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Ganze Früchte statt Saft? Studie findet Unterschiede bei der Herzgesundheit

Obst Herz
Zwei Portionen Obst sollten es laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung sein – ab und zu kann man eine davon auch durch eine Handvoll Nüsse ersetzen Foto: Getty Images
Sophie Brünke
Autorenfoto
Berlin, 3.6.2026
(c) Niels Starnick / BILD
Ernährungsexpertin

5. Oktober 2026, 9:47 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Ob man sich Obst ins Müsli schnippelt oder ein Glas Saft trinkt, macht offenbar einen Unterschied für das Herz. Eine große US-Studie zeigt, dass Erwachsene mit Bluthochdruck, erhöhtem Cholesterin oder bestehenden Herzerkrankungen seltener ganze Früchte essen. FITBOOK-Ernährungsexpertin Sophie Brünke hat sich die Studie genauer angeschaut.

Obst liefert mehr als nur Vitamine

Obst gehört zum Fundament einer gesunden Ernährung. Es liefert Vitamine, Mineralstoffe, Ballaststoffe und zahlreiche sekundäre Pflanzenstoffe. Dennoch erreicht ein großer Teil der Bevölkerung die empfohlenen Mengen nicht. Zudem hatten die Ernährungsempfehlungen der USA lange nicht zwischen Obst und Saft unterschieden. Erst seit einer Aktualisierung Anfang 2026 empfehlen diese, frisches Obst dem Saft vorzuziehen.1 In Deutschland wird schon länger empfohlen, neben den „5 am Tag“ (zweimal Obst, dreimal Gemüse) nur zwei Gläser Saft in der Woche zu trinken – und das auch nur optional.2 Denn beim Entsaften gehen große Teile der Ballaststoffe verloren und auch die Zusammensetzung bestimmter bioaktiver Pflanzenstoffe verändert sich.

Auch interessant: Das gesündeste Obst der Welt

Haben Safttrinker öfter Herzprobleme?

Die Studienautoren wollten deshalb untersuchen, ob sich die Häufigkeit des Verzehrs von ganzen Früchten und von hundertprozentigem Fruchtsaft zwischen Erwachsenen mit und ohne Herz-Kreislauf-Erkrankungen bzw. deren Risikofaktoren unterscheidet. Die Wissenschaftler werteten Angaben von 371.038 Erwachsenen aus den USA aus. Grundlage war eine telefonische Gesundheitsbefragung aus dem Jahr 2019. Die Teilnehmer gaben an, wie häufig sie ganze Früchte und hundertprozentigen Fruchtsaft konsumierten. Außerdem beantworteten sie, ob ihnen jemals eine der folgenden Diagnosen, die ein Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind, gestellt wurde:

Im Durchschnitt aßen die Befragten rund 1,06-mal täglich ganze Früchte und tranken etwa 0,30-mal täglich Fruchtsaft. Die Teilnehmer gaben lediglich an, wie oft sie Obst und Saft konsumierten, nicht wie viel.

Für die statistische Auswertung berücksichtigten die Forscher verschiedene Einflussgrößen wie Alter, Bildungsstand, Einkommen und Rauchverhalten. Dadurch sollte geprüft werden, ob mögliche Unterschiede beim Obst- oder Saftkonsum auch nach Berücksichtigung dieser Faktoren bestehen bleiben.

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Bevorzugt das Herz ganzes Obst?

Die Auswertung zeigte, dass Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder deren Risikofaktoren seltener ganze Früchte aßen als Personen ohne diese Erkrankungen. So aßen beispielsweise Personen mit Bluthochdruck im Schnitt 1,01-mal täglich ganze Früchte, während Menschen ohne Bluthochdruck auf 1,09-mal täglich kamen. Dieser Zusammenhang blieb auch bestehen, nachdem Alter, Einkommen, Bildung und Rauchverhalten berücksichtigt wurden. Lediglich beim Schlaganfall verschwand der statistische Zusammenhang nach dieser Anpassung.

Beim Fruchtsaft zeichnete sich dagegen kein klares Bild. In den ersten Analysen tranken herzkranke Menschen etwas häufiger Fruchtsaft als nicht herzkranke. Nach Berücksichtigung der weiteren Einflussfaktoren (Alter, Einkommen etc.) blieben jedoch nur noch zwei Zusammenhänge bestehen: Menschen mit erhöhtem Cholesterin tranken etwas seltener Fruchtsaft, während Personen mit einem Herzinfarkt ihn etwas häufiger konsumierten.

Sophie Brünke
Autorenfoto
Berlin, 3.6.2026
(c) Niels Starnick / BILD
Ernährungsexpertin

Darf ich jetzt keinen Saft mehr trinken?

„Keine Panik! Die Studienergebnisse sprechen nicht dafür, Saft vollständig vom Speiseplan zu streichen. Sie passen aber zu den aktuellen Ernährungsempfehlungen, im Alltag möglichst häufig zur ganzen Frucht zu greifen. Ein Apfel, eine Banane oder eine Handvoll Beeren liefern sättigende Ballaststoffe, die den Blutzucker weniger stark ansteigen lassen. Saft wird schneller konsumiert und liefert kaum Ballaststoffe, macht nicht satt und der Blutzucker schießt eher in die Höhe.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, die zwei erlaubten Gläser Saft in der Woche (pro Glas 200 ml) zum Frühstück oder Abendessen zu trinken. Im Rahmen einer Mahlzeit wirkt es sich nämlich weniger auf den Blutzuckerspiegel aus. Man kann die beiden Gläser aber auch verteilt über die Woche in Saftschorlen trinken.

Beim Einkaufen lohnt es sich, ganze Früchte zu bevorzugen. Wer auch einen Saft mitnehmen möchte, sollte darauf achten, dass er zu 100 Prozent aus Frucht besteht. Ob aus Konzentrat oder Direktsaft ist zu vernachlässigen. Anders sieht es bei Nektar und Fruchtsaftgetränken aus: Hier kann Zucker zugesetzt sein!“

Stärken und Schwächen der Studie

Mit mehr als 371.000 ausgewerteten Personen ist die Untersuchung sehr groß. Die Forschenden berücksichtigten zudem mehrere soziale und gesundheitliche Einflussfaktoren. Die Aussagekraft bleibt dennoch begrenzt. Es handelt sich um eine Querschnittsstudie, die Ernährung und Gesundheitsstatus nur zu einem Zeitpunkt erfasste. Sämtliche Angaben beruhten auf der Erinnerung der Befragten. Außerdem wurden weder Portionsgrößen noch genaue Obst- und Saftsorten erhoben. Auch Faktoren wie Bewegung, Gewicht, Gemüseverzehr und die übrige Ernährung flossen nicht vollständig in die Berechnungen ein.

Zudem könnte die Richtung des Zusammenhangs umgekehrt sein: Menschen verändern möglicherweise nach einer Diagnose ihre Ernährung. Aus der Untersuchung lässt sich deshalb nicht ableiten, ob ein bestimmter Obst- oder Saftkonsum Herz-Kreislauf-Erkrankungen verhindert oder verursacht.

Quellen

  1. USDA. Prioritize whole, healthy, and nutritious foods with the new Dietary Guidelines for Americans! (aufgerufen am 02.10.2026) ↩︎
  2. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). Obst und Gemüse – viel und bunt. (aufgerufen am 02.10.2026) ↩︎

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