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Bulletproof Coffee – ein Abnehmwunder?

Warum jetzt alle Butter in ihren Kaffee einrühren

Bulletproof Coffee
Die Butter kommt nicht mehr (nur) aufs Butterbrot, sondern in den Kaffee. Das nennt sich dann Bulletproof Coffee und gilt als energiespendendes Abnehmwunder
Foto: Getty Images

Bulletproof Coffee („Kugelsicherer Kaffee“) – eine Mixtur aus Filterkaffee, einem ordentlichen Stück Butter und Kokosöl – erfreut sich ausgerechnet bei figurbewussten Menschen wachsender Beliebtheit. Denn obwohl Butter und Öl sehr fettreich sind, sollen sie in dieser Form morgens getrunken beim Abnehmen helfen. Was die Kombination aus Koffein und gesättigten Fetten angeblich noch so kann – und ob der Hype berechtigt ist: FITBOOK sprach mit einem Experten.

Wir bekommen jetzt unser Fett weg – mit dem Extra-Plus an Selbigem! Das zumindest glauben mehr und mehr Fans von Bulletproof Coffee. Und dass es funktioniert, will einer am eigenen Leib erfahren haben und dementsprechend beweisen:

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Wie kommt man auf so eine Idee?

Dem Amerikaner ist nicht etwa beim Frühstück das als Brotaufstrich gedachte Stück Butter in den Kaffee geplumpst. Auf dem Blog „Bulletproof.com“, quasi dem offiziellen digitalen Nachschlagewerk der Bewegung, wird berichtet, dass Asprey im Rahmen einer Bergtour durch Tibet Yak-Tee kennengelernt hat, also Tee mit Butter aus der Milch von Yaks. Dabei handelt es sich um eine beliebte Energiequelle unter Bergsteigern, deren Konzept Asprey kurzerhand auf Kaffee übertragen hat. Er will sich dadurch direkt energiegeladen und fokussiert gefühlt haben. Der Geschäftsmann taufte seinen neuen Zaubertrank Bulletproof Coffee und machte ihn über den gleichnamigen Webautritt publik. Hier kann man sich nicht nur über die Geschichte und korrekte Zubereitung des Kaffees informieren, sondern ihn einfach und bequem als Fertigmischung in verschiedenen Intensitäten kaufen (zum Preis von umgerechnet 16 bis 18 Euro). Außerdem stehen verschiedene Nahrungsergänzungsmittel wie Bulletproof-Proteinpulver oder -Energieriegel zum Verkauf.

Dave Asprey

Dave Asprey will nur mithilfe von Bulletproof Coffee zehn Kilo abgenommen haben. Inzwischen hat er über seine Diät, die ja angeblich keine ist, ein Buch geschrieben und ein Café im kalifornischen Santa Monica eröffnet, in dem er seinen Kaffee und weitere fettreiche Lebensmittel vertreibt
Foto: Getty Images

FITBOOK wagte den Selbstversuch nach Originalrezept. Dieses sieht eine große Tasse Filterkaffee vor, gepimpt mit jeweils einem Esslöffel Weidelandbutter und Speiseöl, idealerweise Kokosöl. Das Ganze wird etwa 20 Sekunden lang gemixt – und nun, mit etwas Mut, getrunken. Schmeckt tatsächlich nicht ganz so unangenehm wie befürchtet. Die Konsistenz ist angenehm cremig und lässt einen süßlichen Beigeschmack erwarten, in Wahrheit ist er aber eher herb. Nach dem (zweifelhaften) Genuss fiel der Mittagspausenhunger etwas kleiner aus als sonst.

Butter

Butter besteht zu über 80 Prozent aus Fett. Trotzdem: Laut Asprey soll sie als Kaffeezusatz die Pfunde purzeln lassen
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Hält Bulletproof Coffee, was er verspricht?

Ob wir dieses Ritual nun allmorgendlich pflegen sollten – das wollten wir von Sven-David Müller, Ernährungswissenschaftler aus Brandenburg, wissen. Ihm sei der Food-Trend, der in Amerika seit einer Weile „en vogue“ ist, bekannt. Trotzdem würde ihm Butterkaffee niemals an die Lippen kommen. „Eine Tasse Bulletproof Coffee schlägt mit gut 250 Kalorien und 25 Gramm Fett zu Buche“, gibt er zu bedenken. Das sei, als würde man täglich eine Tasse Schlagsahne zum Frühstück trinken – „und davon kann man NICHT abnehmen!“

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Nicht bloß, dass an seinen „positiven“ Eigenschaften nichts dran sein soll – laut Müller hat Bulletproof Coffee umso mehr negative. „Butter liefert fast ausschließlich gesättigte Fettsäuren, gefäßschädigende Transfettsäuren. Und die erhöhen erwiesenermaßen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.“ Für uns in Deutschland, wo der Großteil der Bevölkerung fettleibig sei, hält er Butter im Kaffee für eine fatale Idee. Dass Yak-Tee in Tibet eine lange Tradition hat, läge umgekehrt daran, dass die Menschen dort mager seien. „Sie brauchen die Extra-Kalorien fürs Bergsteigen und um ihrer körperlichen Arbeit nachgehen zu können.“

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Auf verschiedenen Seiten wird auch ein abführender Effekt beschrieben, der Müller kaum überrascht: Trinkt man die „fiese Brühe“ morgens auf nüchternen Magen, jagt sie garantiert widerstandslos durch den Verdauungstrakt. Vielleicht könnte das ja eine Gewichtsabnahme begünstigen, wenn auch nicht gerade eine gesunde.

Fazit

Fall sich Ihnen beim Gedanken an Butterkaffee der Magen umdreht: Sie können ihn getrost davor verschonen. Bulletproof Coffee hat keinerlei gesundheitsförderlichen Effekt und stattdessen jede Menge Fett. „Dahingegen ist purer Kaffee durchaus zu empfehlen“, so Müller. Er sei relativ kalorienarm, enthalte zudem wertvolle Antioxidantien, die der Körper zum Zellschutz braucht, und rege den Stoffwechsel an. Ein Espresso nach den Mahlzeiten könne also durchaus eine Diät unterstützen. Und apropos Diät: Butter, falls Sie aktuell auf Ihre Linie achten, am besten generell ein wenig reduzieren.

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Frau trinkt Kaffee

Wenn Sie tief in die Tasse schauen und keine Fettaugen finden, ist alles in Butter
Foto: Getty Images

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