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Djokovic im Spagat-Duell mit Belgiens Turnerinnen – wie schafft Mann das?

Djokovic Spagat
Zum Spiel von Novak Djokovic gehören auch seine spagatähnlichen Grätschen auf dem Tennisplatz (hier 2019). FITBOOK sagt, wie Mann das lernen kann.Foto: : dpa/ picture alliance

Tennisstar Novak Djokovic ist bekannt für seine spagatartigen Ausfallschritte auf dem Court. Wie beweglich er tatsächlich ist, zeigt das neueste Instagram-Posting des 34-Jährigen. FITBOOK hat Ex-Turnstar Philipp Boy das Geheimnis des Spagats entlockt. Wie schafft Mann das?

Es gibt wohl kaum eine Übung, die mehr Flexibilität in Hüfte und Beinen erfordert als der Spagat. Standard für Turnerinnen und Turner – und offenbar auch für Tennisstar Novak Djokovic, wie ein aktuelles Instagram-Posting im Spagat aus einer Olympia-Trainingshalle in Tokio beweist. Bei einer gemeinsamen Stretching-Session mit der belgischen Turnerinnen-Elite zeigt der 34-Jährige einen perfekten Frauenspagat.

Djokovic stapelt tief: „Arbeite an meinem Spagat“

„Arbeite an meinem Spagat“, schreibt Tennis-Olympia-Favorit Novak Djokovic zu den Bildern, und wer sie sieht, der weiß, dass der Serbe ganz schön tief stapelt: Das Ganze sieht nämlich nach einem ziemlich perfekten Frauenspagat (auch Längs- oder Frontspagat genannt) aus. Djokovics rechtes Bein zeigt kerzengerade nach vorne, während das linke komplett gestreckt nach hinten zeigt. Manch einem dürfte der Schmerz durch den Körper kriechen ob des außer Kraft gesetzten physikalischen Widerstands, die dieser Anblick vermuten lässt. Insbesondere Männer haben in Sachen Beweglichkeit doch eher Defizite. Und Djokovic? Er scheint noch nicht mal sonderlich angestrengt. Für diese Leistung gibt’s anerkennende Blicke von Nina Derwael (21, Weltmeisterin am Stufenbarren) und Maellyse Brassart (20) aus dem belgischen Olympia-Turn-Team und über 900.000 Instagram-Likes.

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Ex-Turnstar über Djokovic: „Der übt das akribisch“

Tennisspieler brauchen Flexibilität, um auf dem Platz wendig zu sein und auch schwierige Bälle zu erreichen. Wir kennen Djokovics spagatartige Moves auf dem Platz, die ihm dabei helfen. Ex-Turnstar Philipp Boy ist sich sicher: „Wenn Djokovic solch einen Spagat wie auf dem Foto nicht akribisch üben würde, hätte er ständig irgendwelche Muskelfaserrisse oder Zerrungen.“ Maximale Flexibilität als größte Prävention vor Verletzungen.

Profisportler, die sechs Tage pro Woche dem Training widmen, können und müssen dem Thema Dehnung viel Zeit widmen. Eine komplette Trainingseinheit pro Woche – in diesen Dimensionen spielte es sich zu Philipp Boys aktiver Zeit ab und gleiches vermutet er auch für Djokovic. Das heißt: Extreme Dehnungen wie der Spagat (in allen Ausführungen) bleiben für den Allgemeinsportler ohne intensives Training unerreichbar.

Warum kommen die meisten Männer nicht in den Spagat?

Die Gründe sind anatomischer und hormoneller Natur, führt Boy aus. Männer bauen aufgrund ihres höheren Testosteronspiegels schneller Muskulatur auf – was zur Folge hat, dass Sehnen und Bänder stärker in die „Mangel“ genommen werden müssen, um elastisch zu werden. Und: „Ob jemand leicht in den Spagat kommt, ist sehr individuell. Ich sehe das den Leuten aufgrund ihrer Statur nicht an.“ Man könne auch nicht sagen, dass Männern der Männerspagat und Frauen der Frauenspagat leichter falle, so Boy. Auch das eine Frage von Veranlagung. Bei ihm selbst habe beispielsweise der Frauenspagat immer besser funktioniert. „Ich würde aber sagen, dass sich kein Mann mit Spagat identifizieren kann.“ Gründe, sich diesem zu widmen, gibt es unter Umständen dennoch.

Wann ist Spagat-Training sinnvoll?

Wenn man genügend Zeit hat und sehr ambitioniert trainiert – wir haben den klassischen Profisportler vor Augen – kommt man um das Spagat-Training gar nicht herum, weil die Muskeln sonst verkürzen und man sonst zu verletzungsanfällig ist. Boy: „Wer im Freizeitsport unterwegs ist, dem reicht ein durch Mobilitätstraining bzw. aktives Stretching ergänztes Haupttraining (z. B. Kraft).“ Wer jedoch ein größeres Trainingsziel habe, für den mache es durchaus Sinn, Zeit in das Erlernen des Spagats zu stecken.

Wie lernt Mann den Spagat?

Männerspagat

Regel Nummer 1 laut Ex-Turnprofi Philipp Boy: „Nicht zu viel wollen!“ Die Zerrung lässt grüßen. Für den Männerspagat (auch Seitspagat) übt man aus der Frosch-Position heraus. „In die Belastung gehen und versuchen, die Dehnung für eine Minute zu halten.“ Ruhig atmen. „Es kommt darauf an, es auszuhalten“, erklärt Boy. Wer nur 30 bis 40 Sekunden verharre, befinde sich noch im Bereich des Stretchings – nicht der Dehnung, und die sei hier gefragt. Als nächsten Schritt ausgehend aus der Frosch-Position ein Bein strecken. Wieder für mindestens eine Minute halten. Was bringt’s – neben bewundernden Blicken? „Der Männerspagat ist super für die Hüftflexibilität!“

Frauenspagat

Die schlechte Nachricht zuerst: „Eine wirkliche Vorübung gibt es nicht.“ Worum geht’s? Den Zug auf dem hinteren Oberschenkel aushalten. Den Frauenspagat trainiert man daher mit Erleichterung. „Links und rechts vom Körper einen Hocker positionieren und dann mit darauf abgestützten Händen und gestrecktem Vorderbein langsam in die Position hineingleiten“, erklärt der Profi. Das hintere Bein liegt auf dem Knie ab. „So kann man den Druck steuern. Wichtig: Gehen Sie vorsichtig ran!“ Wer zu schnell in den Spagat kommt, riskiert sofort eine Zerrung – und die kann bekanntlich langwierig sein.

Wie lange muss Mann trainieren für den Spagat?

„Wenn man das kontinuierliche trainiert, dreimal pro Woche, ist der Spagat à la Djokovic innerhalb von einem Monat realisierbar“, meint Ex-Turnstar Philipp Boy. Gleiches gelte für den Männerspagat.