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Wie man die Yoga-Compass-Pose im Stehen schafft

Der Kompass ist schon im Sitzen eine herausfordernde Yoga-Pose. Noch schwieriger: die stehende Variante.
Der Kompass ist schon im Sitzen eine herausfordernde Yoga-Pose. Noch schwieriger: die stehende Variante. Foto: Getty Images / Vitalij Sova
Nina Ponath
Freie Autorin

28. September 2026, 20:16 Uhr | Lesezeit: 8 Minuten

Neue Yoga-Herausforderung gesucht? Probieren Sie es mal mit „Standing Compass“ aka Parivrtta Surya Yantrasana. In Yoga Geübte kennen vielleicht schon die sitzende Variante, den Kompass (Surya Yantrasana). Diese kann eine tolle Vorübung für die stehende Variante sein. Wie Sie die elegante Pose Kompass-Pose, die an die Nadel eines Kompasses erinnert, Schritt für Schritt erlernen können, erklärt Ihnen FITBOOK-Autorin und Yogalehrerin Nina Ponath. 

Warum der Standing Compass so anspruchsvoll ist

Das Schöne am Yoga? Es wird nie langweilig, denn irgendeine Asana, die wir noch nicht kennen, gibt es immer! Neben den zahlreichen Krieger-Varianten, Chaturangas und Rückbeugen in allen Variationen existieren unzählige atemberaubende Asanas, mit denen wir uns oft lange beschäftigen, bis wir sie meistern. Umso größer ist danach der Stolz.

Eine solche Asana ist der „Standing Compass“, im Sanskrit als Parivrtta Surya Yantrasana bekannt. Diese anspruchsvolle Haltung kombiniert eine tiefe Hüftöffnung mit einer intensiven Dehnung der Beinrückseiten und fordert unseren Gleichgewichtssinn bis ans Limit.

Die Yoga-Pose „Standing Compass“ ist mehr als nur ein schönes Motiv auf Instagram. Für die fortgeschrittene Balancehaltung braucht es absolute Präsenz, Kraft im Core und außergewöhnliche Beweglichkeit in Schultern und Hüften. Während wir fest auf einem Bein stehen, strecken wir das andere wie einen Zeiger in den Himmel und halten es mit dem diagonal gegenüberliegenden Arm. Klingt kompliziert? Ist es auch. In dieser Haltung arbeitet nahezu der gesamte Körper zusammen. Im Gegenzug schenkt uns die Asana ein tiefes Gefühl von Weite und Stabilität.

Der sitzende Kompass

Wie schon erwähnt, handelt es sich beim Standing Compass um die stehende Variation des „sitzenden Kompass“ (Surya Yantrasana). Diese kann prima als Vorübung trainiert werden, bevor man sich an den stehenden Kompass wagt. Vor allem ist es ratsam, die Mechanik der Pose erst am Boden zu verinnerlichen: 

Setzen Sie sich aufrecht hin. Beugen Sie das rechte Knie und ziehen Sie den Fuß nah an den Körper. Greifen Sie mit der linken Hand den rechten Fuß und versuchen Sie, die rechte Schulter so weit wie möglich unter das rechte Knie zu schieben – fast so, als wollten Sie sich das Bein wie einen Rucksack umhängen. Wenn Sie stabil sitzen, strecken Sie das Bein langsam zur Seite aus, während der linke Arm über den Kopf führt. Ist das Grundprinzip klar, lässt es sich in den Stand übersetzen. 

So sieht der stehende Kompass aus

Bei der Yoga-Haltung „Standing Compass“ stehen Sie stabil auf einem Bein, während das andere seitlich nach oben geführt und mithilfe der Hand hinter den Kopf oder zur Schulter gebracht wird. Die Pose erinnert an einen menschlichen Sonnenuhr-Zeiger oder an die Asana „Bird of Paradise“: Das gehobene Bein ist idealerweise vollständig gestreckt, während der gegenüberliegende Arm über den Hinterkopf greift und den Fuß hält. Der freie Arm wird seitlich ausgestreckt, um Balance zu schaffen und den Brustkorb zu öffnen.

Der Oberkörper befindet sich dabei in einer leichten Rotation, was der Pose ihren Namen „Parivrtta“ (gedreht) verleiht. Insgesamt wirkt die Haltung kraftvoll und elegant – eine klare Linienführung, die jedoch nur durch präzise Ausrichtung und viel Übung entsteht.

Wie man den „Standing Compass“ lernen kann

Bevor Sie sich an die Asana herantrauen, ist es essenziell, den Körper gezielt aufzuwärmen. Ohne eine vorbereitete Hüft- und Schultermuskulatur ist das Verletzungsrisiko hoch. 

Vorbereitende Übungen 

Um sich auf den „Standing Compass“ vorzubereiten, eignen sich Übungen, die die Beinrückseiten (Hamstrings) dehnen und die Hüften weit öffnen.

Aus meiner Erfahrung als Yogalehrerin ist der Lizard (die Eidechse) hierfür unverzichtbar: 

Bringen Sie ein Bein weit nach vorn an die Außenkante Ihrer Matte und strecken Sie das hintere Bein lang aus. Das vordere Knie sollte über dem Fußgelenk stehen. Um die Dehnung zu intensivieren, können Sie auf Ihre Unterarme kommen. Wippen Sie sanft mit der Hüfte, um das Gewebe zu lockern. Diese Übung bereitet die Leistengegend optimal auf die enorme Spreizung im Standing Compass vor. 

Schritt-für-Schritt-Anleitung für die stehende Pose 

  1. Die Basis schaffen: Stellen Sie sich aufrecht hin und verlagern Sie Ihr gesamtes Gewicht auf den linken Fuß. Finden Sie einen fixen Punkt mit den Augen (Drishti), um das Gleichgewicht zu halten. 
  2. Das Bein „einfädeln“: Beugen Sie das rechte Knie und greifen Sie mit der linken Hand nach Ihrem rechten Fuß. Unterstützen Sie Ihr rechtes Knie mit der rechten Hand und wiegen Sie den Unterschenkel zunächst parallel zum Boden vor Ihrem Körper. 
  3. Die Schulter positionieren: Kuscheln Sie Ihre rechte Schulter oder den Oberarm so tief wie möglich unter Ihr rechtes Knie. Beugen Sie bei Bedarf Ihr Standbein leicht an, um mehr Spielraum zu haben. 
  4. Den Griff festigen: Halten Sie den rechten Fuß mit der linken Hand fest. Bringen Sie die rechte Hand nun seitlich zum Boden oder strecken Sie den Arm aktiv zur Seite aus, um die Balance zu halten. 
  5. Die Streckung: Nutzen Sie die Kraft der linken Hand, um das rechte Bein langsam nach oben und hinten zu strecken. Der linke Arm wandert dabei über Ihren Kopf. Öffnen Sie den Brustkorb und blicken Sie unter dem linken Oberarm hindurch zur Seite oder leicht nach oben. 

Beim ersten Mal fühlte ich mich wie verknotet

Obwohl ich durch meine tägliche Praxis sehr beweglich bin, war mein erster Versuch des „Standing Compass“ eine echte Demutsübung. Meine Hand suchte unbeholfen nach dem ausgestreckten Bein, das Standbein begann zu zittern und ich fühlte mich ziemlich wackelig. Es ist eben eine Sache, die Balance im Sitzen zu halten – und eine ganz andere, das Bein im Stehen maximal zu dehnen.

Bei meinem ersten Versuch bin ich mehrmals einfach zur Seite weggekippt, weil ich so damit beschäftigt war, mein Bein zu strecken, dass ich mich kaum auf meine Mitte konzentrieren konnte. Anfangs fühlte ich mich regelrecht verknotet. Etwas besser wurde es, als ich mich darauf konzentrierte, die rechte Schulter aktiv unter das Knie zu hebeln und den Fokus stärker auf die Erdung des Standfußes zu legen. Wie so oft ist auch hier Geduld der Schlüssel. Darin muss ich mich wohl noch weiter üben, damit ich die Pose hoffentlich bald länger als nur zwei Atemzüge genießen kann, ohne herauszufallen.

Auch interessant: Hüfte öffnen und Knie stärken – mit der Pose des fliegenden Pferdes

Wofür die Haltung gut ist

Diese Asana bringt sowohl für den physischen als auch den mentalen Körper zahlreiche Vorteile mit sich:

  • Stärkung der Körpermitte: Um auf einem Bein zu balancieren, während der Oberkörper rotiert, muss die Core-Muskulatur aus Bauch und unterem Rücken Höchstleistungen erbringen.
  • Dehnung von Schultern, Brust und Hüften: Die Pose öffnet die gesamte vordere Muskelkette und kann Spannungen in den oft verkürzten Hüftbeugern lösen.
  • Verbesserung von Balance und Koordination: Das Zusammenspiel aus Greifen, Strecken und Stehen schult das neuronale Zusammenspiel sowie die Konzentrationsfähigkeit.
  • Mehr Flexibilität für die Wirbelsäule: Die leichte Rotation des Oberkörpers mobilisiert die Wirbelsäule und kann einer schlechten Haltung entgegenwirken.
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So fühlt sich diese Asana aus

Wenn Sie die Endposition erreichen, spüren Sie eine intensive, fast elektrische Dehnung entlang der Rückseite des gehobenen Beins. Die Hüfte der gehobenen Seite fühlt sich weit und frei an, während das Standbein wie ein Anker steht. Im Oberkörper entsteht durch den Griff über den Kopf eine Weite im Brustraum, die auch nach der Pose noch anhält. 

Kann jeder den „Standing Compass“ lernen? 

Grundsätzlich kann jeder an der Beweglichkeit arbeiten, die für den „Standing Compass“ nötig ist – doch der Weg dorthin ist individuell. Wenn das Gleichgewicht Ihr limitierender Faktor ist, üben Sie zunächst mit dem Rücken an einer Wand. Reicht die Flexibilität in den Hamstrings noch nicht aus, kann ein Yoga-Gurt helfen: Legen Sie ihn um den Fuß des gehobenen Beins, um den Arm künstlich zu verlängern.

Falls der „Standing Compass“ noch zu weit entfernt scheint, ist der „Bird of Paradise“ (Paradiesvogel) eine wunderbare und etwas zugänglichere Variante, um die stehende Balance mit gebundenen Armen zu trainieren. Am Ende geht es nicht darum, die perfekte Form für ein Foto zu erreichen, sondern die Grenzen des eigenen Körpers achtsam zu erkunden. Der Standing Compass lehrt uns, dass wir uns auch in komplizierten, „verdrehten“ Lebenslagen auf unsere Mitte verlassen können. Haben Sie die Pose einmal gemeistert, werden Sie mit einem unvergleichlichen Gefühl von Freiheit und Stolz belohnt.

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