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Beliebt bei Hitze

Ist es gesundheitlich bedenklich, gefrorene Früchte zu essen?

Gefrorene Blaubeeren
Gefrorene Beeren sind ein beliebter Snack an heißen Tagen. Doch man sollte ihn mit Vorsicht genießen.Foto: Getty Images

Tiefgekühlte Beeren oder Weintrauben versprechen an heißen Sommertagen Abkühlung plus Extra-Vitamine. Doch können gefrorene Früchte direkt aus der Packung gegessen auch potenziell schädlich sein – für Zahnschmelz und Gesundheit. FITBOOK hat nachgefragt, worauf zu achten ist.

Als Zutat für einen eiskalten Smoothie oder einzeln in den Mund gesteckt – der Genuss von gefrorenen Früchten wird nicht nur auf Instagram und TikTok als Anti-Hitze-Hack gefeiert. Und auf den ersten Blick wirkt der Trick auch recht schlau. Denn Obst ist gesund, steckt voller Nährstoffe und Vitamine und bringt in der eisigen Version den gewünschten Cool-Down-Effekt mit sich. Doch Vorsicht! Gefrorene Früchte können schädlich sein. Auf ihnen können Krankheitserreger lauern, außerdem kann die Säure auf Dauer den Zahnschmelz angreifen. Gänzlich darauf verzichten muss man aber nicht. Sofern man es richtig angeht.

Viren in Tiefkühlbeeren – die unterschätzte Gefahr

Gefrorene Beeren können mit Hepatitis-A-Viren oder Noroviren kontaminiert sein, warnt das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL).1 Das Tückische: Beide Krankheitserreger sind extrem robust und überstehen die Kälte locker. Tauen die im Mund auf, „erwachen“ sie einfach wieder. Eine Infektion mit dem Norovirus geht mit heftiger Übelkeit, Bauchschmerzen, Erbrechen und Durchfall einher. Sie ist zwar selten lebensgefährlich, aber extrem unangenehm. Und sie ist hochansteckend. So auch im Jahr 2012, als tausende Kinder und Jugendliche erkrankten, nachdem sie beim Schulmittagessen mit Noroviren belastete tiefgekühlte Erdbeeren aus China verzehrt hatten. Hinzu kommen Rückstände von Pflanzenschutzmitteln. Grundsätzlich gilt: Mit Bio-Produkten ist man, was das betrifft, zumindest auf der sicheren Seite.

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So lässt sich die Viren-Gefahr minimieren

Viren wurden laut BVL vor allem in Importware gefunden, die von außerhalb der EU stammt. Daher empfiehlt das Bundesamt, gefrorene Himbeeren und Co. vor dem Verzehr kurz auf 90 Grad zu erhitzen. Das gilt besonders für ältere Menschen, Babys und Schwangere. Nun ist Erhitzen für Fans von tiefgefrorenen Früchten als Sommer-Snack keine Option. Gibt es also eine Möglichkeit, kaltes Obst zu genießen, ohne befürchten zu müssen, krank zu werden? „Ja“, beruhigt ein Sprecher des Bundesamts. „Bezüglich frischen Beeren sind uns keine Krankheitsausbrüche bekannt. Wenn Sie frische Produkte gründlich waschen und anschließend einfrieren, spricht nichts dagegen.“ Er empfiehlt dafür Beeren aus dem eigenen Garten zu nutzen oder bei regionalen Plantagen selbst zu pflücken. Da wisse man nicht nur, wo die Früchte herkommen, es sei auch im Sinne der Nachhaltigkeit.

Wer das Glück hat, über einen großen Tiefkühlschrank zu verfügen, kann sich so auch einen Vorrat anlegen, sodass er oder sie sich auch noch im Herbst über köstliche Beeren freuen kann. Übrigens: Auch von Weintrauben gehe keine Gefahr aus. Doch gilt vor dem Einfrieren ebenso: waschen, waschen, waschen!

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Sind gefrorene Früchte schädlich für die Zähne?

Die Viren-Gefahr lässt sich mit ein wenig Hintergrundwissen so gut wie auf null setzen, wenn auch nie gänzlich ausschließen. Doch wie steht es mit den Zähnen? Können Kälte und Fruchtsäure den Zahnschmelz zerstören? Die Sorge ist laut Zahnarzt Dr. Joachim Hüttmann nicht ganz unberechtigt. Die Kälte selbst ist dabei aber unbedenklich. „Kälte schädigt die Zähne nicht, sie kann aber bei Überempfindlichkeit sehr schmerzhaft sein“, so der Experte. Allerdings: „Eiswürfel oder gefrorene Früchte zu zerkauen, ist keine gute Idee. Zahnschmelz ist zwar härter als Eis, die punktförmige Belastung kann aber zu Frakturen führen. Besonders dann, wenn Zähne durch Füllungen in Folge von Karies in der Struktur geschwächt sind.“ Sein Rat: Wenn schon gefrorene Früchte, dann nur lutschen und niemals zerbeißen.

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Auch die Fruchtsäure in gefrorenen Früchten kann potenziell schädlich sein

Vorsicht ist auch aufgrund der in Obst enthaltenden Säure geboten, warnt Hüttmann: „Fruchtsäuren sind in der Tat für die Zähne schädlich, und zwar je niedriger der pH-Wert und je länger sie im Mund bleiben.“ Es ist daher ratsam, nicht den ganzen Tag pausenlos gefrorene Beeren oder Trauben zu konsumieren, sondern es bei einer „coolen Snack-Mahlzeit“ zu belassen. „Saures sollte generell nicht allzu lange auf die Zähne einwirken. Man könnte sagen: je saurer das Lebensmittel, desto kürzer.“ Auch hier lässt sich die Gefahr mit einem einfachen Tipp minimieren. „Nicht direkt danach die Zähne putzen, sondern besser ein bis zwei Stunden damit warten.“ Bis dahin habe sich die Säure von selbst neutralisiert.

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Fazit: Die vier goldenen Regeln für den sicheren Genuss von eiskalten Beeren und Weintrauben

Gefrorene Früchte müssen also nicht gefährlich für Gesundheit und Zähne sein, wenn man zusammenfassend diese vier goldenen Regeln einhält:

  1. Frische Früchte aus der Region bzw. EU wählen (vorzugsweise in Bio-Qualität)
  2. Erst gründlich waschen, dann einfrieren
  3. Nur lutschen nicht kauen (zumindest, solange sich die Frucht noch im gefrorenem Zustand befindet)
  4. Mit dem Zähneputzen anschließend ein bis zwei Stunden warten

Quelle

  1. Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit: Lebensmittel im Blickpunkt: Beerenobst kann auch Träger von Krankheitserregern sein (2019)