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Diverse Betreiber hatten geklagt

Wann dürfen die Fitnessstudios wieder öffnen?

Mann trainiert im Fitnessstudio
Wann dürfen die Fitnessstudios wieder öffnen? FITBOOK informiert über die aktuellen Entscheidungen der Gerichte in Deutschland.Foto: Getty Images

Anfang November mussten die Fitnessstudios in Deutschland wegen hoher Corona-Zahlen erneut schließen. Verschiedene Ketten versuchen, den Beschluss gerichtlich anzufechten. Es gibt jedoch auch Studios, die mit Sondererlaubnis geöffnet bleiben dürfen.

Wir hatten das alles schon. Erstmals mussten die Fitnessstudios (neben Gastronomiebetrieben und dem Einzelhandel) Mitte März 2020 schließen, um eine weitere Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. Im Sinne der Gesundheit war das streng genommen nicht, schließlich sind Training und Fitness gerade in Zeiten gesundheitlicher Bedrohung wichtig für einen abwehrstarken Körper. Zwischenzeitlich durften die Fitnessstudios wieder öffnen.

Seit dem 2. November 2020 sieht es wieder anders aus. Die Regierung verhängte zunächst einen Teil-Lockdown, der so gut wie sämtliche Einrichtungen für Unterhaltungsangebote betraf – auch die Fitnessstudios. Am 16. Dezember dann der harte Lockdown, der noch mindestens bis Ende Januar 2021 andauern wird. Gegen die erneute Schließung hatten viele Gyms per Eilantrag geklagt, bislang erfolglos.

Es gibt Ausnahmen

Einige Studiobetreiber haben ein Schlupfloch in den Corona-Regelungen gefunden – etwa zwei Studiobetreiber in Baden-Württemberg. Laut einem Bericht von BILD konnten Simeon Wilhelm und Josijah Steck ihr Studio wieder eröffnen – sogar mit Segen des Ordnungsamtes. Der Trick: Die Betreiber stellten ihre Eingangstüren so ein, dass nur zwei Kunden gleichzeitig das Studio betreten können. Über eine App reservieren die Sportler ihren Besuch im Studio. Und die Betreiber behalten per Videoanlage das Einhalten der Hygenie-Auflagen im Auge.

Ein ähnliches Konzept verfolgt auch Stefan Engels, Betreiber eines Fitnessstudios in Brandenburg. Im Gespräch mit der Berliner Zeitung erzählt er von einem Paragrafen der Eindämmungs-Verordnung, der es Fitnessstudios in Brandenburg erlaubt, immerhin zwei Menschen gleichzeitig trainieren zu lassen. Ab Montagmorgen können die Mitglieder in seinem Studio anrufen und ein Zeitfenster für die kommende Woche buchen. Montag bis Samstag zwischen 9 und 21 Uhr gäbe es jeweils Slots von einer Stunde, in denen je zwei Mitglieder trainieren könnten. Zwischen den Einheiten werde das Studio gelüftet und desinfiziert. Wer einen Slot gebucht hat, darf das Studio erst betreten, wenn die vorherigen beiden Sportler wieder draußen sind. Zudem müsse eine Maske getragen und die Geräte desinfiziert werden. Außerdem sind die Umkleiden und Duschen gesperrt. Laut Engels funktioniere dieses Konzept sehr gut, auch wenn er und seine Lebensgefährtin bis zu 13 Stunden täglich vor Ort seien, um einen sicheren Ablauf zu gewährleisten.

Einige andere Einrichtungen können ihren Betrieb aufrechterhalten bzw. wieder aufnehmen, wenn sie zur „Aufrechterhaltung und Verbesserung der Gesundheit“ beitragen. Das betrifft beispielsweise Physiotherapie-Zentren.

Kurzzeitig hatten bspw. in Berlin auch EMS-Studios wieder öffnen dürfen. Damit ist es jedoch auch wieder vorbei, da die Einrichtungen einer erneuten Prüfung zufolge als Fitnessstudios einzuordnen seien.

Gerichtsentscheid in Hamburg nach Eilantrag auf Wiedereröffnung

Die Kette Fitness First hatte bereits im November gegen die Schließung ihrer Einrichtungen vor dem Verwaltungsgericht Hamburg geklagt und in erster Instanz Recht bekommen. Dies empfindet Geschäftsführer Martin Seibold laut verschiedenen Medienberichten als Anerkennung der immensen Anstrengungen, welche in der Fitnessbranche unternommen wurden. Es geht im Einzelnen um Hygienemaßnahmen, Trainer-Schulungen und konkrete Empfehlungen an die Kunden. Dazu hatte sich Seibold im Zuge des ersten Lockdowns bereits im FITBOOK-Gespräch geäußert hat.

Wieder aufmachen dürfen die Fitness-First-Einrichtungen dennoch vorerst nicht. Der Grund ist eine Beschwerde durch die Stadt Hamburg beim Oberverwaltungsgericht. Dieser Beschwerde wurde mit dem Beschluss des neuen Infektionsschutzgesetzes stattgegeben. Das Oberverwaltungsgericht beruft sich auf die neue gesetzliche Grundlage (18. November 2020), die das Öffnungsverbot als notwendige Schutzmaßnahme legitimiert.

Vorerst dürfen Fitnessstudios nicht wieder öffnen

Dennoch zeigt sich Seibold u. a. gegenüber dem NDR weiterhin zuversichtlich. Seiner Einschätzung nach sind Fitnessstudios kein Teil des „Corona-Problems“. So sehen es offenbar auch einige weitere Betreiber, die ebenfalls beim Verwaltungsgericht geklagt haben.

Bayern hat Anordnung angepasst

Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof hatte die vollständige Schließung von Fitnessstudios im Zuge des „Lockdown light“ zunächst gekippt. Sie hatte gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz verstoßen – hieß es zumindest im entsprechenden veröffentlichten Beschluss. Daraufhin reagierte das Bundesland mit einem Verbot von Einzelsport in Innenbereichen. So wurde verhindert, dass Fitnessstudios wieder öffnen.

Auch interessant: Fitnessstudios zu! Die FITBOOK-Redaktion zwischen Frustration und Zweckoptimismus

Wie sieht es in anderen Bundesländern aus?

Die Lichter in den Gyms bleiben weiter aus. Am 25. November haben sich Bund und Länder auf eine Verlängerung des Teil-Lockdowns geeinigt. Damit bleiben die Studios mindestens bis zum 20. Dezember geschlossen, vermutlich sogar noch länger. Darüber hinaus steht momentan eine weitere Verlängerung der Maßnahmen bis ins Frühjahr 2021 im Raum.

Studio-Schließungen anscheinend unnötig

Tatsächlich dürften Schließungen von Fitnessstudios unnötig sein. Diesen Rückschluss lässt eine Untersuchung von EuropeActive zu. Der Branchenverband hatte das Infektionspotenzial von Sporteinrichtungen in u. a. Deutschland, der Schweiz, Frankreich, Schweden, Belgien, Spanien, Portugal, Norwegen, Polen, Dänemark, Luxemburg, Großbritannien und den Niederlanden analysiert – und dabei durchschnittlich 0,78 Infektionen à 100.000 Besuchern ermittelt. Die Ansteckungsrate im Fitnessstudio ist folglich sehr niedrig.

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