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von FITBOOK

Diverse Betreiber hatten geklagt

Wann dürfen die Fitnessstudios wieder öffnen?

Mann trainiert im Fitnessstudio
Wann dürfen die Fitnessstudios wieder öffnen? FITBOOK informiert über die aktuellen Entscheidungen der Gerichte in Deutschland.Foto: Getty Images

Anfang November mussten die Fitnessstudios in Deutschland wegen hoher Corona-Zahlen erneut schließen. Verschiedene Ketten versuchen den Beschluss gerichtlich anzufechten; und tatsächlich wurde bereits dem einen oder anderen Eilantrag (u. a. eines Hamburger Studiobetreibers) in erster Instanz Recht gegeben. Die neue Woche bringt jedoch Ernüchterung. Auf die Frage, wann die Fitnessstudios wieder öffnen dürfen, gibt es wohl vorerst keine bundesweit gültige Antwort.

Wir hatten das alles schon. Erstmals mussten die Fitnessstudios (neben Gastronomiebetrieben und dem Einzelhandel) Mitte März 2020 schließen, um eine weitere Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. Im Sinne der Gesundheit war das streng genommen nicht, schließlich sind Training und Fitness gerade in Zeiten gesundheitlicher Bedrohung wichtig für einen abwehrstarken Körper. Zwischenzeitlich durften die Fitnessstudios wieder öffnen.

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Seit vergangener Woche (2. November) sieht es wieder anders aus. Die Regierung verhängte erneut einen Teil-Lockdown, der diesmal nicht den Einzelhandel, aber dafür so gut wie sämtliche Einrichtungen für Unterhaltungsangebote betrifft – auch die Fitnessstudios. Dagegen hatten viele Fitnessstudios per Eilantrag geklagt. Bewegung in der Sache gab es zuerst in Hamburg.

Bayern hat Anordnung angepasst

Der bayerische Verwaltungsgerichtshof hatte die vollständige Schließung von Fitnessstudios im Zuge des „Lockdown light“ zunächst gekippt. Sie verstoße gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz – hieß es zumindest noch am vergangenen Donnerstag im entsprechenden veröffentlichten Beschluss.

Inzwischen liegt der Fall wieder ganz anders. Seit Freitag, dem 13. November, müssen in Bayern nahezu sämtliche Indoor-Sportstätten geschlossen bleiben. In Innenräumen ist seither allenfalls Schul- und Profisport erlaubt.

Gerichtsentscheid in Hamburg nach Eilantrag auf Wiedereröffnung

Anfang der Woche hatte die Kette Fitness First gegen die Schließung ihrer Einrichtungen vor dem Verwaltungsgericht Hamburg geklagt und in erster Instanz Recht bekommen. Dies empfindet laut verschiedenen Medienberichten Geschäftsführer Martin Seibold als Anerkennung der immensen Anstrengungen, welche in der Fitnessbranche unternommen wurden. Es geht im Einzelnen um Hygienemaßnahmen, Trainer-Schulungen und konkrete Empfehlungen an die Kunden. Dazu hatte sich Seibold im Zuge des ersten Lockdowns bereits im FITBOOK-Gespräch geäußert hat.

Wieder aufmachen dürfen die Fitness-First-Einrichtungen dennoch vorerst nicht. Der Grund ist eine Beschwerde durch die Stadt Hamburg beim Oberverwaltungsgericht. Bis eine finale Entscheidung darüber getroffen ist, ob und ggf. wann der Kläger seine Fitnessstudios wieder öffnen darf, können noch Wochen vergehen.

Vorerst dürfen Fitnessstudios nicht wieder öffnen

Dennoch zeigt sich Seibold u. a. gegenüber dem NDR weiterhin zuversichtlich. Seiner Einschätzung nach sind Fitnessstudios kein Teil des „Corona-Problems“. So sehen es offenbar auch einige weitere Betreiber, die ebenfalls beim Verwaltungsgericht geklagt haben. Laut NDR-Informationen sind noch rund 20 Verfahren offen, darunter allerdings auch solche aus der Gastronomie- und Unterhaltungsbranche.

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Wie sieht es in anderen Bundesländern aus?

Sollte der Beschwerde der Stadt Hamburg durch die zuständige Kammer nicht stattgegeben werden, also Fitness First die Erlaubnis bekommen, seine Einrichtungen wieder zu öffnen, ist das keine großflächig und erst recht keine bundesweit gültige Entscheidung. Eine Eröffnung ist höchstens für einzelne Studios möglich, und auch nur dann, wenn eine entsprechende Klage des jeweiligen Betreibers Erfolg hatte.

Es gibt Ausnahmen

Jedoch gibt es Ausnahmen. In Deutschland dürfen einige Einrichtungen ihren Betrieb aufrechterhalten bzw. wieder aufnehmen, wenn sie zur „Aufrechterhaltung und Verbesserung der Gesundheit“ beitragen. Das betrifft beispielsweise Physiotherapie-Zentren.

Kurzzeitig hatten bspw. in Berlin EMS-Studios wieder öffnen dürfen. Damit ist es jedoch seit dem Wochenende wieder vorbei, da die Einrichtungen einer erneuten Prüfung zufolge als Fitnessstudios einzuordnen seien.

Studio-Schließungen anscheinend unnötig

Tatsächlich dürften Schließungen von Fitnessstudios unnötig sein. Diesen Rückschluss lässt eine Untersuchung von EuropeActive zu. Der Branchenverband hatte das Infektionspotenzial von Sporteinrichtungen in u. a. Deutschland, der Schweiz, Frankreich, Schweden, Belgien, Spanien, Portugal, Norwegen, Polen, Dänemark, Luxemburg, Großbritannien und den Niederlanden analysiert – und dabei durchschnittlich 0,78 Infektionen à 100.000 Besuchern ermittelt. Die Ansteckungsrate im Fitnessstudio ist folglich sehr niedrig.

Dies war es aber nicht, was das Gericht in Hamburg überzeugt hatte, und ebenso wenig die gesundheitsförderlichen Argumente pro Sport. Das Gericht hatte dem Eilantrag stattgegeben, weil die Schließung ohne Beteiligung des Parlaments beschlossen worden war.