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Von Intervallfasten bis Ramadan

Worauf Diabetiker beim Fasten achten sollten

Veränderte Mahlzeiten, sinkender Blutzucker, angepasste Medikation: Worauf beim Fasten zu achten ist.
Veränderte Mahlzeiten, sinkender Blutzucker, angepasste Medikation: Worauf beim Fasten zu achten ist. Foto: Getty Images
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24. Februar 2026, 4:05 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Ob aus spirituellen Gründen, zur Gewichtsreduktion oder als Impuls für einen gesünderen Lebensstil – Fasten hat viele Gesichter. Doch für Menschen mit Diabetes ist der zeitweise Verzicht auf Nahrung keine harmlose Entscheidung. Sinkende Blutzuckerwerte, veränderte Essensrhythmen und angepasste Medikamentendosen können den Stoffwechsel erheblich belasten. Was ist erlaubt, was riskant – und worauf müssen Betroffene unbedingt achten? Mindestens 8,5 Millionen Menschen in Deutschland leben mit Diabetes mellitus.1 Entsprechend groß ist die Unsicherheit, wenn es um das Thema Fasten geht.

Grundsätzliches: Warum Fasten bei Diabetes heikel sein kann

Ganz gleich, ob Intervallfasten oder Ramadan: Wird über mehrere Stunden oder Tage keine Nahrung aufgenommen, sinkt der Blutzuckerspiegel. Für Menschen mit Diabetes besteht die Gefahr von Unterzuckerungen (Hypoglykämien), schweren Überzuckerungen (Hyperglykämien) oder sogar einer Ketoazidose, also einer Übersäuerung des Blutes.

Theresia Schoppe vom Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland (VDBD) stellt deshalb klar: „Fasten darf nie auf eigene Faust begonnen werden – weder aus religiöser Überzeugung noch aus gesundheitlichem Ehrgeiz“.

Eine ärztliche Rücksprache ist zwingend notwendig. Art des Fastens, Diabetestyp, individuelle Stoffwechsellage und Therapieform bestimmen, ob und unter welchen Bedingungen ein Verzicht möglich ist.2

Beispiel Ramadan: Fasten zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang

Während des Ramadan wird zwischen Sonnenaufgang und -untergang weder gegessen noch getrunken. Für Menschen mit chronischen Erkrankungen besteht laut Koran keine Verpflichtung zu fasten; alternativ kann ein Bedürftiger gespeist oder eine entsprechende Spende geleistet werden.

Was grundsätzlich zu beachten ist

Die Einnahme oraler Medikamente ist während der Fastenzeit tagsüber nicht erlaubt. Daher sollte spätestens drei Monate vor Beginn des Ramadan mit dem Arzt besprochen werden, wie das Behandlungsschema angepasst werden kann. Blutzuckermessungen und Insulininjektionen sind hingegen erlaubt.

Der veränderte Schlaf- und Mahlzeitenrhythmus erhöht das Risiko für Hypo- und Hyperglykämien deutlich. Zusätzlich steigt die Gefahr von Ketoazidosen, Dehydrierung – insbesondere in heißen Ländern – sowie Thrombosen bei körperlicher Aktivität.

Betroffene sollten ihr Umfeld über ihre Erkrankung informieren und einen mehrsprachigen Notfallpass mitführen.3

Auch interessant: Das steckt hinter dem „Ramadan-Supersaft“

Typ-1-Diabetes: Sehr hohes Risiko

Menschen mit Typ-1-Diabetes gehören laut Internationaler Diabetes Föderation (IDF) häufig zur Hoch- oder Sehr-hoch-Risikogruppe. Das Risiko für Hypoglykämien ist während des Fastens dreimal so hoch, das für Hyperglykämien nahezu fünfmal so hoch. Daher wird vom Fasten dringend abgeraten.

„Allen anderen möchten wir nicht pauschal abraten, doch es braucht in jedem Fall eine spezialisierte Betreuung, klare Abbruchregeln und die Bereitschaft, das Fasten bei Auffälligkeiten sofort zu beenden“, betont Schoppe. Warnzeichen wie Schwindel, Zittern oder Übelkeit erfordern einen sofortigen Abbruch.

Typ-2-Diabetes: Unter Bedingungen möglich

Menschen mit gut eingestelltem Typ-2-Diabetes können unter Umständen fasten. Ein Hinweis auf stabile Werte ist ein HbA1c unter acht Prozent. Dennoch ist auch hier das Risiko für Hypo- und Hyperglykämien um ein Mehrfaches erhöht.

Je nach Risikokategorie (IDF) gilt:

  • Kategorie 1 – sehr hohes Risiko: kein Fasten
  • Kategorie 2 – hohes Risiko: grundsätzlich kein Fasten
  • Kategorie 3 – mittleres/niedriges Risiko: Fasten unter Schulung, regelmäßiger Blutzuckerkontrolle und angepasster Medikation möglich

Bei Werten unter 70 mg/dL (3,9 mmol/L) muss das Fasten sofort unterbrochen werden. Bei Werten über 300 mg/dL (16,7 mmol/L) ist entsprechend ärztlicher Anweisung zu handeln.

Ernährung im Ramadan

Für Suhoor (Mahlzeit vor Sonnenaufgang) werden ballaststoffreiche Lebensmittel empfohlen: Vollkornprodukte, Haferflocken, Linsen, Hülsenfrüchte, Joghurt, gekochte Eier sowie viel Wasser oder ungesüßter Tee.

Beim Iftar (Fastenbrechen) sollten Gemüse- und Salatgerichte dominieren. Fettarme Zubereitungen – etwa Ofenkartoffeln statt frittierter Speisen – sind sinnvoll. Helles Geflügel oder Fisch sind günstiger als rotes Fleisch. Datteln und Obst liefern Energie sowie Mineralstoffe und sind eine Alternative zu stark gezuckerten Desserts.

Körperliche Aktivität sollte leicht bis moderat bleiben. Auch die Bewegung während der Tarawih-Gebete zählt dazu. Schwangere – unabhängig vom Diabetestyp – sollten grundsätzlich nicht fasten.4

Intervallfasten: 16:8, 5:2 und weitere Modelle

Neben dem religiösen Fasten ist das Intervallfasten verbreitet. Typische Varianten sind:

  • 16:8-Methode: 16 Stunden Fasten, 8 Stunden Essenszeit
  • 5:2-Methode: fünf Tage normale Ernährung, zwei nicht aufeinanderfolgende Tage mit maximal 500 Kilokalorien für Frauen und 600 Kilokalorien für Männer
  • 2-Tage-Diät: zwei aufeinanderfolgende Tage mit rund 650 Kilokalorien

Bei Typ-2-Diabetes können strukturierte Fastenprogramme positive Effekte auf HbA1c, Gewicht sowie Blutdruck-, Blutzucker- und Blutfettwerte haben. Auch bei diabetischer Nephropathie sind Verbesserungen der Nierenfunktion beschrieben.

Insulin und andere blutzuckersenkende Medikamente müssen häufig um 20 bis 30 Prozent reduziert werden. Der Blutzucker sollte mindestens viermal täglich kontrolliert werden.

Für Typ-1-Diabetiker kommen höchstens milde Formen mit kurzen Essenspausen infrage, begleitet von Messungen alle zwei bis drei Stunden.

Als geeignete Mahlzeiten gelten eiweiß- und ballaststoffreiche Speisen mit moderatem Kohlenhydratanteil – etwa Gemüsegerichte, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Fisch, Huhn, Tofu oder ein Omelett mit Gemüse.

Darauf sollte man achten

Gut eingestellte Menschen mit Typ-2-Diabetes dürfen grundsätzlich fasten, sollten dies jedoch ausschließlich unter ärztlicher Aufsicht tun. Je nach Therapieform kann eine Anpassung der Medikation erforderlich sein. Insbesondere bei einer Behandlung mit Insulin besteht ein erhöhtes Risiko für Unterzuckerungen.

Neben regelmäßigen Messungen sei es wichtig, auf Warnzeichen wie Zittern, Schwitzen, Herzrasen, Hunger, Verwirrtheit oder Kopfschmerzen zu achten. Gerade zu Beginn des Fastens können Kopfschmerzen durch die Stoffwechselumstellung auftreten.

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Hafertage und Kohlenhydrattage als Therapieoption

Bei insulinpflichtigem Typ-2-Diabetes mit Insulinresistenz werden im Marienhospital sogenannte Hafertage eingesetzt. Die Haferkur besteht aus Haferbrei mit zuckerarmem Obst oder Gemüse.

Kohlenhydrattage – mindestens drei Tage – behalten die bisherige Kohlenhydratmenge bei, schließen jedoch fett- und eiweißreiche Lebensmittel aus. Bereits nach ein bis zwei Tagen kann die Insulindosis deutlich reduziert werden. Zur Stabilisierung wird empfohlen, ein- bis zweimal pro Woche einen solchen Tag zu Hause zu wiederholen.

Klare Regel: Keine Entscheidung ohne ärztliche Begleitung

Unabhängig von der gewählten Fastenmethode gilt: Wer Insulin, Sulfonylharnstoffe oder Glinide einnimmt oder zusätzlich körperlich aktiv ist, muss Therapie und Bewegung eng mit dem Diabetes-Team abstimmen.

Fasten kann bei Diabetes positive Effekte haben – es kann aber ebenso schwere Komplikationen auslösen. Entscheidend sind individuelle Risikobewertung, strukturierte Schulung, regelmäßige Blutzuckerkontrolle und die Bereitschaft, das Fasten bei Auffälligkeiten sofort zu beenden.

Quellen

  1. TK. Diabetes mellitus in Zahlen. (aufgerufen am 23.02.2026) ↩︎
  2. Deutsche Diabetes Hilfe. Ramadan-Fasten. (aufgerufen am 23.02.2026) ↩︎
  3. Deutsche Diabetes Hilfe. Fasten bei Diabetes. (aufgerufen am 23.02.2026) ↩︎
  4. Marienhospital. Fastenzeit – für Diabetiker erlaubt? (aufgerufen am 23.02.2026) ↩︎

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