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„Diese Sportarten haben meine ADHS-Symptome gelindert“

Sport kann bei ADHS helfen
Sport ist immer eine gute Idee, auch bei ADHS. Welches Training am besten hilft, sollte jeder individuell für sich herausfinden. Foto: Getty Images, Catharina Deege; Collage: FITBOOK
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7. September 2025, 17:39 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Als FITBOOK-Autorin Catharina Deege ihre ADHS-Diagnose erhielt, fühlte sie sich mit der neuen Erkenntnis recht allein gelassen. Die Symptome, die sie schon ihre ganze Kindheit und Jugend lang begleitet haben, konnten nun begründet werden, doch wie sieht die Behandlung dieser aus? Als hyperaktiv-impulsiver ADHS-Typ machte sich bei ihr besonders die körperliche Unruhe bemerkbar: Zappeln, nicht stillsitzen können und mit dem Bein wippen waren Teil ihres Alltags – bis sie entdeckte, wie gut Sport ihr zur Linderung der ADHS-Symptome half. Mittlerweile hat sie den für sich perfekten Mix aus dreierlei Sportarten gefunden.

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ADHS und Sport: Mein Umgang mit der Diagnose

Für eine Frau habe ich meine Diagnose ziemlich früh erhalten. Mit 22 Jahren ließ mich der Gedanke nicht los, womöglich auch von ADHS betroffen zu sein. Laut einer Untersuchung der Psychologin Christina Hartmann bin ich damit gar nicht so spät dran: Sie untersuchte geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Diagnose. Dazu führte sie in Kooperation mit ADHS Deutschland e.V. im Jahr 2019 eine Studie durch, bei der ganze 80 Prozent der befragten Frauen angaben, ihr ADHS erst nach dem 35. Lebensjahr ermittelt zu haben.1 Ich kann mich daher glücklich schätzen, schon so lange Gewissheit zu haben.

Auf die Idee, dass meine hyperaktiv-impulsiven Symptome ganz gut in das Bild von ADHS passen könnten, kam ich durch meine eigene Familie. Als Vorbild hatte ich meinen älteren Bruder, bei dem die Diagnose auch erst nach der Schulzeit kam. Er spielt leidenschaftlich gern Fußball und ist diesem Sport seine komplette Jugend lang nachgegangen. Die Auslastung auf dem Bolzer schien ihm damals beim Bekämpfen seiner noch getarnten Hyperakvitäts-Symptome geholfen zu haben.

Ein wenig kicken und ein paar coole Tricks habe ich mir von ihm beibringen lassen; doch Fußball ist nicht mein Sport. Vor allem im Erwachsenenalter empfinde ich es als anstrengend, auf andere angewiesen zu sein, in einen Verein einzutreten und dann entweder bei schlechtem Wetter oder in einer stickigen Halle zu spielen. Ich wollte einen anderen Sport wählen, durch den sich meine schlimmsten Symptome der Hyperaktivität verbessern sollten.

Mittlerweile kann ich sagen: Diesen einen Wundersport habe ich nicht gefunden. Die Mischung aus drei Sportarten ist meine ganz persönliche Lösung.

Krafttraining gegen das Kopfchaos

Beim Sport werden Botenstoffe im Gehirn ausgeschüttet – unter anderem Dopamin und Noradrenalin. Genau diese Stoffe spielen auch bei ADHS eine große Rolle, weil sie Einfluss auf unsere Aufmerksamkeit und Impulskontrolle haben. Studien legen nahe, dass Sport ähnlich wie Medikamente wirken kann: Er bringt die Neurotransmitter wieder schön ins Gleichgewicht.2 Und dies kann ich aus eigener Erfahrung heraus nur bestätigen.

Durch einen Freund, der als Fitnesstrainer arbeitet, bin ich zum Kraftsport gekommen. Er hatte schon länger versucht, mich zu überzeugen – und meinte, die Art von Training könnte mir gefallen. Tatsächlich hatte ich früher schon Erfahrungen mit Functional Workouts gesammelt, die aber vor allem auf High-Intensity ausgerichtet waren. Danach fühlte ich mich oft ausgelaugt, aber nicht unbedingt auf die gute Art.

Jetzt wollte ich etwas anderes, etwas Strukturierteres, Ruhigeres. Ich begann, bei meinem Freund regelmäßig Krafttrainingseinheiten wahrzunehmen, und merkte schnell, dass es mir guttut. Nicht nur, weil man rasch Fortschritte sieht, sondern auch wegen des Effekts danach: Ich bin erschöpft, aber zufrieden. Nach den etwa 50-minütigen Workouts falle ich müde ins Bett – mein Körper kommt endlich zur Ruhe. Genau das ist es, was ich brauche, denn Schlaflosigkeit gehört zu den Symptomen meiner ADHS.

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Die regelmäßigen Krafttrainingseinheiten zeigen Wirkung: Mein ständiges Zappeln lässt an den Tagen nach dem Training deutlich nach, weil mein Körper sich endlich ausgelastet fühlt. Oft baue ich zusätzlich, wenn ich ohnehin im Fitnessstudio bin, noch eine kurze Einheit auf dem Laufband ein: etwas Cardio, um mich richtig auszupowern. Das ist dann meine Routine im Gym, der ich mindestens zweimal die Woche nachgehe. Und genau dieser Rhythmus sorgt dafür, dass meine Hyperaktivität in den Hintergrund rückt.

Vom Auspowern zur Ruhe

Doch Hyperaktivität zeigt sich nicht nur körperlich. Sie ist auch mental: kreisende Gedanken, die sich nicht abschalten lassen, ständiges inneres Rauschen. Ich wusste, dass ich dafür noch eine zweite Säule brauche – etwas, das mich zur Ruhe bringt. Und welcher Sport eignet sich dafür besser als Yoga?

Für mich war klar: Ich brauche eine Yoga-Lehrerin, deren Stunden nicht nur körperlich fordern, sondern auch Raum für Reflexion lassen. Besonders wichtig ist dabei der Moment der Stille am Ende jeder Einheit – Shavasana, die Endentspannung. In dieser Zeit kann ich abschalten, ganz bei mir sein und meinen Geist beruhigen.

Yoga mache ich einmal pro Woche als Ausgleich zum Kraftsport. Und es hilft nicht nur gegen die mentale Unruhe, sondern unterstützt auch meinen Körper: Die Dehnungen lindern den Muskelkater vom Kraftsport und sorgen für Beweglichkeit. Vor allem aber merke ich, dass mein Geist danach stiller ist. Es ist fast so, als würde mein Kopf für einen Moment auf Reset gesetzt.

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Tanzen als täglicher Dopamin-Booster

Neben Krafttraining und Yoga ist Tanzen meine tägliche Mini-Therapie. Dafür brauche ich nicht viel – keinen Verein, keine bestimmte Stilrichtung, sondern lediglich ein bisschen Platz, Kopfhörer und meine Lieblingssongs. Wenn ich tanze, bekomme ich einen echten Dopaminschub. Ich bewege mich intuitiv, lasse den Körper machen und bringe mich so in Schwung für den Tag oder verarbeite, was gerade da ist. An Tagen, an denen ich merke, dass mir körperlich noch etwas Auslastung fehlt, lege ich abends eine spontane Tanzsession ein – einfach vor dem Spiegel.

Mein persönliches Sport-Rezept bei ADHS

Bei meinem ADHS geht es gar nicht darum, den einen Sport zu finden, der alle Symptome auf magische Weise verschwinden lässt. Was mir wirklich hilft, ist die Mischung. Denn so wie mein ADHS-Gehirn ständig neue Reize und Herausforderungen sucht, würde mir auch sportliche Eintönigkeit nicht guttun.

Ich liebe es, mich zu Musik zu bewegen – da kommt das Tanzen ins Spiel. Krafttraining hilft mir, körperlich stärker zu werden und mich auszupowern. Und Yoga schenkt mir den mentalen Ausgleich, den ich brauche, um zur Ruhe zu kommen. Diese Kombination ist mein ganz persönliches Rezept.

Was ich anderen Betroffenen mitgeben möchte: Probiert euch aus. Nicht jede ADHS-Erfahrung ist gleich – so individuell wie jede Person, so individuell auch die Lösungen. Aber mehrere Sportarten, die sich zwischen Anspannung und Entspannung bewegen, kann ich wärmstens empfehlen. Sie bringen nicht nur Balance in den Alltag, sondern auch in den Kopf, und sättigen das immer wiederkehrende Bedürfnis nach Neuem.

Quellen

  1. Hartmann, C. (2019). Geschlechtsspezifische Unterschiede in der Symptomausprägung der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung bei Erwachsenen. ADHS Deutschland e. V. ↩︎
  2. Vina, J., Sanchis-Gomar, F., Martinez-Bello, V., Gomez-Cabrera, M.C. (2012). Exercise acts as a drug; the pharmacological benefits of exercise. Br J Pharmacol. ↩︎

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