15. Mai 2026, 10:15 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Vor einiger Zeit hat mich Olympiaheld Matthias Steiner auf ein Thema hingewiesen, das ihn selbst betrifft: Maltit, ein häufig als Zuckeraustauschstoff verwendeter Inhaltsstoff, kann den Blutzucker ansteigen lassen. Das ist nicht nur für ihn als Typ-1-Diabetiker relevant, sondern auch für jene, die glauben, es handle sich um eine Alternative zu Zucker ohne Einfluss auf den Glukosespiegel. Tatsächlich setzen einige Hersteller gezielt auf Maltit als Süßungsmittel. Ich habe mir dazu die Studienlage angesehen und erkläre, welche Effekte es auf unseren Organismus haben kann, ob es ungesund ist und wo mögliche Vorteile liegen. Außerdem habe ich Ärztin und Ernährungsmedizinerin Dr. Luisa Werner gefragt, wie sie Maltit einschätzt.
Was genau ist Maltit?
Maltit, auch als Maltitol bezeichnet, gehört zur Gruppe der Zuckeralkohole, auch Polyole genannt. Wie Xylit, Mannit oder Erythrit wird es als Süßungsmittel eingesetzt und ist als Zusatzstoff unter der Bezeichnung E 965 gelistet. In der Lebensmittelindustrie findet es sich vor allem in zuckerfreien oder zuckerreduzierten Süßigkeiten, Backwaren und Desserts. Dort erfüllt es mehrere Funktionen zugleich, etwa als Süßungsmittel sowie als Feucht- und Strukturgeber.1
Woraus besteht Maltit?
Genau wie andere Zuckeralkohole hat Maltit seinen Ursprung in pflanzlichen Rohstoffen. Ausgangsbasis sind meist Mais- oder Weizenstärke, die über chemisch-enzymatische Prozesse zu Maltit oder Maltitsirup umgewandelt werden. Trotz dieses natürlichen Ursprungs handelt es sich um ein industriell hergestelltes Produkt.
Was Studien zur Wirkung von Maltit sagen
Die Studienlage ist nicht einfach einzuordnen. Ein wesentlicher Grund hierfür sind potenzielle Interessenkonflikte, etwa durch eine Finanzierung einzelner Studien durch Hersteller. Auch wenn Meta-Analysen oder systematische Übersichtsarbeiten solche Interessenkonflikte nicht immer direkt ausweisen, heißt das nicht, dass die darin enthaltenen Einzelstudien frei davon sind. Berücksichtigt man diese Einschränkungen, ergibt sich dennoch ein recht klares Bild.
Einfluss auf den Blutzucker
Maltit hat einen messbaren Einfluss auf den Blutzuckerspiegel. Der Anstieg fällt im Vergleich zu Haushaltszucker zwar geringer und verzögert aus, ist aber vorhanden. Ursache ist, dass ein Teil des Maltits im Dünndarm zu Glukose gespalten und aufgenommen wird. Der Blutzucker steigt folglich an. Wie stark dieser Effekt ausfällt, hängt unter anderem von der verzehrten Menge sowie individuellen Stoffwechselunterschieden ab.
Das bestätigt auch Ernährungsmedizinerin Dr. Luisa Werner. Maltit stelle zwar eine kalorienreduzierte Alternative zu Zucker dar, habe aber weiterhin „eine glykämische Wirkung, was insbesondere für Patienten mit einer Blutzuckerdysregulation relevant ist“.
Was passiert im Körper darüber hinaus?
Ein Teil des Maltits gelangt unverändert in den Dickdarm und wird dort von Darmbakterien fermentiert. So gesehen könne der Stoff „als präbiotisch eingeordnet werden“, erklärte mir Werner, die sich in ihrem Buch „Darm gut, alles gut“ intensiv mit dem Thema Darmgesundheit auseinandersetzt. „Studien zeigen einen Anstieg an Bifidobakterien und einer vermehrten Produktion von kurzkettigen Fettsäuren, die mit positiven metabolischen Effekten verbunden sind.“ Regelmäßiger Konsum kann darüber hinaus zu einer gewissen Anpassung der Darmflora führen, ohne eindeutig konsistent nachgewiesene langfristige negative Auswirkungen. 2,3
Gleichzeitig wirkt Maltit osmotisch, zieht also Wasser in den Darm. Zusammen mit der bakteriellen Fermentation kann das zu Blähungen, Darmgeräuschen und bei höheren Mengen auch zu Durchfall führen. Wie gut Maltit vertragen wird, unterscheidet sich dabei deutlich zwischen einzelnen Personen und hängt stark von der Menge ab. Entsprechend ist in der EU bei Produkten mit hohem Polyolgehalt ein Hinweis vorgeschrieben, dass ein übermäßiger Verzehr abführend wirken kann. Gastrointestinale Nebenwirkungen könnten „je nach Empfindlichkeit jedoch schon bei einem Riegel gesüßt mit Maltit einhergehen“, sagte Werner.4
Welche Menge an Maltit gilt als verträglich?
Werner verweist auf das Bundesinstitut für Risikobewertung, das bis zu 20 Gramm pro Person und pro Tag als verträgliche Menge nennt. Eine Studie habe die Verträglichkeit von Maltit über zuckerreduzierte Schokolade getestet, so Werner. Bis zu 30 Gramm Maltit pro Tag seien ohne abführende Effekte einhergegangen.5 Das heißt aber nicht, dass es sich nicht anders bemerkbar machen kann. „Ein 40-Gramm-Proteinriegel, der 30 Gramm Maltit auf 100 Gramm enthält, kann durchaus mit gastrointestinalen Nebenwirkungen einhergehen.“ Maltit stecke daneben auch in zuckerreduzierter Schokolade, Bonbons, Kaugummi, Backwaren, Eis und Diät-Produkten.
Dr. Luisa Werner weist zudem darauf hin, dass bestimmte Personen besonders empfindlich reagieren können: „Bei chronischen Darmerkrankungen, wie Reizdarmsyndrom oder chronisch entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn, können schon deutlich kleinere Mengen symptomatisch werden.“
Kalorien und Süßkraft
Der effektive Brennwert liegt bei etwa 200 bis 240 Kilokalorien pro 100 Gramm und damit deutlich unter dem von Haushaltszucker mit rund 400 Kilokalorien. Gleichzeitig erreicht Maltit etwa 90 Prozent der Süßkraft von Zucker. Ein technologischer Vorteil ist zudem, dass es keinen kühlenden Effekt im Mund verursacht, wie er bei manchen anderen Zuckeralkoholen auftreten kann.
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Zahngesundheit und Sicherheit
Maltit ist nicht kariogen, da Mundbakterien es nicht effizient zu säurebildenden Stoffwechselprodukten abbauen. Hinweise auf relevante toxische oder karzinogene Wirkungen bei üblichem Verzehr gibt es nicht.
Mögliche Alternativen zu Maltit
Je nach Ziel kann man auf andere Süßungsmittel ausweichen. „Im Rahmen von Zuckeralkoholen kann Erythrit eine insulinunabhänige und kalorienfreie Alternative darstellen“, erklärt Werner. „Aber wie bei allen Zuckeralkoholen können auch hier gastrointestinale Nebenwirkungen aufkommen. Verträglichere Alternativen können Stevia oder Mönchsfrucht darstellen.“6