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Gesunder Kampfsport

Warum Boxen der ideale Stress-Killer ist

Frau beim Boxen
Wer boxen möchten, muss nicht gleich in den Ring steigen. Das Boxtraining selbst ist schon eine körperliche und mentale Herausforderung
Foto: Getty Images

Der moderne Arbeitsalltag ist oftmals eine ungesunde Mischung aus wenig Bewegung, viel Büroarbeit, monotonen Arbeitsabläufen und dem daraus resultierenden Stress. Wer keinen geeigneten Ausgleich hat, der landet schnell in einer Frustspirale. Genau hier kann Boxen als echter Stress-Killer helfen.

Wer im Fitnessstudio nur Gewichte stemmt, der trainiert im schlimmsten Fall einseitig und eher für sich allein. Auch mental wird man nicht besonders stark gefordert. Es braucht einen festen Willen, um ohne einen Trainer oder Trainingspartner an die eigenen Grenzen zu gehen. Zudem ist Gewichtstraining nicht gerade die natürlichste Art der physischen Bewegung.

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Dabei hatte es lange ein raubeiniges Schläger-Image und wurde mit dem Rotlicht-Milieu sowie kriminellen Strukturen in Verbindung gebracht. Dann wurde Boxen aber als eine Art der Resozialisierung entdeckt, um beispielsweise straffällige Jugendliche auf die richtige Spur zu lenken und ihre Schläger-Mentalität von der Straße in den Ring zu verlagern.

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Vom Rotlicht-Sport zur gesunden Stressabbau-Methode

Mittlerweile ist Boxen längst bei der breiten Masse angekommen. Dank „Gentleman“ Henry Maske in den 90er Jahren und die Klitschko-Brüdern nach der Jahrtausendwende lockte die Sportart Millionen Deutsche vor die Fernseher, wenn große Titelkämpfe anstanden. Viele wollen aber nicht mehr nur Zuschauer sein, sondern sich selbst an diesem Kampfsport versuchen oder zumindest ihren Alltagsstress an einem Sandsack auslassen.

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Wir wollten mehr über die Faszination des Boxens wissen und warum immer mehr Freizeitsportler sich dafür entscheiden. Einer, der es wissen muss, ist Boxcoach Christoph Teege. Er fing 2010 mit dem Boxen an, weil er „Schwierigkeiten mit dem Selbstvertrauen“ hatte, wie er selbst sagt. Eigentlich wollte er nie in den Ring und kämpfen. Doch dann nahm er 2012 beim Casting für das TV TOTAL Quizboxen Teil, wurde als Kandidat ausgewählt und am Ende Quizbox-Weltmeister. Danach boxte er weiter und ist schließlich 2016 WBU-Semipro-Boxweltmeister im Supermittelgewicht (bis 76,2 Kilogramm) geworden. Parallel dazu hat er das Boxen zum Beruf gemacht – nicht als Profi-Boxer, sondern als Vortragsredner und Boxcoach, der zeigt, „wie man vom Boxen profitieren kann, ohne dass man jemanden schlagen muss“.

Boxcoach Christoph Teege

Christoph Teege ist nicht nur Boxcoach und Amateurboxer, sondern hält auch Vorträge zum Thema „Boxen, Motivation und Erfolg“

Foto: Christoph Teege (privat)

FITBOOK: Herr Teege, warum ist das Boxen besser als beispielsweise reines Krafttraining im Fitnessstudio?

Christoph Teege: „Zum einen, weil man in der Gruppe trainiert und diese zum Dranbleiben motiviert. Zum anderen, weil beim Boxen der gesamte Körper gleichermaßen trainiert wird. Das ergibt einen definierten Körper mit ,schlanken‘ Muskeln.“

Weshalb ist Boxen derzeit als Breitensport so populär?

Teege: „Boxen ist ideal zum Stressabbau. Es befriedigt das natürliche Bedürfnis, das uns manchmal überkommt, eine Faust zu ballen und irgendwo gegenzuhauen. Wer sich eine Minute lang am Sandsack abarbeitet, der merkt, wie alles von ihm abfällt. Am Ende eines Trainings ist man völlig erschöpft, aber glücklich. Zu mir kommen Fach- und Führungskräfte, Unternehmer, Sportler und Schüler, um sich ohne blaue Augen auszupowern. Boxen ist für Männer und Frauen jeden Alters und Fitness-Levels geeignet. Der Einstieg ist jederzeit möglich.“

Wie sieht ein typisches Boxtraining aus?

Teege: „Es beginnt mit dem Warm-up, also Seilspringen, Laufen und Übungen mit dem eigenen Körpergewicht. Es folgt das Sandsack- oder Partner-Training und endet mit dem Cool-down in Form von Streichung, Dehnung und Entspannung. Das Training lässt sich sehr abwechslungsreich gestalten, der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.“

Wann steigt man eigentlich in den Ring als Anfänger?

Teege: „Als Anfänger macht man kein hartes Sparring und keine Wettkämpfe. Frühestens nach ein bis eineinhalb Jahren regelmäßigem Training und auch nur, wenn der Trainer der Meinung ist, dass es passt.“

Bringt aber Boxen was, wenn man nur das Training mitmacht, ohne gegen jemanden anzutreten?

Teege: „Boxen formt den Charakter, es schützt vor einem gesundheitlichen K.o. und fördert den Teamgeist.“

Was meinen Sie mit „formt den Charakter“?

Teege: „Boxen steigert nicht nur die körperliche Fitness, sondern fördert auch die mentale Stärke. Im Laufe des Trainings spürt man seine eigenen mentalen und körperlichen Grenzen und lernt, diese aus eigenem Antrieb heraus zu verschieben. Das steigert enorm die Selbstmotivation, das Selbstbewusstsein und das Selbstvertrauen. Es überträgt sich auch auf andere Lebensbereiche, wodurch die Trainierenden im Alltag leichter ,Nein‘ sagen, sich angemessen durchsetzen, die Initiative leichter ergreifen und trotz hoher Arbeitsbelastung und Termindichte gesund bleiben.“

Ist aber das Verletzungsrisiko beim Boxen nicht besonders hoch?

Teege: „Ganz im Gegenteil. Wenn man kein Sparring macht, würde ich es so hoch wie beim Spazierengehen einschätzen – denn dabei kann man auch umknicken. Da man meistens ohne Gewichte und Maschinen trainiert sowie unter Anleitung eines Trainers, der falsche Bewegungen korrigiert, ist das Verletzungsrisiko geringer als beispielsweise im Fitnessstudio.“

Und wie fühlt es sich an, wenn man das erste Mal in den Ring steigt?

Teege: „Ehrlich gesagt kann ich mich an das erste Mal nicht mehr richtig erinnern – es war einfach zu überwältigend. Grundsätzlich ist einem immer mulmig, man steht komplett unter Druck und natürlich hat man auch Schiss. Im Wettkampf kann man nicht einfach Stopp sagen, wenn es einem zu viel wird – da muss man durch. Zudem braucht man ein hohes Maß an Konzentration und muss sich permanent auf den Gegner einstellen. Mittlerweile hat sich rumgesprochen, dass Boxen ein intelligenter Sport ist, für den es viel mehr braucht, als nur körperliche Fitness.“