittel. Typische Beispiele sind selbstgemachte Konserven, eingelegtes Gemüse, Wurst oder Fischprodukte. Das Gift lässt sich zuverlässig nur durch Erhitzen auf über 85 Grad Celsius unschädlich machen.5

Wie häufig ist Botulismus – und wie kann man sich schützen?

Botulismus ist in Europa insgesamt selten. In Deutschland werden jährlich weniger als zehn Fälle gemeldet – fast alle davon lebensmittelbedingt. Durch moderne Lebensmittelkontrollen ist das Risiko für industriell gefertigte Produkte sehr gering. Ganz anders sieht es bei selbstgemachten Konserven oder unsachgemäß gelagerten Speisen aus – besonders bei sommerlichen Temperaturen.6

Schutzmaßnahmen auf einen Blick:

  • Keine Konserven mit gewölbtem Deckel verwenden
  • Einmachgläser mit beschädigtem Gummi oder auffälligem Geruch entsorgen
  • Selbstgemachte Konserven vor dem Verzehr mindestens 85 Grad Celsius erhitzen
  • Säuglingen unter einem Jahr keinen Honig geben
  • Bei Straßenimbissen auf saubere, gekühlte Lagerung achten
  • Lebensmittelreste nicht über Stunden ungekühlt stehen lassen

Quellen

  1. Euronews. Tod durch Botulismus: Ermittlungen gegen fünf Ärzte in Italien. (aufgerufen am 11.08.2025) ↩︎
  2. BfR. Selten, aber vermeidbar: Fragen und Antworten zum Botulismus. (aufgerufen am 11.08.2025) ↩︎
  3. Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz. Botulismus. (aufgerufen am 12.08.2025) ↩︎
  4. Die Techniker. Was ist Botulismus? (aufgerufen am 11.08.2025) ↩︎
  5. AOK. Was ist Botulismus und wie entsteht die Krankheit? (aufgerufen am 11.08.2025) ↩︎
  6. RKI. Botulismus. (aufgerufen am 12.08.2025) ↩︎

Sie haben erfolgreich Ihre Einwilligung in die Nutzung unseres Angebots mit Tracking und Cookies widerrufen. Damit entfallen alle Einwilligungen, die Sie zuvor über den (Cookie-) Einwilligungsbanner bzw. über den Privacy-Manager erteilt haben. Sie können sich jetzt erneut zwischen dem Pur-Abo und der Nutzung mit Tracking und Cookies entscheiden.

Bitte beachten Sie, dass dieser Widerruf aus technischen Gründen keine Wirksamkeit für sonstige Einwilligungen (z.B. in den Empfang von Newslettern) entfalten kann. Bitte wenden Sie sich diesbezüglich an datenschutz@axelspringer.de.