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HRV-Wert

Muss ich meine Herzfrequenzvariabilität kennen, um richtig zu trainieren?

Herzfrequenzvariabilität: HRV-Wert, Frau checkt Puls
Einige Hersteller von intelligenten Wearables haben die Messung der Herzfrequenzvariabilität inzwischen in ihre Trainingsteuerung integriertFoto: Getty Images

Viele Hersteller von intelligenten Wearables und Herzfrequenzsystemen haben eine sogenannte HRV-Messung in ihre Trainingsteuerung integriert. Sie soll dafür sorgen, dass der Sportler sich „nur“ seiner derzeitigen Situation entsprechend belastet. Der Fitnessprof erklärt, ob das sinnvoll ist.

Zunächst sollten wir mal darüber sprechen, was die Herzfrequenzvariabilität (Englisch für heart rate variability, kurz: HRV) überhaupt ist. Es handelt sich um die physiologischen Schwankungen der Herzfrequenz, die durch Veränderungen der Intervalle zwischen den einzelnen Herzschlägen zustande kommen.

Was genau ist die Herzfrequenzvariabilität?

Jetzt fragen Sie sich vielleicht, wie, zwischen den Herzschlägen? Ja, genau. Sie haben bestimmt schon mal die grafische Aufzeichnung eines EKG (Elektrokardiogramm) bei Ihrem Arzt gesehen? Da wird Ihnen dort eine extreme Menge an unterschiedlich hohen Strichen (wie man es von einem Lügendetektor in Hollywood-Filmen kennt) aufgefallen sein. Diese Hebungen haben alle einen Namen (P, Q, R, S, T). Wichtig für die Herzfrequenzvariabilität bzw. HRV ist vor allem die R-Zacke dieser Grafik. Man misst den zeitlichen Abstand der R-Zacken zueinander (RR-Abstand) und kann dadurch Rückschlüsse auf den Erregungszustand des Herzens bzw. die „Gemütslage Ihres Autonomen Nervensystems“ machen. Dies wird schon seit vielen Jahren in der Medizin eingesetzt, um evtl. Unregelmäßigkeiten des Herzens oder Risiken aufzudecken.

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Was der HRV-Wert theoretisch aussagt

Bei einer angespannten Lage des Nervensystems verkürzen sich diese RR-Intervalle durch eine gesteigerte Sympathikus-Aktivität. Dabei handelt es sich um den Teil des Nervensystems, der für Aktivität und Leistung zuständig ist. Bei Entspannung hingegen ist eher das parasympathische Nervensystem (Teil des Systems, der für Entspannung und Ruhe zuständig ist) aktiv. Dies kann man durch eine Messung der HRV relativ genau messen und auf den Zustand des Trainierenden (in Ruhe) interpretieren.

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Das Problem mit der Herzfrequenzvariabilitäts-Messung

Viele Hersteller von intelligenten Wearables und Herzfrequenzsystemen haben dies erkannt und in ihre Trainingsteuerung integriert. Sie sollen dafür sorgen, dass der Sportler sich „nur“ seiner derzeitigen Situation entsprechend belastet. Aus gesundheitlicher Sicht ein durchaus vernünftiger Gedanke!

Immer mehr Fitnessstudios bieten auch solche Messungen schon ihren Kunden an, um auf mögliche Stress-Gefahren hinzuweisen. In Anbetracht der Tatsache, dass Stress einer der Haupt-Risikofaktoren unserer modernen Zivilisation darstellt, ebenfalls gar keine so schlechte Idee. Hier sollte man allerdings beachten, dass es bei solchen empfindlichen Messungen sehr schnell zu Ungenauigkeiten kommen kann und im Fitnessstudio generell ja keine klinischen Laborbedingungen herrschen. Daher rate ich bei Verdacht, eher den Arzt aufzusuchen.

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Fazit

Ob ein Training, welches durch die Messung der Herzfrequenzvariabilität gesteuert wird, effektiver ist, vermag ich leider nicht zu bewerten, aber eine solche Steuerung ist für die Gesundheit und die Sensibilität für Ihren Stress sicher nicht verkehrt. Wenn Sie mich allerdings fragen, ob man unbedingt eine solche Methode anwenden muss, ist die Antwort leider: Nein. Denn eine gute Selbstreflexion und ein gutes Körpergefühl beim Ausdauersport ist immer noch die beste Trainingssteuerung.