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Lauf-Papst Kleiß verrät

Darauf müssen Sie beim Joggen mit Ihrem Hund achten

Frau geht mit Hund bei Sonnenuntergang joggen
Joggen gehen mit Hund hat fast nur Vorteile – vorausgesetzt, Sie achten auf ein paar wichtige DingeFoto: Getty Images

Für viele Läufer ist es der absolute Traum, mit dem eigenen Hund laufen zu gehen. Eine Win-win-Situation für beide? Schon, wenn man ein paar wichtige Spielregeln beachtet.

Von Mike Kleiß

Den Traum vom eigenen Hund haben viele. Doch oft siegt die Vernunft, und das ist gut so. Ein Hund fordert vor allen Dingen eines: Zeit! Wer dem besten Freund des Menschen wirklich gerecht werden will, der muss sich entsprechend um den Hund kümmern. Und nur, wenn man das auch kann, sollte man es tun. Denn dann tut es beiden gut. Wer gerne joggen geht, kann den treuen Gefährten direkt zum Morgenlauf mitnehmen, so nutzt man die Zeit sinnvoll. Und beide waren schon mal an der frischen Luft. Perfekt eigentlich.

Ein Welpe ist kein Marathonläufer

Ich bin mir sehr sicher: Sie würden Ihr dreijähriges Kind nicht dazu zwingen, einen Halbmarathon zu laufen. Deshalb verlangen Sie das auch nicht von einem jungen Hund. Wie beim Menschen müssen sich Gelenke und Knochen erst entwickeln. Kinder, die mit Sport beginnen, werden langsam an körperliche Leistungen herangeführt. So läuft das auch mit dem vierbeinigen Begleiter.

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Erst wenn Ihr Hund mindestens ein Jahr alt ist, sollten Sie damit beginnen, ihn ans Laufen heranzuführen. Natürlich können Hunde recht bald schnell und viel laufen. Doch das Joggen ist eine dauerhafte Belastung über einen langen Zeitraum. Der Hund ist dagegen eher ein Sprinter. Er gibt alles, um dann wieder nach Herzenslust zu schnuppern. So beruhigt sich der Puls, die Gelenke werden entlastet. Das Laufen ohne Pause ist auch für Ihren Kumpel eine Herausforderung. Und eine ungewohnte Belastung. Steigern Sie das Training daher langsam. Sie dürfen sicher sein: Das tut auch Ihnen selbst gut!

Die goldenen Regeln beim Laufen mit dem Hund

Sobald es draußen warm wird, und das gilt bereits für den Frühling, verlegen Sie das Lauftraining unbedingt in die kühleren Morgen- oder Abendstunden. Der Hund verträgt warme Temperaturen lange nicht so gut wie der Mensch. Spätestens im Sommer sollten Sie stets frisches Wasser mit sich führen und den Hund ausreichend trinken lassen.

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Ihre Füße schützen Sie mit High-Tech-Laufschuhen. Ihr Hund läuft hingegen „barfuß“. Läuft er zu viel auf Asphalt oder Beton, kann er sich ernsthafte Verletzungen zufügen. Das muss nicht sein! Gerade bei hohen Temperaturen im Sommer drohen üble Verbrennungen an den Pfoten, da sich der Asphalt schnell enorm aufheizt! Suchen Sie sich besser schöne Wald- oder Feldwege. Der Hund wird es Ihnen danken, Ihre eigenen Gelenke sicher auch.

Nicht jeder Hund ist geeignet

Es gibt Hunderassen, die einfach nicht zum Joggen geeignet sind. Ein Herdenschutzhund etwa ist im Grunde dazu da, auf einer Anhöhe zu liegen und das Vieh zu beobachten. Er verlässt nur dann seinen Platz, wenn Gefahr im Verzug ist. Das heißt auch: Ein Hund mit dieser DNA wird von Natur aus Schwierigkeiten bei einem Halbmarathon-Training haben. Ebenso wäre es bei einem Mops fast schon Tierquälerei, weil er beim Laufen viel zu wenig Luft bekommen würde.

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Ein Jack Russell Terrier ist schon eher ein Hund, der zu Joggern passt. Er wird nach 42 Kilometern freudig erregt nach den nächsten 42 Kilometern hecheln, sobald Sie ins Ziel gelaufen sind. Ähnlich ist es mit dem Dalmatiner. Er ist ein Kutschenhund und daran gewöhnt, lange und sehr weit neben der Kutsche, in dem Fall also Ihnen, zu laufen. Egal für welche „Lauf“-Hunderasse Sie sich entscheiden, auch für ausgewiesene Laufhunde gilt: Erst ab einem Jahr und erst nach einer langen und guten Vorbereitung wird gestartet. So kommen Sie und Ihr Hund ein Leben lang gesund durchs Ziel.

Es geht nichts ohne gute Vorbereitung

Wer ohne Risiko und vor allen Dingen gesund laufen will, sollte sich von einem Arzt bestätigen lassen, dass auch wirklich alles in Ordnung ist. Das gilt nicht nur für Sie. Auch Ihr vierbeiniger Freund muss vom Tierarzt vor dem Trainingsstart gründlich durchgecheckt werden. Gesundheitlich müssen Sie und Ihr Hund in der Lage sein, langen Ausdauerläufen Stand zu halten. Damit all diese Kontrollen gemacht werden können, ist ein hohes Maß an Gehorsam notwendig.

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Aber auch auf der Laufstrecke muss Ihr Hund hören, damit der Traum vom gemeinsamen Waldlauf auch wirklich stressfrei bleibt. Gerade wenn Ihr Hund ohne Leine läuft, müssen Sie ihn zu jeder Zeit abrufen können. Ein sauberes „bei Fuß“ auf der linken Seite sollte ebenso klar sein. Denn nicht alle Menschen, die Ihnen begegnen, kommen gut mit Hunden klar. Und deshalb tut ein reibungsloses Verständnis zwischen Ihnen und Ihrem Begleiter doppelt gut. Sie müssen den Takt angeben. Nicht Ihr Hund.

Wenn der Herbst kommt

Ist Ihr treuer Freund etwas in die Jahre gekommen, quälen Sie ihn bitte nicht. Er hat Ihnen bis zu diesem Zeitpunkt ganz sicher so gut gedient, wie er nur konnte. Er hat Sie bei jedem Wetter begleitet, bei Sonne und Regen, bei Wärme und Kälte. Bedanken Sie sich bei ihm mit Nachsicht und Respekt. Auch wenn es unendlich schmerzt, lassen Sie den Hund einfach ab und an zu Hause. Oder nehmen Sie ihn nur noch auf die kürzeren Strecken mit.

Denn: Stellen Sie sich vor, Ihre Tochter oder Ihr Sohn würde Sie auch mit 70 noch dazu zwingen, einen Marathon mitzulaufen. Vielleicht würden Sie es aus Liebe tun (und vielleicht auch schaffen), aber Sie würden sich quälen. Deshalb genießen Sie bitte die gemeinsamen Laufjahre. Aus Erfahrung kann ich Ihnen sagen: Es werden mit Sicherheit die schönsten Jahre Ihres Lebens. Verpassen Sie aber nicht den Zeitpunkt, Ihren Liebling zu schützen, achtsam mit ihm zu sein. Er wird sich ganz bestimmt wie verrückt auf Sie freuen, auch wenn Sie alleine vom Laufen nach Hause kommen. Ich wünsche Ihnen viel Freude.

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Zur Person: Mike Kleiß ist Kolumnist, Buchautor, Laufexperte und Gründer der Kommunikationsagentur Medienhafen Köln. Durch das Laufen nahm er knapp 50 Kilo ab. Er läuft täglich – und mehrmals im Jahr Marathon und Ultramarathon.