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Normaldruckhydrozephalus

„Altershirndruck“ – Symptome und Behandlungsmöglichkeiten

Altershirndruck hat auch Billy Joel.
Hinter vermeintlichen Alterserscheinungen kann sich ein behandelbarer Normaldruckhydrozephalus verbergen Foto: Getty Images

14. September 2026, 10:04 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Vergesslichkeit, Blasenschwäche und Gangstörungen. Zuhauf werden diese Veränderungen als normale Alterserscheinungen oder als Anzeichen einer unheilbaren Demenz abgetan. Dabei kann auch eine andere Erkrankung, eine oft sogar gut behandelbare, dahinterstecken. Eine verlässliche Diagnose ist deshalb von entscheidender Bedeutung.

„Wasserkopf im Alter“ oder „Altershirndruck“ sind Bezeichnungen, die auftauchen, wenn man versucht, den medizinischen Begriff „Normaldruckhydrozephalus“ (NPH) zu vereinfachen. Auch wenn die Begriffe plump klingen mögen, beschreiben sie recht treffend, was bei der Erkrankung passiert. Unser Körper bildet täglich Nervenwasser, das normalerweise über den Blutkreislauf wieder aufgenommen wird. Bei NPH ist dieser Abfluss beziehungsweise die Wiederaufnahme gestört, sodass sich die Flüssigkeit in den inneren Hohlräumen des Gehirns anstaut. Dieser Prozess verläuft meist schleichend, weshalb sich auch die Beschwerden nur langsam entwickeln.

Erklärung des medizinischen Begriffs

Im medizinischen Begriff steckt das Wort „normal“, was auf den ersten Blick irritieren kann. Schließlich sammelt sich bei der Erkrankung Flüssigkeit im Gehirn an. Die logische Schlussfolgerung wäre daher, dass auch der Druck im Schädel erhöht sein müsste. Genau das ist jedoch nicht der Fall und ein Aspekt, der die Erkrankung tückisch macht. Denn obwohl sich Gehirnflüssigkeit anstaut, weichen die Hohlräume im Inneren des Gehirns langsam aus und erweitern sich. Durch diesen schleichenden Prozess verteilt sich die Kraft auf eine größere Fläche, sodass der gemessene Hirndruck im Normalbereich verbleibt, während das umgebende Gewebe dennoch stetig unter Druck steht und geschädigt wird.

Drei Symptome sind typisch

Die Symptomatik wird klassischerweise mit der sogenannten „Hakim-Trias“ bezeichnet, einem Symptomkomplex dreier Symptome. Typischerweise beginnen die Symptome schleichend und verschlechtern sich über Wochen bis Monate.1 Die drei Symptome müssen außerdem nicht alle gleichzeitig vorliegen. Bei etwa 48 bis 75 Prozent ist das dennoch der Fall.

Gangstörungen

Gangstörungen können sich verschieden äußern. Zum einen kann das Gehen schlicht verlangsamt, breitbasig oder kleinschrittig sein. Es kann sich um einen „magnetischen Gang“ handeln, wobei Betroffene Mühe haben, die Füße vom Boden abzuheben. Es wirkt so, als ob die Füße am Boden kleben – Betroffene schlurfen dann häufig. Was ebenso vorkommen kann, ist, dass bei Betroffenen vor allem beim Angehen oder Wenden starr wirkende Blockaden auftreten. Zudem steigt bei den Betroffenen aufgrund der Instabilität eine erhöhte Sturzneigung, vorwiegend bei Richtungswechseln und Wenden.

Vergesslichkeit

Geistige Beeinträchtigungen zeigen sich bei 80 bis 100 Prozent der Betroffenen.2 Das Bild gleicht dem Muster eines frühen Stadiums einer subkortikal-frontalen Demenz. Typischerweise treten auf:

  • Verlangsamung: hin zu stark verlangsamten Denkabläufen
  • Aufmerksamkeit und Konzentration: nachlassende Konzentrations- und Aufmerksamkeitsleistung
  • Exekutive Funktionen: Störungen bei der Handlungsplanung, kognitiven Flexibilität, beim Multitasking und der Entscheidungsfindung
  • Gemüts- und Verhaltensänderungen: Häufig fallen Apathie, Antriebslosigkeit, Affektabflachung, Verlust von Interessen sowie sozialer Rückzug auf
  • Gedächtnis: Vergesslichkeit und Gedächtnisprobleme. Dabei gelingt das Wiedererkennen von Informationen meist deutlich besser als der freie Abruf.

Blasenschwäche

Bei etwa 43 bis 90 Prozent betrifft eine neurogene Blasenstörung. Hier die klinischen Merkmale:

  • Frühstadium: Die Beschwerden beginnen meist damit, dass Betroffene sehr häufig Wasser lassen müssen. Der Drang kommt oft so plötzlich und stark, dass er sich nur schwer unterdrücken lässt.
  • Spätstadium (Inkontinenz): Im weiteren Verlauf schaffen es Betroffene immer seltener, rechtzeitig zu kommen, und es kommt zu ungewolltem Urinverlust.
  • Die Probleme ergänzen sich dabei: Wenn zusätzlich Gangstörungen vorliegen, erschwert das Betroffenen den Weg zur Toilette, wodurch es leichter zu ungewolltem Urinverlust kommen kann. Auch die Vergesslichkeit spielt eine Rolle, da das Gehirn die Signale einer vollen Blase nicht mehr zuverlässig wahrnimmt oder richtig einordnet.

Epidemiologie

Zunächst muss klargestellt werden, dass Schätzungen zufolge mehr als 80 Prozent aller NPH-Fälle unerkannt oder unbehandelt bleiben.3 Das liegt insbesondere daran, dass die Beschwerden, den bereits erwähnten, normalen Alterserscheinungen oder Erkrankungen wie Alzheimer und Parkinson stark ähneln. Weitere Schätzungen gehen davon aus, dass rund sechs Prozent aller Demenzfälle auf NPH zurückzuführen sind.4

Wer ist betroffen?

Unter 65 Jahren scheint die Erkrankung sehr selten zu sein. Im Durchschnitt liegt der Symptombeginn um das 70. Lebensjahr, genauer gesagt in der siebten Lebensdekade. Mit fortschreitendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit für NPH deutlich an.5 Ob eher Männer oder eher Frauen betroffen sind, ist in den Daten nicht vollkommen eindeutig, meist wird jedoch von einer recht gleichmäßigen Verteilung ausgegangen.6

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Wie wird diagnostiziert und behandelt?

Zunächst prüft der Arzt, ob die für einen Normaldruckhydrozephalus (NPH) typischen Symptome vorliegen. Anschließend werden bildgebende Verfahren wie eine Magnetresonanztomografie (MRT) oder Computertomografie (CT) eingesetzt, um die Veränderungen im Gehirn sichtbar zu machen.

Eine Besonderheit der NPH-Diagnostik ist der sogenannte Nervenwasser-Test, der gewissermaßen als „Probelauf“ für die spätere Behandlung dient. Dabei werden über einen feinen Einstich im Bereich der Lendenwirbelsäule einmalig etwa 30 bis 50 Milliliter Nervenwasser entnommen. Verbessert sich die Gehfähigkeit des Patienten innerhalb der folgenden 24 bis 48 Stunden deutlich, gilt das als starkes Indiz dafür, dass eine spätere Operation erfolgreich sein könnte.

Fallen die Ergebnisse nicht eindeutig aus, kann das Nervenwasser alternativ über mehrere Tage abgeleitet oder der Abflusswiderstand gemessen werden. Zudem lässt sich die entnommene Flüssigkeit auf bestimmte Eiweißstoffe untersuchen. So kann abgeklärt werden, ob hinter den Beschwerden möglicherweise andere Erkrankungen wie Alzheimer oder eine Entzündung des Nervensystems stecken.

Bestätigt sich die Diagnose, erfolgt die Behandlung meist durch die Implantation eines sogenannten Shunts. Das ist im Grunde der Schlauch, dessen Nutzen zuvor mit dem Nervenwasser-Test überprüft wurde. Er leitet überschüssiges Nervenwasser dauerhaft aus den Hirnkammern ab und kann die Beschwerden häufig deutlich lindern. Je früher die Erkrankung erkannt und behandelt wird, desto besser sind in der Regel die Erfolgsaussichten.7

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Wie ist die Heilungschance?

Nach der Shunt-Operation erleben viele Patienten eine deutliche Besserung aller drei Symptome. Besonders stark fällt die Verbesserung bei den Gangstörungen aus. Entscheidend für den Behandlungserfolg ist dennoch auch eine möglichst frühe Diagnose und Therapie.

Quellen

  1. Universitätsspital Berlin. Normal pressure hydrocephalus. (aufgerufen am 11.09.2026) ↩︎
  2. DGN. Normaldruckhydrozephalus. (aufgerufen am 11.09.2026) ↩︎
  3. Hydrocephalus Association. Normal Pressure Hydrocephalus (NPH). (aufgerufen am 11.09.2026) ↩︎
  4. Margetis, K., Das, J. M., Biagioni, M. C. (2026). Idiopathic Normal Pressure Hydrocephalus. National Library of Medicine. ↩︎
  5. Cleveland Clinic. Normal Pressure Hydrocephalus (NPH). (aufgerufen am 11.09.2026) ↩︎
  6. Barrow Neurological Institute. Normal Pressure Hydrocephalus (NPH). (aufgerufen am 11.09.2026) ↩︎
  7. Jeppsson, A., Wikkelsö, C., Blennow, K. et al. (2019). CSF biomarkers distinguish idiopathic normal pressure hydrocephalus from its mimics. BMJ Journals. ↩︎

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