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Von wegen „kein richtiges Training“

Warum Yoga das perfekte Workout ist – für jeden!

Frau beim Yoga
Hatha-, Iyengar- oder vielleicht Anusara-Yoga? Je nach Vorliebe gibt es für JEDEN den passenden Yoga-Style
Foto: Getty Images

Yoga ist etwas für Esoteriker und Muttis – das glauben viele. So beäugen sie die (enorme!) Pro-Fraktion abschätzig, die einen „Sport“ treibt, der eigentlich eher nach Entspannungsübung aussieht. FITBOOK hat sich mit dem Thema auseinandergesetzt und einen Trainer gefunden, der auch dem größten Kritiker jeglichen Zweifel nehmen könnte.

Ein bulliger Ringer kommt zum Yoga wie die Jungfrau zum Kind? Das wäre man wohl geneigt, zu glauben. Der aus Florida stammende Adam Rice beweist das Gegenteil. Früher war er Jugend-Ringer im griechisch-römischen Stil bei den Olympischen Spielen – also ein richtiger „Kerl“, mit prallen Muskeln, verwegenen Blessuren und allem, was dazu gehört. Seit 1999 unterrichtet er Vinyasa-Yoga. Rice gibt private und öffentliche Kurse an verschiedenen Standorten in Berlin, wo er seit zwölf Jahren lebt, und lädt zu Yoga-Retreats an schöne, warme Orte der Welt.

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FITBOOK: Adam, wie kamst du damals zum Yoga?

Adam Rice: „Als Ringer war ich oft verletzt, deshalb bin ich dreimal pro Woche zur Chiropraktikerin gegangen. Irgendwann sagte sie zu mir, dass es sinnvoll wäre, meinen Körper strukturell neu aufzubauen und nahm mich mit zu meiner ersten Yoga-Stunde. Es war überraschend anstrengend – ich habe mich totgeschwitzt, obwohl ich damals extrem fit war.

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Im Anschluss an den Kurs fühlte ich mich zum ersten Mal in meinem ganzen Leben geerdet, als wäre ich ‚auf dem Boden der Tatsachen‘ angekommen. Dieses Yoga-High wollte ich unbedingt wieder erleben. Zunächst bin ich einmal wöchentlich hingegangen. Bei meinem ersten Meditationsworkshop habe ich angefangen, das mit den Energien zu verstehen – dass zwischen Menschen Energien fließen. Das hat eine Werteverschiebung in mir ausgelöst und mir eine völlig neue Richtung gegeben. Ich habe bei der Bank aufgehört und einen neuen kreativeren Job im Bereich Marketing und Werbung angenommen, was viel mehr meiner Natur entspricht. Yoga wurde mehr und mehr zu meinem Lifestyle.“

Posted by Adam Rice Yoga on Thursday, August 11, 2016

Was umfasst der „Yoga-Lifestyle“?

„Sicherlich nicht nur den herabschauenden Hund, die Baum- oder Kriegerpose, was viele glauben. Der physische ist nur ein kleiner Aspekt des Trainings, wenn auch kein unwichtiger. Denn der Körper ist der Tempel der Seele. Wir müssen ihn beschützen und reinigen, sicherstellen, dass er gesund ist, um der Seele einen angenehmen Wohnraum zu schaffen.

Am Anfang kommen viele vor allem wegen der optischen körperlichen Ergebnisse. Ahmen prominenten Yoga-Fans nach, die einen tollen Body haben. Je länger sie jedoch beim Training bleiben – und erst recht mit einem guten Lehrer – merken sie, dass noch viel mehr dahintersteckt.

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Für mich bedeutet Yoga ein sehr bewusstes, von Dankbarkeit geprägtes Leben. Es gibt verschiedene Yoga-Verhaltensregeln, die diese Haltung unterstützen. Beispielsweise ‚Ahimsa‘ – das Grundprinzip, anderen Lebewesen nicht zu schaden – oder ‚Seva‘, der Gedanke, mit seinen eigenen Fähigkeiten anderen Menschen zu helfen. In meinem früheren Leben als Banker und Profi-Athlet war ich stets extrem erfolgsorientiert. Jetzt frage ich mich bei jeder Entscheidung, die ich treffe: Hilft das nur mir oder auch anderen?“

Wie konkret kann man Yoga von anderen Sportarten abgrenzen?

Eine Gruppe junger Menschen bei einer Yoga-Einheit

Yoga ist extrem vielseitig – probieren Sie es doch mal aus!
Foto: Getty Images

Zudem ist Yoga für jeden geeignet. Es gibt ein Level, einen Lehrer, einen Stil für jeden – von kleinen Kindern bis hin zu 90-, 100-Jährigen. Es ist gesund für das Herz und den gesamten Kreislauf, fordert die Muskeln, ist aber so konzipiert, dass auch die inneren Organe stimuliert werden, das Bindegewebe ­– jeder einzelne Körperteil. Mindestens genauso wichtig: Es beruhigt den Geist. Und das brauchen wir gerade in dieser westlichen Welt dringend, in der wir immer eingespannt und gestresst sind.“

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Beim Yoga scheint es nicht darum zu gehen, sich kontinuierlich zu steigern.

Man hört auf, immer der Beste sein zu wollen und sich zu etwas zu pushen, was man nicht unbedingt tun müsste.“

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Welchen Tipp würdest du jemandem geben, der mit Yoga anfangen will?

„Man sollte sich online einlesen und herausfinden, welcher Yoga-Style einem am besten gefällt, und dann nach einem Studio in seiner Nähe suchen. Ich unterrichte Vinyasa. Dabei fließt man von einer Bewegung zur nächsten, ein Style, der sehr schön mit dem Leben korrespondiert. Iyengar hingegen ist etwas statischer und empfiehlt sich daher beispielsweise für jemanden, der verletzt oder schon etwas älter ist. Der größte Fehler ist es, als Anfänger einen Fortgeschrittenenkurs zu besuchen. Das tun viele aus Eitelkeit, weil sie denken, ‚ich bin fit, ich brauche diesen Basic-Kram nicht’. Dabei ist es enorm wichtig, die Yoga-Grundpositionen zu lernen. Wer es direkt bei den Fortgeschrittenen versucht, wird sich überanstrengen. Für viele ein Grund, nicht wieder zu kommen. Bei mir war es zum Glück anders.“

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Zur Person: Der aus Jacksonville Beach in Florida stammende Adam Rice lebt seit 2005 in Berlin. Neben seiner Tätigkeit als Yoga-Lehrer arbeitet er nach wie vor in einer Kreativagentur und leitet verschiedene Non-Profit-Organisationen, die er selbst ins Leben gerufen hat; darunter „Yoga Kids Uganda“, bei dem traumatisierte Kindersoldaten des Bürgerkriegs mit Yoga behandelt werden, und „Travel with a Purpose“, wo er mit Schülern nach Indien reist und in der Yoga-freien Zeit ehrenamtlich in Waisenhäusern aushilft. Er unterrichtet an zwei Berliner Standorten von Spirit Yoga, bietet außerdem Privatkurse und Workshops an.

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