24. August 2026, 18:02 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Wiz Khalifa kifft so viel, dass vermutlich die Luftqualität in Los Angeles längst zu Teilen aus THC bestehen müsste. Der Musiker raucht nach eigener Aussage 30 Joints am Tag. Aber neben der Liebe zu Kiffen und Musik war sie auch stets da für Fitness. In seiner Instagram-Bio stehen „Kush and Athletics“ und „I smoke pounds and lift pounds“. Fit war er eh und je, aber seit Ende Juli könnte man meinen, Khalifas Instagram-Acc wurde von Eliud Kipchoge (dem vermutlich besten Langstreckenläufer unserer Zeit) übernommen. FITBOOK-Redakteur Michel Winges zeigt Ihnen Khalifas neue Liebe und fragt sich, wie Kiffen und Laufen zusammenpassen.
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Die neue Liebe fürs Laufen
Am 28. Juni postete Wiz Khalifa auf seinem persönlichen Instagram-Account einen Fotodump voller Einblicke in seine neue Liebe – das Laufen. Laufen bei Tag, Laufen bei Nacht, seine Laufdaten. Zum Beitrag schrieb er: „Ich habe vor Kurzem mit dem Laufen angefangen und liebe es. Im Urlaub habe ich eigentlich nichts anderes gemacht als zu laufen. Am Sonntag bin ich 5 Meilen gelaufen, am Tag davor 3 Meilen.“ Khalifas Liebe scheint wirklich entfacht worden zu sein. Seitdem postete er teils mehrmals am Tag Einblicke in seine Fortschritte, seine Gefühle zum Laufen und was er von der Laufcommunity denkt.
Eine Sache sticht besonders heraus. Wer denkt, Khalifa habe wegen des Laufens dem Kiffen eine Pause gegönnt, liegt völlig daneben. Ein dicker Joint scheint für Khalifa vor dem Laufen dazuzugehören. Zu stoppen scheint ihn das jahrzehntelange Kiffen bei seinen Fortschritten in Sachen Tempo und Distanz jedenfalls nicht. Zu Beginn seiner Laufjourney lag seine Pace laut seinem ersten Lauf-Post bei 5:59 Minuten pro Kilometer. Für 8,2 Kilometer brauchte Khalifa knapp unter 50 Minuten. Am 24. August postete er dann, dass er 11,4 Kilometer mit einer Pace von 5:14 Minuten pro Kilometer gelaufen war – eine Verbesserung um 45 Sekunden pro Kilometer. „Ich werde immer schneller und schneller. Ich weiß nicht, ob das gefährlicher wird oder ob ich mir keine Sorgen machen muss. Aber so oder so werde ich weiterlaufen“, sagt Khalifa.
„Smoke one, run one“
Am 30. Juni sprach Wiz Khalifa über das Kiffen und das Laufen. Von der Laufcommunity habe er gemischte Reaktionen bekommen. Einerseits sei er herzlich aufgenommen worden. Doch hustend und am Joint ziehend erzählt Khalifa auch, dass ihm etwas Überheblichkeit aufgefallen sei. Einige könnten offenbar nicht verstehen, wie jemand gleichzeitig kifft und läuft. Daraufhin forderte er alle kiffenden Läufer auf, ihre Laufzeiten zu posten. Er wolle zeigen, dass Kiffer genauso fit und gesund sein könnten wie Läufer, die nicht kiffen.
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Wie beeinflusst Kiffen das Laufen?
Wenig verwundernd, die Studienlage ist mau. Es gibt zwar einige Untersuchungen zum Zusammenhang zwischen Cannabiskonsum und sportlicher Leistung, viele davon sind aber klein, veraltet oder methodisch nicht besonders aussagekräftig. Die wohl umfassendste Einordnung stammt aus einem Review im Fachjournal „Sports Medicine“ aus dem Jahr 2021.1 Die Autoren sichteten eine Vielzahl vorhandener Forschungen und kamen zu dem ernüchternden Ergebnis, dass es bislang keine überzeugenden Belege dafür gibt, dass THC die Ausdauer- oder Laufleistung verbessert. Es scheint wohl eher benachteiligend für Sportler zu sein.
THC (Tetrahydrocannabinol) ist der Wirkstoff in Cannabis, der für das „High“ verantwortlich ist. Er beeinflusst unter anderem Stimmung, Wahrnehmung und Reaktionsfähigkeit.
Das Review zeigt, dass in mehreren Studien nach dem Konsum von Cannabis die Herzfrequenz deutlich anstieg. Vereinfacht gesagt musste das Herz stärker arbeiten, ohne dass die Probanden dadurch schneller liefen oder mehr Leistung erbrachten. Die maximale Sauerstoffaufnahme (VO₂max), einer der wichtigsten Marker für die Ausdauerfitness, wurde durch THC nicht verbessert. Auch Kraft, Muskelkraftausdauer und andere Leistungsparameter zeigten meist keine Vorteile. Einige Teilnehmer hielten Belastungen unter THC sogar etwas kürzer durch. Allerdings waren die Unterschiede meist gering, und die Autoren betonen, dass die Datenlage insgesamt zu schwach ist, um eindeutige Aussagen über Vor- oder Nachteile treffen zu können.
Unterm Strich spricht die aktuelle Evidenz eher gegen einen leistungssteigernden Effekt von Cannabis beim Laufen.
Warum dennoch manche Läufer auf Cannabis schwören?
Die Forscher vermuten, dass vor allem die subjektive Wahrnehmung eine Rolle spielt. THC kann entspannen, Ängste dämpfen und Schmerzen weniger intensiv erscheinen lassen. Dadurch kann sich ein Lauf angenehmer anfühlen, auch wenn die tatsächliche Leistung objektiv unverändert bleibt.
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Und man muss sagen, wenn man sich Wiz Khalifas Entwicklung anschaut, lässt sich zumindest feststellen, dass das Kiffen ihn bisher offenbar nicht davon abgehalten hat, beim Laufen Fortschritte zu machen. Seine Distanzen werden länger, seine Zeiten schneller. Ein Beleg dafür, dass Cannabis die Leistung fördert, ist das zwar nicht. Khalifa dürfte aber auch ein Extremfall sein. Er konsumiert seit Jahrzehnten in hohen Maßen regelmäßig Cannabis. Für seinen Körper und seinen Alltag scheint es längst zur Normalität geworden zu sein.