11. September 2026, 21:13 Uhr | Lesezeit: 10 Minuten
Bauchspeicheldrüsenkrebs gilt als einer der gefährlichsten Tumoren: Häufig wird er erst diagnostiziert, wenn kaum noch Behandlungsspielraum besteht. Die Symptome sind selbst in fortgeschrittenen Stadien unspezifisch und oft sehr subtil. Dadurch werden sie nicht selten zunächst mit anderen, weniger lebensbedrohlichen Gesundheitsbeschwerden in Verbindung gebracht. Frühe Anzeichen einer Krebserkrankung des Pankreas können etwa Störungen im Blutzuckerhaushalt sein.
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Mögliche Symptome von Bauchspeicheldrüsenkrebs
Symptome einer Bauchspeicheldrüsenkrebserkrankung sind selbst in fortgeschrittenen Stadien unspezifisch und oft sehr subtil. Dadurch werden sie nicht selten zunächst mit anderen, weniger lebensbedrohlichen Gesundheitsbeschwerden in Verbindung gebracht. Symptome von Bauchspeicheldrüsenkrebs können sein:
- Ungewollte Gewichtsabnahme
- Appetitlosigkeit
- Übelkeit
- Erbrechen
- Durchfall oder Verstopfung
- heller, fettiger Stuhlgang
- Bauch- und Rückenschmerzen
- Gelbsucht, also Gelbfärbung der Haut und Augen
- juckende Haut
- Müdigkeit, verminderte Leistungsfähigkeit
- Depressionen
Da die Bauchspeicheldrüse die Blutzucker-regulierenden Hormone Insulin und Glukagon produziert, kann eine Krebserkrankung am Organ den normalen Blutzuckerhaushalt stören. In manchen Fällen kann das zu der Entstehung von Diabetes führen oder eine bestehende Erkrankung verschlimmern.1
Im fortgeschrittenen Stadium können außerdem Wasseransammlungen im Bauchraum (Aszites), eine Bauchspeicheldrüsenentzündung ohne erkennbare Ursache sowie eine gestörte Blutgerinnung mit Thrombosen auftreten.
Was ist Bauchspeicheldrüsenkrebs?
Bei Bauchspeicheldrüsenkrebs handelt es sich um eine bösartige Erkrankung im Gewebe der Bauchspeicheldrüse (Pankreas). Das lebenswichtige Organ liegt hinter dem Magen und spielt eine essenzielle Rolle bei der Produktion von Verdauungsenzymen. Daneben produziert die Bauchspeicheldrüse die Hormone Glukagon und Insulin, die für den Zuckerstoffwechsel verantwortlich sind.2
Die Bauchspeicheldrüse besteht aus exokrinem und endokrinem Gewebe. Im exokrinen Teil werden Verdauungssäfte gebildet, während die Zellen des endokrinen Gewebes unter anderem Insulin und Glukagon produzieren. In beiden Gewebearten können Tumoren entstehen.
Häufigkeit und 5-Jahres-Überlebensrate
Im Jahr 2023 erkrankten etwa 19.900 Menschen an Bauchspeicheldrüsenkrebs (Pankreaskarzinom). Aufgrund der ungünstigen Prognose verstarben auch fast ebenso viele Personen an dieser Erkrankung. Seit Ende der 1990er-Jahre sind die altersstandardisierten Erkrankungs- und Sterberaten leicht gestiegen, insbesondere in den höheren Altersgruppen ab 65 Jahren.3
Aufgrund der ungünstigen Prognose (der Tumor wird wie bereits erwähnt häufig erst spät erkannt) liegt die 5-Jahres-Überlebensrate bei gerade einmal 11 Prozent. 10 Jahre nach der Diagnose leben im Schnitt noch 9 Prozent der Patienten.
Die Zahl der Neuerkrankungen und Sterbefälle hat für beide Geschlechter über die Jahre kontinuierlich zugenommen, auch aufgrund der demografischen Entwicklung. Laut dem Robert Koch-Institut weist das Pankreaskarzinom neben dem Mesotheliom die niedrigste Überlebensrate unter allen Krebserkrankungen auf.
Entstehung von Bauchspeicheldrüsenkrebs
Bauchspeicheldrüsenkrebs entsteht in der Regel aus vorbestehenden Krebsvorstufen (Dysplasien) der Drüsenzellen, die sich wiederum durch das Auftreten einer Vielzahl von genetischen Veränderungen der DNA (Mutationen) bilden. Mutierte Tumorzellen entziehen sich dabei den Zelltodmechanismen, denen gesunde Zellen unterliegen, und leben entsprechend länger bzw. vermehren sich schneller als gesunde Zellen. Diese abnormalen Zellen verdrängen Schritt für Schritt die gesunden und streuen im schlimmsten Fall in andere Organe.
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Risikofaktoren
Welche Ursache genau hinter der Entstehung von Bauchspeicheldrüsenkrebs steckt, ist noch nicht bekannt. Es gibt allerdings bestimmte Faktoren, die das Risiko einer Erkrankung erhöhen. Das sind:
- Rauchen: Aktiv aber auch passiv zu rauchen, erhöht das Risiko an Bauchspeicheldrüsenkrebs zu erkranken um bis zu 70 Prozent.4 Daten des Pancreatic Cancer Case-Control Consortium zeigen, dass Rauchen über 40 Jahre mit einem mehr als zweifach erhöhten Risiko für Bauchspeicheldrüsenkrebs verbunden ist. Es steigt mit der Anzahl der gerauchten Zigaretten und der Dauer des Rauchens.
- Übermäßiger Alkoholkonsum: Hoher Alkoholkonsum ist mit einem erhöhten Risiko für Bauchspeicheldrüsenkrebs verbunden.
- Pankreatitis: Eine chronische oder vererbte Bauchspeicheldrüsenentzündung erhöht das Risiko für Krebs.
- Ernährung: Auch Ernährungsfaktoren werden als mögliche Risikofaktoren untersucht. Hinweise gibt es unter anderem darauf, dass ein sehr häufiger Verzehr von verarbeitetem Fleisch sowie geräucherten oder gegrillten Speisen das Risiko erhöhen könnte. Die Datenlage ist hier jedoch nicht eindeutig.
- Übergewicht: Zu viel Gewicht oder krankhaftes Übergewicht wurde ebenfalls mit einem erhöhten Risiko in Verbindung gebracht.
- Diabetes. Menschen mit Typ-2-Diabetes haben ein erhöhtes Risiko, an Bauchspeicheldrüsenkrebs zu erkranken. Gleichzeitig kann ein neu auftretender oder sich plötzlich verschlechternder Diabetes auch eine Folge eines bereits bestehenden Pankreaskarzinoms sein.
- Alter. Das Risiko steigt mit zunehmendem Alter. Das mittlere Erkrankungsalter liegt in Deutschland bei 76 Jahren für Frauen und 72 Jahren für Männer.
- Vererbung. Bauchspeicheldrüsenkrebs kann in manchen Familien gehäuft auftreten. Das Risiko kann erhöht sein, wenn nahe Verwandte wie Eltern, Geschwister oder Kinder daran erkrankt sind. Auch bestimmte seltene erbliche Erkrankungen können das Risiko für Bauchspeicheldrüsenkrebs erhöhen.
Sind mindestens zwei Verwandte ersten Grades – also Eltern, Kinder oder Geschwister – an einem Pankreaskarzinom erkrankt, sprechen Fachleute von einem familiären Pankreaskarzinom (FPC). Das Erkrankungsrisiko steigt dabei mit der Zahl der betroffenen erstgradig Verwandten. Insgesamt sind eine familiäre Belastung und genetische Krankheitsbilder jedoch vergleichsweise selten für Bauchspeicheldrüsenkrebs verantwortlich.
Treffen mehrere Risikofaktoren zusammen, kann das individuelle Erkrankungsrisiko zusätzlich erhöht sein.
Arten von Bauchspeicheldrüsenkrebs
Basierend auf der Art der Zelle, in der sich der Krebs entwickelt, unterscheidet man zwischen zwei Typen von Bauchspeicheldrüsenkrebs:
- Adenokarzinom oder exokrines Pankreaskarzinom bezeichnet den Typ Bauchspeicheldrüsenkrebs, der seinen Ursprung in den Zellen hat, die die Gänge der Bauchspeicheldrüse auskleiden.
- Als neuroendokrine Tumore, Inselzelltumore der Bauchspeicheldrüse oder endokriner Krebs werden Krebsarten bezeichnet, die sich in den hormonproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse bilden.
Bei rund 95 von 100 Betroffenen entsteht Bauchspeicheldrüsenkrebs im exokrinen Teil des Pankreas. Nur bei etwa 5 von 100 Betroffenen entwickelt sich der Tumor im endokrinen Gewebe.
Neuroendokrine Tumoren der Bauchspeicheldrüse sind deutlich seltener als das klassische exokrine Pankreaskarzinom. Einige produzieren Hormone und können dadurch unterschiedliche Beschwerden verursachen, andere sind hormonell nicht aktiv. Sie unterscheiden sich auch hinsichtlich Behandlung und Prognose vom exokrinen Pankreaskarzinom.5
So wird die Erkrankung diagnostiziert
Je früher man die Erkrankung entdeckt, desto besser sind die Heilungschancen. Dementsprechend wichtig ist es, bei ersten Symptomen, die auf Bauchspeicheldrüsenkrebs hindeuten könnten, einen Arzt aufzusuchen. Insbesondere, wenn man eine genetische Prädisposition hat und/oder ein oder mehrere Risikofaktoren aufweist. Beim Arzt werden nach ausführlicher Anamnese möglicherweise eine oder mehrere Untersuchungen durchgeführt, die weiter Klarheit schaffen können, wie beispielsweise:
- eine Ultraschalluntersuchung des Bauchraums
- eine Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT), um ein Bild der Bauchspeicheldrüse zu bekommen
- eine endoskopische Ultraschalluntersuchung, bei der mithilfe eines Endoskops mit Ultraschallkopf Bilder von der Bauchspeicheldrüse gemacht werden
- Bluttests, bei denen unter anderem der Tumormarker CA 19-9 bestimmt werden kann. Dieser eignet sich jedoch nicht dazu, Bauchspeicheldrüsenkrebs allein zu diagnostizieren oder die Erkrankung bei Menschen ohne Beschwerden frühzeitig zu erkennen
- je nach Befund eine Biopsie des Tumors in der Bauchspeicheldrüse
Eine Biopsie ist nicht in jedem Fall vor einer Operation notwendig. Vor einer medikamentösen Behandlung eines nicht operablen Tumors wird die Diagnose dagegen in der Regel durch eine Gewebeprobe gesichert.
In dem unglücklichen Fall, dass ein Arzt Bauchspeicheldrüsenkrebs diagnostiziert, folgen in der Regel weitere Untersuchungen, die zeigen, in welchem Stadium die Erkrankung ist.
Um die Ausbreitung der Erkrankung zu bestimmen, kann beispielsweise eine CT des Brustkorbs eingesetzt werden, um nach möglichen Metastasen zu suchen. In bestimmten Fällen können auch eine Spiegelung der Bauchhöhle (Laparoskopie) oder eine Positronenemissionstomografie (PET) sinnvoll sein.
Früherkennung bei erhöhtem Risiko
Eine allgemeine Früherkennungsuntersuchung für Bauchspeicheldrüsenkrebs gibt es derzeit nicht. Bei bestimmten Menschen mit einem deutlich erhöhten erblichen oder familiären Risiko können jedoch regelmäßige Untersuchungen, insbesondere mittels MRT und/oder endoskopischem Ultraschall, sinnvoll sein.
Bei Menschen mit einem familiär erhöhten Risiko können solche Untersuchungen ab einem Alter von 50 bis 55 Jahren beginnen. Alternativ können sie zehn Jahre vor dem Alter starten, in dem die jüngste Person innerhalb der Familie an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankte. Bei bestimmten erblichen Genveränderungen gelten je nach Mutation andere Altersgrenzen.
Auch für Menschen mit einer erblich bedingten chronischen Pankreatitis kann eine Früherkennung infrage kommen. Wurde die Pankreatitis vor dem 40. Lebensjahr diagnostiziert, können die Untersuchungen 20 Jahre nach der Diagnose beginnen. Ist der Beginn der Erkrankung nicht bekannt, kommen sie ab dem 40. Lebensjahr infrage.
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Therapie
Bei der Behandlung von Bauchspeicheldrüsenkrebs bietet eine Operation die einzige Möglichkeit auf Heilung. Voraussetzung ist, dass der Tumor vollständig entfernt wird und keine Fernmetastasen vorliegen. Nach der Operation folgt in der Regel eine etwa sechsmonatige Chemotherapie, um das Risiko für einen Rückfall zu senken.
Lässt sich der Tumor zunächst nicht vollständig entfernen, können Ärzte vor der Operation eine Chemotherapie einsetzen. Sie kann den Tumor so weit verkleinern, dass eine Operation anschließend doch möglich ist Bei fortgeschrittenem Bauchspeicheldrüsenkrebs behandeln Ärzte die Erkrankung vor allem mit einer Chemotherapie. Sie soll das Tumorwachstum bremsen, Beschwerden lindern und das Leben verlängern.
Bei einigen Patienten können Untersuchungen der Krebszellen außerdem zeigen, ob eine zielgerichtete Therapie oder Immuntherapie infrage kommt. Diese Behandlungen eignen sich jedoch nur für bestimmte Tumoren mit entsprechenden biologischen Eigenschaften. Somit stehen für die Behandlung von Bauchspeicheldrüsenkrebs folgende Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung.
Behandlungsmöglichkeiten im Überblick
- eine Operation, bei der betroffene Teile der Bauchspeicheldrüse entfernt wird. Diese Behandlungsform kommt allerdings nur infrage, wenn sich der Krebs noch nicht ausgebreitet hat.
- Strahlentherapie
- Chemotherapie
- Immuntherapie bei bestimmten seltenen molekularen Tumormerkmalen
- bei einer zielgerichteten Krebstherapie setzt man Medikamente ein, die gezielt bestimmte Eigenschaften oder Veränderungen der Tumorzellen angreifen.
Ebenso kann es sein, dass der behandelnde Arzt eine Kombination aus verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten wählt. Im schlimmsten Fall, wenn der Krebs zu stark fortgeschritten ist oder Behandlungsversuche keinen Erfolg erbracht haben oder mehr erbringen, wird sich die Therapie auf die Behandlung von Beschwerden wie Schmerzen konzentrieren.
Bei einem Gallenstau kann beispielsweise ein kleines Röhrchen (Stent) in die Gallengänge eingesetzt werden, damit die Gallenflüssigkeit wieder abfließen kann. Palliativmedizinische Maßnahmen können zudem Beschwerden wie Schmerzen, Übelkeit oder Verdauungsprobleme lindern.
Mögliche Folgen einer Operation
Wird die Bauchspeicheldrüse ganz oder teilweise entfernt, kann ihre Funktion eingeschränkt sein. Produziert sie anschließend nicht mehr ausreichend Verdauungsenzyme, müssen Betroffene diese gegebenenfalls zu den Mahlzeiten einnehmen. Entfernt man die gesamte Bauchspeicheldrüse, fehlen auch die Insulin produzierenden Zellen. Betroffene entwickeln dann einen sogenannten Typ-3c-Diabetes und müssen Insulin erhalten.
Vor allem bei fortgeschrittenem Bauchspeicheldrüsenkrebs kann zudem ein starker Gewichtsverlust auftreten, der sich nicht allein durch mehr Essen ausgleichen lässt. Fachleute empfehlen Betroffenen mit Ernährungsproblemen deshalb eine spezielle Ernährungsberatung und -therapie.
Was man tun kann, um das Risiko für Bauchspeicheldrüsenkrebs möglichst kleinzuhalten
Um das Risiko einer Bauchspeicheldrüsenerkrankung möglichst klein zu halten, sollte man einen gesunden Lebensstil pflegen und sich gut ernähren. Das heißt, zum einen regelmäßige Bewegung, nicht rauchen und keinen oder wenig Alkohol trinken. Auch ein gesundes Körpergewicht und eine ausgewogene Ernährung sind grundsätzlich empfehlenswert. Bei einzelnen Lebensmitteln ist der Zusammenhang mit Bauchspeicheldrüsenkrebs jedoch weniger eindeutig. Hinweise gibt es unter anderem darauf, dass ein sehr häufiger Verzehr von verarbeitetem Fleisch sowie geräucherten oder gegrillten Speisen das Risiko erhöhen könnte.
Wie erwähnt, sind die Symptome von Bauchspeicheldrüsenkrebs unspezifisch und oft sehr subtil – selbst in fortgeschrittenen Stadien. Ein Arztbesuch kann immer Klarheit schaffen. Wer weiß, dass er genetisch prädisponiert ist, sollte ganz besonders auf einen gesunden Lebensstil achten, Risikofaktoren vermeiden und mit einem spezialisierten Arzt klären, ob aufgrund des individuellen Risikos regelmäßige Früherkennungsuntersuchungen sinnvoll sind.