2. Februar 2026, 20:05 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Nach einer eisig-kalten 15-Kilometer-Runde am frühen Morgen wollte ich mir etwas Gutes tun. Ich setzte mich direkt nach dem Lauf in die Badewanne und ließ heißes Wasser einlaufen. Was dann passierte, möchte ich kein zweites Mal erleben.
Plötzlich unerträglicher Juckreiz
Binnen Sekunden in der sich langsam füllenden Badewanne begannen die hinteren Oberschenkel, Po und Hüfte unerträglich zu jucken und sich stark zu röten. Erst eine Körperbürste mit harten Wildschweinborsten brachte nach minutenlangem Schrubben langsam Erleichterung.
Was sich anfühlte wie ein persönlicher Ausrutscher, ist in Wahrheit ein bekanntes, aber häufig unterschätztes Phänomen – vor allem bei Läufern im Winter: Der sogenannte ‚Runner’s Itch‘.
Auch ich hatte schon die Erfahrung gemacht – bislang allerdings nur in deutlich milderen Ausprägungen. Diesmal, nach rund eineinhalb Stunden Laufen bei minus zehn Grad und dem anschließenden heißen Bad, war der Juckreiz nicht mehr kontrollierbar.
Ein persönlicher Ausrutscher? Warum dieser Juckreiz viele Läufer betrifft
Beim „Runner’s Itch“ treffen mehrere Stressfaktoren aufeinander: die Kälte beim Outdoor-Lauf, die starke Durchblutungsumverteilung durch das Training – und anschließend ein plötzlicher Wärmereiz durch heißes Wasser.
Im heißen Wasser öffnen sich die Blutgefäße in der Haut, die sich beim Laufen in der Kälte stark zusammengezogen haben, um Wärme zu sparen, schlagartig. Es kommt binnen Sekunden zu einer raschen Durchblutungsänderung direkt unter der Haut. Diese extreme Veränderung überfordert die Gefäßwände und aktiviert Schmerz- und Juckreizrezeptoren.
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Das steckt hinter dem „Runner’s Itch“
Temperatur-, Schmerz- und Juckreizrezeptoren: Alle senden gleichzeitig Alarm, wenn sie nach Ausdauertraining bei eisiger Kälte in 38 Grad heißes Wasser getaucht werden.
Durch die plötzliche Gefäßerweiterung setzen sogenannte Mastzellen – das sind spezialisierte Immunzellen, von denen in der Haut sehr viele sitzen – Histamin frei. Histamin kennen viele von Allergien. In diesem Fall ist es aber keine allergische Reaktion, sondern eine physiologische Stressantwort. Das Histamin erweitert die Gefäße und reizt die Nerven. Das Ergebnis: brennender, stechender, kaum kontrollierbarer Juckreiz.
Warum besonders Oberschenkel und Po betroffen sind
Diese Regionen haben viel subkutanes Fettgewebe, sind beim Laufen stark mechanisch belastet und werden bei Kälte besonders schlecht durchblutet. Der Temperaturumschwung ist hier am extremsten – deshalb eskaliert der Juckreiz genau dort.
Dass intensive Ausdauerbelastungen Mastzellen aktivieren, die gefäßerweiternde Botenstoffe freisetzen, zeigen auch sportmedizinische Untersuchungen. In einer Studie mit Marathonläufern, veröffentlicht im European Journal of Applied Physiology, war diese Reaktion besonders ausgeprägt, wenn zusätzlich Hitze ins Spiel kam. Die Studie beschreibt zwar nicht den Runner’s Itch als Symptom, aber sie zeigt, wie stark das Gefäß- und Immunsystem nach intensiver Ausdauerbelastung reagiert. Insbesondere, wenn Hitze dazukommt.1
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Meistens ist der Juckreiz harmlos
In den meisten Fällen – wie auch in diesem Fall – ist der Juckreiz harmlos. Gefährlich wird er, wenn er zusammen mit weiteren Warnzeichen auftritt, etwa Schwindel, Atemnot, Herzrasen oder Blutdruckabfall. In diesem Fall kann Juckreiz der Vorbote einer anaphylaktischen Reaktion sein.2
So bade ich künftig nach dem Winterlauf
Für mich steht fest: Diesen Fehler nach dem Laufen bei Kälte mache ich nie wieder! Direkt nach Winterläufen warte ich künftig mit der Badewanne – auch wenn die Wärme sehr verlockend ist. Der Körper benötigt Übergänge – keine Schocktherapie. Am nächsten Tag habe ich genau das ausprobiert, 20 Minuten gewartet und erst dann gebadet. Ergebnis: Entspannung statt Juckreiz.