Beweglichkeit und gut gedehnte Muskeln sind die Schwachstellen von vielen Sportlern. Doch nicht nur die sollten darüber nachdenken, sich häufiger zu strechen, sondern auch Bluthochdruckpatienten. Laut Forschern der Universität Saskatchewan in Kanada kann das Dehnen einen positiven Effekt auf den Blutdruck haben.
Das Dehnen wird oft belächelt und hat beim Training nicht immer den höchsten Stellenwert. Diese Haltung vieler Sportler*innen ist jedoch zu überdenken – nicht nur aus Sicht der Trainingswissenschaft, sondern auch im Sinne der allgemeinen Gesundheit. Einer aktuellen Studie zufolge kann regelmäßiges Dehnen nämlich den Blutdruck senken.
Auch wenn viele denken, beim Dehnen gehe es nur um die Flexibilität der Muskulatur, steckt mehr dahinter. Dr. Phil Chilibeck, Biomechaniker an der Universität Saskatchewan, klärt auf: „Wenn Sie ihre Muskeln dehnen, dehnen Sie gleichzeitig auch alle Blutgefäße, die in die Muskeln münden, einschließlich aller Arterien.“ Dadurch reduziert sich die Steifheit der Gefäßwände und der Widerstand gegen den Blutfluss. Folglich kann das Dehnen durch die Verbesserung der Durchblutung den Blutdruck senken. In einer weiteren Studie konnte bereits festgestellt werden, dass insbesondere bei Schwangeren das Dehnen zu einer höheren Senkung des Blutdrucks beitrug als das Gehen.
Innerhalb acht Wochen galt es, den Einfluss des Dehnens im Vergleich zu dem des Gehens auf das Herz-Kreislaufsystem zu testen. Dazu nahmen 40 Männer und Frauen im Durchschnittsalter von 61 Jahren und mit einem Blutdruck im oberen Normalbereich sowie leicht erhöhtem Blutdruck teil. Die eine Gruppe absolvierte fünfmal pro Woche eine 30-minütige Dehnungssitzung, wobei die andere Gruppe in derselben Zeit zügig ging. Zu Beginn und nach der Beendigung der Studie maß das Forschungsteam den Blutdruck der Probanden. Dabei fand die Messung in drei Varianten statt: Im Sitzen, im Liegen und mit einem tragbaren Blutdruckmessgerät über 24 Stunden.
Teils stärkere Senkung des Blutdrucks durch Dehnen
Schließlich gaben die Messwerte nach acht Wochen Aufschluss über den Einfluss des Gehens und Dehnens auf den Blutdruck. In Bezug auf ihre Ausgangswerte konnte die Dehnungsgruppe teilweise – aber nicht bei allen Messungen – eine stärkere Senkung des Blutdrucks erzielen. Laut den Autoren der Studie ist dieses Ergebnis wichtig, um Betroffenen weitere Möglichkeiten aufzuzeigen, ihren Blutdruck zu senken.
Dabei ist jedoch kritisch zu betrachten, dass die Probanden nicht durchgängig beaufsichtigt wurden und das Einhalten der Übungsstandards zum größten Teil auf Vertrauensbasis stattfand. Die relativ kleine Versuchsgruppe stellt die Aussagekraft der Studienergebnisse ebenfalls infrage. Von den 40 Teilnehmer*innen schlossen nur 35 die vollen acht Wochen des Programms ab. Wie genau das Dehnen das Herz-Kreislaufsystem entlasten kann, muss also noch weiter erforscht werden. Man geht jedoch davon aus, dass neben der verbesserten Durchblutung durch das Dehnen der Gefäße die langsamere und kontrolliertere Atmung während des Dehnens den Blutdruck senken kann.
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