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Beim Experten nachgefragt

Weight Watchers – lohnt sich das Abnehmprogramm?

Weight Watchers: Kochen mit frischem Gemüse
Beim Abnehmen mit Weight Watchers werden Punkte gezählt. Viele Obst- und Gemüsesorten zählen zu sogenannten ZeroPoint-Lebensmitteln, heißt: Von ihnen kann man soviel essen, wie man möchte. Foto: istock/yulkapopkova

Das Punkte-System von Weight Watchers zählt zu den Abnehmprogrammen der ersten Stunde und ist schon seit mehr als 50 Jahren auf dem Markt. Ende 2019 wurde das Konzept wieder einmal überarbeitet. Mit „meinWW“ wurde ein neues Programm an den Start gebracht, das noch individueller auf jeden Abnehmwilligen zugeschnitten sein soll. FITBOOK erklärt, wie genau das Punktezählen mit Weight Watchers funktioniert, was das Ganze kostet und fragt bei einem professionellen Ernährungscoach nach, wie effektiv das Konzept überhaupt ist und ob sich die Investition lohnt.

Weight Watchers ist wohl beinahe jedem ein Begriff. Vor mehr als 50 Jahren von der US-Amerikanerin Jean Nidetch erfunden, hat sich das Abnehmprogramm auf dem Diätmarkt fest etabliert. Oft wird es sogar als die „Mutter aller Diätprogramme“ bezeichnet. Bereits 1970 fand das erste Weight-Watchers-Treffen in Deutschland statt, in einem Wohnzimmer in Düsseldorf.

Wie funktioniert Weight Watchers?

Punkte statt Kalorien zählen

Weight Watchers (mittlerweile offiziell nur noch „WW“) basiert auf einem relativ simplen Prinzip: Statt, wie oft bei Diäten üblich, Kalorien werden Punkte gezählt. Dafür erhält jedes Lebensmittel je nach Zusammensetzung eine bestimmte Punktzahl. Am Tag gibt es eine genaue Vorgabe, wie viele dieser sogenannten „SmartPoints“ gegessen werden dürfen. Was und wie viel man isst, ist grundsätzlich egal, so lange die Punktegrenze nicht überschritten wird. Das Konzept wirbt vor allem damit, dass es ohne „verbotene“ Nahrungsmittel auskommt. Es gibt jedoch auch einige Lebensmittel, wie beispielsweise diverse Obst- und Gemüsesorten, die keine Punkte haben – sogenannte „ZeroPoint-Foods“. Davon kann man beliebig viel essen, ohne dass es sich auf das persönliche Punktekonto auswirkt. Letzteres wird für jeden individuell nach Alter, Gewicht, Größe, Geschlecht berechnet.

Regelmäßige Treffen

Weiterer Bestandteil ist das Abnehmen in der Gruppe. Dabei trifft man in regelmäßigen, zumeist wöchentlich stattfindenden Workshops andere Teilnehmer des Programms. Geleitet werden diese Treffen von ausgebildeten Coaches, die selbst bereits mit Weight Watchers abgenommen haben. Was passiert bei diesen Treffen? In erster Linie wird sich zu allem, was für die Diät relevant ist, ausgetauscht, beispielsweise über Erfolge oder auch Rückschläge beim eigenen Abnehmvorhaben. Wo das nächste Treffen nahe des eigenen Wohnorts stattfindet, kann man online per Eingabe der Postleitzahl herausfinden. Was auffällt: Die Dichte und Auswahl an angebotenen Workshops ist hoch, nicht nur in größeren Städten, sondern auch in ländlicheren Regionen.

Austausch auch per Online-Community

Wer keine Zeit oder Lust auf die regelmäßigen Treffen hat, für den gibt es das WW-Programm auch im Online-Format. Speziell dafür hat Weight Watchers eine eigene App entwickelt, in der man nicht nur unter anderem Punkte, Aktivität und das Gewicht tracken, sondern sich auch mit einer virtuellen Abnehm-Community austauschen kann.

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Welche Varianten von Weight Watchers gibt es?

WW hat in den Jahrzehnten stetig am Konzept gearbeitet und es immer wieder angepasst. Hat man früher noch auf strenge Ernährungspläne gesetzt, so ist das Programm heute deutlich flexibler gestaltet. Weight Watchers will nämlich nach eigener Aussage gerade keine Diät im klassischen Sinne, sondern vielmehr ein ganzheitliches und langfristiges Ernährungskonzept sein. Immer wieder werden neue Varianten auf den Markt gebracht, wie beispielsweise „WW Freestyle“ oder  „WW Your Way“. Das aktuellste Programm heißt „meinWW“ und wurde Ende 2019 gelauncht.

So funktioniert „meinWW“

Das jüngste Konzept setzt auf eine noch individuellere Gestaltung des Progamms. Basierend auf der Annahme, dass es verschiedene Abnehm-Typen gibt, wird die Verteilung der Punkte jeweils angepasst. Insgesamt ergeben sich daraus drei verschiedene Möglichkeiten, wie man das Programm durchführen kann: nach einem grünen, blauen und lila WW-Plan. Zum Erreichen des persönlichen Abnehmziels sollen sich nach eigener Aussage von Weight Watchers alle drei Pläne gleichermaßen gut eignen. Die Auswahlmöglichkeit sorge aber für mehr Freiheit und Individualität im Abnehmprozess.

Grün

Beim grünen Plan darf man am Tag aus einer Auswahl von 100 verschiedenen ZeroPoint-Lebensmitteln so viel essen, wie man möchte. In diesem Fall umfassen sie unterschiedliche Obst- und Gemüsesorten. Ansonsten hat man noch 30 SmartPoints für andere Nahrungsmittel zur Verfügung.

Blau

Beim blauen Konzept hat man im Vergleich zum grünen Plan doppelt so viele ZeroPoint-Lebensmittel zur Verfügung, also insgesamt 200. Neben Obst und Gemüse sind in diesem Fall auch eiweißreiche Nahrungsmittel enthalten. Dafür verringert sich die Zahl der zusätzlichen SmartPoints auf nur noch 23 am Tag.

Lila

Der lila Plan eignet sich schließlich für alle, die beim Abnehmen ungern auf Kohlenhydrate verzichten wollen. Hier sind nun ganze 300 ZeroPoint-Foods integriert, darunter auch ausgewählte Vollkornprodukte. Entsprechend am niedrigsten ist die zusätzliche Anzahl an SmartPoints, 16 am Tag gibt das Budget noch her.

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Wie viel kostet Weight Watchers?

Weight Watchers bietet verschiedene meinWW-Pakete mit unterschiedlichen Laufzeiten an.

meinWW-Komplettpaket: Workshop plus Digital (inkl. WW-App)

  • 3 Monate: 42,95 Euro pro Monat (ohne Anmeldegebühr)
  • 6 Monate: 39,95 Euro pro Monat (ohne Anmeldegebühr, 1. Monat gratis)
  • 12 Monate: 37,95 Euro pro Monat (ohne Anmeldegebühr, 2 Monate gratis)

meinWW nur digital (inkl. WW-App, ohne Workshops)

  • 3 Monate: 22,95 Euro pro Monat (ohne Anmeldegebühr)
  • 6 Monate: 19,95 Euro pro Monat (ohne Anmeldegebühr, 1. Monat gratis)
  • 12 Monate: 17,95 Euro pro Monat (ohne Anmeldegebühr, 2 Monate gratis)

Wie gut ist WW? Das sagt der Ernährungsexperte

FITBOOK hat den Ökotrophologen Jörn Utermann gefragt, was er von Weight Watchers hält. Durch seine Tätigkeit als persönlicher Ernährungscoach weiß er, mit welchen Herausforderungen Abnehmwillige im Rahmen einer Diät zu kämpfen haben. Utermann zu FITBOOK: „Überraschenderweise wird WW aus wissenschaftlicher Sicht rundum von fast allen Experten grundsätzlich als positiv eingeschätzt.“ Vor allem die einzelnen Kriterien für die Berechnung der Punkte der einzelnen Lebensmittel hält er für sinnvoll. „Basis ist zum einen der Kalorien- und Zuckergehalt sowie zusätzlich das enthaltene Eiweiß, die gesättigten Fettsäuren und die Salzmenge in den Nahrungsmitteln. Man fixiert sich also nicht nur auf einen einzelnen Wert, sondern versucht das ganze differenziert anzugehen.“

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Effektivität und Alltagstauglichkeit wissenschaftlich belegt

Auch sei die Effektivität von WW über die Jahre hinweg durch verschiedene Studien belegt worden, erklärt Utermann. „Gerade im Vergleich zu anderen Diäten schneidet die WW-Diät in der Regel sehr gut ab.“ Eine umfangreiche Studie aus dem Jahr 2005 betrachtete in einem Zeitraum von 12 Monaten Teilnehmer, die nach vier verschiedenen Diätkonzepten lebten, darunter waren auch Weight Watchers und die bekannte Atkins-Diät, die auf einem sehr strengen Low-Carb-Konzept basiert. Zu Beginn, also in den ersten 3 bis 6 Monaten, verloren die Teilnehmer im Schnitt mit dem Atkins-Konzept mehr an Gewicht. Allerdings zeigte sich im weiteren Verlauf, dass diese Ernährungsform zu restriktiv ist, um langfristig von den meisten Menschen eingehalten zu werden.

Weight Watchers hatte für die Teilnehmer auf lange Sicht eine höhere Alltagstauglichkeit. Darin sieht Utermann ein großes Plus. „Besonders durch die Klassifizierung in drei verschiedene Diättypen im neuen meinWW schafft man mit der individuellen Punkteverteilung mehr Flexibilität.“ Positiv sei bei Weight Watchers auch die umfassende „Lifestyle-Analyse“, wie es Utermann nennt. Dazu wird der Kunde aufgefordert, einen detaillierten Fragebogen zu beantworten, um den zu den eigenen Vorlieben und dem Alltag passenden Plan vor Beginn der Diät zu ermitteln.

Soziales Umfeld beeinflusst den Abnehmerfolg

Der Erfolg einer Diät basiert aus wissenschaftlich erwiesener Sicht laut Utermann auch maßgeblich auf dem sogenannten „sozialen Setting“, also wie viel Unterstützung der Abnehmende aus seinem Umfeld erfährt. Weight Watchers empfiehlt sich seiner Meinung nach gerade dann, wenn man beispielsweise niemanden im Haushalt hat, der sich bereit erklärt, das Abnehmvorhaben ganz oder zumindest teilweise mitzutragen. An dieser Stelle kann WW die Person in gewisser Weise an die Hand nehmen und gerade durch die persönlichen Treffen einen sozialen Rahmen unter Gleichgesinnten bieten.

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Stimmt bei Weight Watchers das Preis-Leistungs-Verhältnis?

Weight Watchers ist ein kommerziell orientiertes Abnehmprogramm und finanziert sich dementsprechend über seine monatlichen Abonnenten. Aber lohnt sich diese Investition auch oder kann man das nicht auch in Eigenregie machen? Nach dem Punkteliste-Prinzip könnte man sich schließlich einen ähnlichen Plan selbst zusammenstellen. „Das ist aber in der Regel ziemlich aufwendig“, so Utermann zu FITBOOK.

Wichtig sei, auf das Bauchgefühl zu hören, ob man sich mit dieser Diätform identifizieren kann und sie zu einem selbst passt, sagt Utermann. Im Vergleich hält er WW auch nicht unbedingt für überteuert. „Die ganz individuelle Beratung durch einen Ernährungscoach ist natürlich um einiges teurer, da ist die finanzielle Investition in WW eher noch gering.“

Fazit zu Weight Watchers

Laut Jörn Utermann ist Weight Watchers dennoch nicht gänzlich frei von möglichen Fehlerquellen bei der Durchführung. Zwar seien diese alle gesund, enthielten aber teilweise mehr Kalorien als im grünen oder blauen Plan.

Hier versuche WW, mit weniger SmartPoints entgegenzuwirken. „Ich kann mir gut vorstellen, dass dies in einigen Fällen allerdings nicht ausreicht und einige das System austricksen, indem sie überproportional viele Lebensmittel aus der ZeroPoint-Kategorie zu sich nehmen“, erklärt der Ernährungsexperte.

Auch sei die Diät trotz verschiedener Variationsmöglichkeiten natürlich niemals zu 100 Prozent perfekt auf den individuellen  Menschen abgestimmt. Das sei faktisch auch gar nicht möglich, dazu bräuchte es dann in jedem Fall einen persönlichen Coach. „Wer sich aber damit wohlfühlt, der schadet sich selbst mit dem Programm nicht“, so Utermanns Fazit. „Es ist plausibel, relativ leicht und alltagstauglich durchzuführen. Prinzipiell ein guter Weg, sich eine gesunde Ernährungsweise auf lange Sicht anzueignen.“