12. August 2026, 20:02 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Tyson Fury ist einer der erfolgreichsten Schwergewichtsboxer aller Zeiten. Er stieß Wladimir Klitschko nach neun Jahren Dominanz vom Thron und hat bis zum 12. August 2026, seinem Geburtstag, eine Bilanz von 36 Siegen, zwei Niederlagen und einem Unentschieden. Und er hat „jeden mit einem dicken Bauch besiegt“. Man fragt sich: Wie kann dieser 2,06 Meter große Hüne dennoch so agil sein?
Dass der „Gypsy King“ – wie Fury auch genannt wird – jeden mit einem dicken Bauch besiegte, sagte Fury übrigens selbst über sich bei „Sky Sports“. Seit seinem Sieg über Klitschko war sein Gewicht immer wieder Thema. Obwohl er damit den wohl größten Erfolg feierte, den ein Boxer erreichen kann, fiel er anschließend in ein tiefes Loch aus Depressionen, Selbstmordgedanken und Drogen. Auch sein Gewicht nahm stark zu. Beim Klitschko-Kampf 2015 wog Fury noch 112 Kilogramm, danach waren es nach eigenen Angaben zeitweise 175 Kilogramm.1
Seit seinem Comeback 2018 liegt sein Kampfgewicht meist zwischen 115 und 130 Kilogramm. Gerne wird gescherzt über seinen ungesunden Lebensstil und seinen oft liebevoll bezeichneten „Kartoffelsack“-Bauch. Fury selbst macht kein Geheimnis daraus, dass er zwischen seinen Kämpfen ordentlich an Gewicht zunahm. Um ihn während der harten Vorbereitung im Trainingslager bei Laune zu halten, gab es laut seinem ehemaligen Koch Anthony Pressley sogar einmal pro Woche ein „Cheat Meal“, das meist aus gegrillten Burgern und Pommes bestand. Da Fury zudem eine starke Abneigung gegen Gemüse hat, musste sein Koch dieses laut „The Athletic“ häufig heimlich in Soßen pürieren, damit der Boxer trotz seiner Wählerigkeit alle notwendigen Nährstoffe zu sich nahm.
Furys agiler Kampfstil und wie er sich erklären lässt
Tyson Fury ist ein Hüne durch und durch. Dessen ungeachtet verfügt er über eine für das Schwergewicht untypische Agilität und Beinarbeit, die in ihrer Dynamik eher an Leicht- oder Weltergewichtler erinnert. Fury blockt für einen Kämpfer seiner Statur erstaunlich wenig Schläge passiv über die Deckung, da er sich stattdessen auf agile Kopf- und Oberkörperbewegungen verlässt. Er nutzt Techniken wie Slips und Shoulder Rolls, um Angriffen auszuweichen. Zudem wechselt er fließend und ständig die Fußstellung zwischen der orthodoxen und der Southpaw-Stellung.
Fett schlägt Muskeln
Extrem muskulöse Boxer wie zum Beispiel das Schwergewicht Anthony Joshua, gegen den Fury wohl auch im November in den Ring steigen wird, benötigen gewaltige Mengen an Sauerstoff und Energie, um ihre großen Muskelpakete mit Blut zu versorgen. Fettgewebe dagegen braucht kaum Energie und belastet den Körper deshalb weniger.2 Weil Fury weniger überflüssige Muskelmasse mit sich herumträgt, muss sein Herz auch weniger leisten. Bei gleicher Kampfintensität verbraucht er weniger Sauerstoff als ein durchtrainierter, besonders muskulöser Gegner.
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Warum Fury trotz Bauch so stark ist
Nur weil Fury mehr Fett mit sich herumträgt als mancher andere Schwergewichtsboxer, heißt das noch lange nicht, dass er nicht muskulös ist. Man sieht ihm die Kraft durchaus an. Vor allem an Armen und Schultern zeichnen sich die Adern deutlich ab, ein Zeichen für stark entwickelte Muskulatur. Auch seine Kraftwerte sind bemerkenswert, beim Kreuzheben stemmt Fury satte 220 Kilogramm.3
Warum sich sein Fett dann ausgerechnet am Bauch konzentriert? Dafür gibt es mehrere mögliche Erklärungen. Die Fettverteilung ist zu einem großen Teil genetisch bedingt. Der eine Körper lagert bevorzugt am Bauch ein, der andere an Armen oder Beinen, unabhängig vom Trainingszustand. Hinzu kommt in Furys Fall aller Wahrscheinlichkeit nach schlicht ein Kalorienüberschuss durch seine bekannten Essgewohnheiten. Auch chronischer Stress kann die Einlagerung von Bauchfett zusätzlich begünstigen, ein Faktor, der angesichts von Furys Depressionen und Drogenproblemen nach dem Klitschko-Kampf durchaus eine Rolle gespielt haben könnte, wenngleich sich das im Nachhinein nicht sicher belegen lässt.4
Und zumal sorgt der Alltag als siebenfacher Vater sicher auch für den einen oder anderen stressigen Moment. Außerdem pflegt Fury auch liebend gerne selbst sein Image als „dicker Kämpfer“ und macht nicht nur kein Hehl daraus, sondern befeuert es auch gerne.
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Boxer müssen nicht aussehen wie Läufer
Boxer sind keine Ausdauersportler wie Läufer oder Radfahrer. Zwar kann ein Kampf über 30 Minuten dauern, doch Boxen besteht aus vielen kurzen, harten Kraftausbrüchen statt aus gleichmäßiger Dauerbelastung. Der Unterschied zeigt sich weniger darin, wie viel Sauerstoff der Körper aufnehmen kann, sondern darin, wie gut er mit Übersäuerung der Muskeln umgehen kann. Diese Übersäuerung entsteht durch Milchsäure (Laktat), die sich bildet, wenn Muskeln kurzfristig extrem hart arbeiten müssen. Gemessen wird das über den sogenannten „Peak-Laktatwert“ im Blut. Je höher dieser Wert bei maximaler Anstrengung ausfällt, desto besser kann ein Athlet trotz Übersäuerung noch Kraft und Schnelligkeit abrufen.
Eine Studie von 2025 zeigt genau diesen Unterschied.5 Ausdauersportler haben zwar eine höhere Sauerstoffaufnahme und ermüden dadurch später, doch Kraft- und Kampfsportler wie Boxer erreichen deutlich höhere Peak-Laktatwerte, sie stecken die Übersäuerung also viel besser weg.
Wie hoch Furys Laktatwert tatsächlich ausfällt, ist nicht öffentlich bekannt. Diese Fähigkeit lässt sich dem Körper aber auch von außen nicht ansehen, sie hängt vom trainierten Stoffwechsel ab, nicht vom Gewicht oder der äußeren Form. Ein Körper wie Furys kann also durchaus über exzellente Werte verfügen, ganz unabhängig davon, ob Sixpack oder Wohlstandsbauch.