Zum Inhalt springen
logo Das Magazin für Fitness, Gesundheit und Ernährung
Krankheiten A bis Z Alle Themen
Gefährliches Bakterium

Ursachen, Symptome und Folgen von Milzbrand

Milzbrand wird von Tieren übertragen und ist tödlich, vor allem in Urlaubsgebieten kann man sich mit dem Bakterium infizieren.
Milzbrand wurde bereits als biologische Waffe eingesetzt. Foto: Getty Images/Science Photo Libra
Artikel teilen

11. August 2025, 4:00 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten

Es können Kühe, Rinder oder Schafe sein, die scheinbar friedlich auf der Weide grasen – doch in ihrem Fell oder auf dem Boden unter ihren Hufen kann das gefährliche Bakterium Bacillus anthracis lauern. Bereits kurzer Kontakt mit den Tieren reicht aus, um sich anzustecken. Vor allem in beliebten Urlaubsorten taucht die Infektionskrankheit noch auf. FITBOOK-Redakteur Michel Winges klärt auf, was Sie über Milzbrand wissen müssen und weshalb es sogar von den USA als eine der gefährlichsten Biowaffen eingeschätzt wird.

Jetzt dem FITBOOK-Kanal bei Whatsapp folgen!

Was ist Milzbrand?

Milzbrand, auch unter dem Namen „Anthrax“ bekannt, ist eine schwerwiegende Infektionskrankheit, die durch das Bakterium Bacillus anthracis verursacht wird. Zu den Hauptverbreitungsgebieten des Milzbrand-Erregers zählen Afrika sowie Zentral- und Südasien.1 Wer in diesen Regionen mit Tieren in Berührung kommt, sei es beim Streicheln von Nutztieren, auf Safari oder beim Arbeiten auf einer Farm, setzt sich einer realen Gefahr aus: Das Bakterium Bacillus anthracis kann unbemerkt vom Tier auf den Menschen überspringen.

Die Erreger können im Boden jahrzehntelang als widerstandsfähige Sporen überleben. Dort werden sie vor allem von Weidetieren wie Rindern, Schafen, Ziegen oder Pferden aufgenommen. Gelangen die Bakterien erst einmal in den Körper, produzieren sie ein gefährliches Gift, das sogenannte Milzbrandtoxin. Dieses ist grundsätzlich lebensgefährlich, allerdings hängt die tatsächliche Gefahr jedoch von der Schwere und Ausbreitung der Infektion im Körper ab. Es werden vier verschiedene Arten unterschieden, in denen sich die Krankheit äußern kann.

Ansteckungsgefahr in Urlaubsgebieten

In Industrieländern wie Deutschland ist Milzbrand heute extrem selten. In tropischen und subtropischen Regionen wie Afrika sowie Zentral- und Südasien dagegen tritt die Infektionskrankheit durchaus noch auf. Dennoch muss man anmerken, dass die Zahl der weltweiten Erkrankungsfälle gering ist und bei circa 2.000 liegt.

Für Menschen besteht das größte Risiko bei direktem Kontakt mit infizierten Tieren (vor allem bei Rindern, Pferden, Schafen und Ziegen) oder Tierprodukten, wie:

  • Felle
  • Wolle
  • Fleisch

Aber auch durch Kontakt mit kontaminierter Erde kann das Bakterium übertragen werden. Besonders gefährdet sind daher Landwirte, Tierärzte, Schlachthofmitarbeiter und Menschen, die in Risikoregionen reisen oder arbeiten. Eine direkte Ansteckung von Mensch zu Mensch ist nach aktuellem Wissensstand praktisch ausgeschlossen und spielt epidemiologisch keine Rolle. Selbst bei engem Kontakt zu Erkrankten gilt das Übertragungsrisiko als verschwindend gering.

Vier verschiedene Arten und ihre Symptome

Hautmilzbrand

Hautmilzbrand ist die häufigste Form der auftretenden Infektion. Bei ihr sind die Betroffenen vor allem an Händen, Armen, Hals und im Gesicht befallen. Unbehandelt verläuft der Hautmilzbrand in bis zu 40 Prozent der Fälle tödlich, mit schneller antibiotischer Behandlung lässt er sich jedoch in den allermeisten Fällen heilen.2 Die Inkubationszeit beträgt wenige Stunden bis sechs Tage nach Hautkontakt.

Symptome
  • schmerzlose, schnell wachsende Papel an der Eintrittsstelle
  • Entwicklung zu einem mit schwarzem Schorf bedeckten Geschwür (Milzbrandkarbunkel)
  • deutliche Schwellung (Ödem) rund um die betroffene Hautstelle
  • mögliche Ausbreitung der Entzündung über die Lymphbahnen
  • im fortgeschrittenen Verlauf: Fieber, Benommenheit, Herz-Kreislauf-Probleme
  • bei schwerem Verlauf Gefahr einer Sepsis (Blutvergiftung)

Lungenmilzbrand

Lungenmilzbrand entsteht, wenn infektiöse Sporen eingeatmet werden. Er gilt als besonders gefährlich, da sich das Krankheitsbild rasant verschlechtern kann. Eine sofortige medizinische Behandlung ist daher entscheidend. Diese Form tritt vor allem bei der absichtlichen Freisetzung von Milzbrand auf. Die Inkubationszeit ist beim Lungenmilzbrand deutlich schwieriger zu bestimmen, da sie in Einzelfällen entweder kürzere oder längere Zeiten aufweist. In der Regel sind es jedoch vier bis sechs Tage nach Inhalation.

Symptome
  • zunächst grippeähnliche Beschwerden (Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen)
  • rascher Übergang zu hohem Fieber und schwerem Krankheitsgefühl
  • mögliche Brustschmerzen und Atemnot
  • Schocksymptomatik bis hin zu Herz-Kreislauf– und Lungenversagen
  • Gefahr einer Sepsis (Blutvergiftung)
  • im Röntgenbild: Verbreiterung des Mediastinums (Mittelfellraum im Brustkorb)

Magen-Darm-Milzbrand

Magen-Darm-Milzbrand entsteht, wenn kontaminierte Lebensmittel verzehrt werden und sich die Bakterien im Magen-Darm-Trakt ansiedeln. Selbst unter Behandlung verläuft die Erkrankung häufig schwer. Die Inkubationszeit beträgt ein bis drei Tage nach der Nahrungsaufnahme.

Symptome
  • unspezifische Anfangsbeschwerden: Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Fieber, Blähungen
  • blutige Durchfälle
  • starke Entzündungen im Magen-Darm-Trakt
  • Gefahr einer Bauchfellentzündung (Peritonitis)
  • selten: Befall von Mund und Rachen mit Halsschmerzen, Schluckbeschwerden, Schwellungen und Atemnot

Injektionsmilzbrand

Injektionsmilzbrand ist eine seltene, aber gefährliche Verlaufsform, die seit den letzten 20 bis 25 Jahren auftritt.3 Die Infektion entsteht, wenn Heroin während des Transports oder Streckens mit Milzbrandsporen verunreinigt wird. Betroffene infizieren sich entweder direkt durch das gespritzte Heroin oder durch verunreinigte Werkzeuge. Häufig lassen sich die Beschwerden nicht klar von anderen schweren Weichteilinfektionen unterscheiden, weshalb bei entsprechender Vorgeschichte immer auch an Milzbrand gedacht werden sollte. Die Inkubationszeit beträgt circa ein bis drei Tage nach der Injektion.

Symptome
  • ausgedehnte Entzündung und Schwellung rund um die Injektionsstelle
  • Rötung (Erythem) und massive Ödembildung
  • Kompartmentsyndrom (Drucksteigerung im Gewebe)
  • nekrotisierende Fasziitis (Zerstörung von Muskel- und Fettgewebe)
  • mögliche Allgemeinsymptome: Fieber, Bewusstseinsstörungen, Bauchschmerzen

Milzbrand-Meningitis

Aus allen Formen des Milzbrands kann sich eine Milzbrand-Meningitis bilden. Dies ist eine gefürchtete Komplikation, die zur Hirnhautentzündung führt. Die Symptome setzen meist plötzlich ein und reichen von starken Kopfschmerzen und hohem Fieber über Muskelschmerzen, Zittern und Verwirrtheit bis hin zu einem rasch fortschreitenden, lebensbedrohlichen Zustand. Der Zustand der Betroffenen verschlechtert sich innerhalb kürzester Zeit dramatisch, daher ist die Prognose auch extrem schlecht: Eine Milzbrand-Meningitis verläuft nahezu immer tödlich.

Auch interessant: Das steckt hinter dem Post-Holiday-Syndrom

Dunkler Hintergrund

Milzbrand gilt als eine der gefährlichsten Biowaffen überhaupt. Die widerstandsfähigen Sporen lassen sich leicht verbreiten und führen unbehandelt zu einer hohen Sterblichkeit. Bereits im Zweiten Weltkrieg testete Großbritannien Milzbrandbomben auf der schottischen Insel Gruinard Island. Die Insel blieb jahrzehntelang kontaminiert. Auch der Fall der Anthrax-Anschläge in den USA 2001, bei denen Briefe mit Milzbrandsporen verschickt wurden, zeigt die Gefahr dieser Infektion.4

Milzbrand: Diagnose

Die Diagnose von Milzbrand ist häufig eine Herausforderung, da viele Symptome denen anderer, deutlich häufiger auftretender Infektionskrankheiten ähneln. Gerade zu Beginn können Beschwerden wie Fieber, Hautveränderungen oder Atemwegsprobleme leicht mit bakteriellen oder viralen Infektionen verwechselt werden. Je nach Verlaufsform müssen Ärzte zum Beispiel bakterielle Hauterkrankungen, klassische Atemwegsinfekte oder gewöhnliche Magen-Darm-Infektionen als Ursache in Betracht ziehen.

Auch bei Drogenkonsumenten werden Infektionen nach Injektionen oftmals zunächst anderen Erkrankungen zugeordnet. Der entscheidende Schritt zur Diagnose ist der direkte Nachweis des Erregers: Je nach Symptomatik werden dazu Blutproben, Abstriche von Haut oder Wunden, Stuhlproben oder Sputum im Labor untersucht und mikrobiologisch analysiert. Moderne molekulare Verfahren ermöglichen zudem eine rasche und zuverlässige Identifikation des Erregers.

Mehr zum Thema

Wie wird Milzbrand behandelt?

Milzbrand ist ein medizinischer Notfall, der so früh wie möglich behandelt werden muss. Die wichtigste Maßnahme ist die rasche Gabe hochwirksamer Antibiotika, oft in Kombination mit weiteren Wirkstoffen. Je früher die Behandlung beginnt, desto besser stehen die Heilungschancen, besonders bei der Hautform des Milzbrands. Bei schweren Verläufen, wie dem Lungen- oder Darmmilzbrand, ist neben Antibiotika oft eine intensivmedizinische Betreuung notwendig. Ergänzend können spezielle Antitoxine zum Einsatz kommen, um die Wirkung des Milzbrandtoxins im Körper abzuschwächen. Außerdem werden Betroffene zur Sicherheit isoliert.

Wie Sie sich schützen und vorbeugen können

Impfen kommt zumindest in Deutschland nicht infrage – hier ist ein Impfstoff gegen Anthrax bisher nicht verfügbar.5 Dennoch gibt es Maßnahmen, die man anwenden kann, um sich vor Milzbrand zu schützen. Entscheidend sind konsequente Hygieneregeln im Umgang mit Tieren und tierischen Produkten, insbesondere in landwirtschaftlichen Betrieben oder Schlachthöfen. Dazu gehört gründliches Händewaschen nach Tierkontakt und verzehren Sie nur vollständig durchgekochtes oder durchgebratenes Fleisch. Bei Verdacht auf eine Infektion zählt vor allem eins: sofort zum Arzt und keine Zeit verlieren.

Quellen

  1. Tropenistitut. Milzbrand. (aufgerufen am 18.07.2025) ↩︎
  2. Robert Koch Institut. Milzbrand (Anthrax). (aufgerufen am 02.07.2025) ↩︎
  3. Deutsches Ärzteblatt. Injektionsmilzbrand – neu aufgetretene Fälle bei Heroinabhängigen. (aufgerufen am 02.07.2025) ↩︎
  4. Spiegel. Milzbrand ist die größte Bedrohung. (aufgerufen am 02.07.2025) ↩︎
  5. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz. Verordnung zum Schutz gegen den Milzbrand und den Rauschbrand. (aufgerufen am 03.07.2025) ↩︎

Sie haben erfolgreich Ihre Einwilligung in die Nutzung unseres Angebots mit Tracking und Cookies widerrufen. Damit entfallen alle Einwilligungen, die Sie zuvor über den (Cookie-) Einwilligungsbanner bzw. über den Privacy-Manager erteilt haben. Sie können sich jetzt erneut zwischen dem Pur-Abo und der Nutzung mit Tracking und Cookies entscheiden.

Bitte beachten Sie, dass dieser Widerruf aus technischen Gründen keine Wirksamkeit für sonstige Einwilligungen (z.B. in den Empfang von Newslettern) entfalten kann. Bitte wenden Sie sich diesbezüglich an datenschutz@axelspringer.de.