25. August 2025, 13:00 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Sie können mehr als nur Beilage sein: Brokkoli – und andere Kreuzblütler – könnten laut neuer Daten das Risiko für Darmkrebs deutlich senken. Besonders spannend: Schon geringe Mengen täglich scheinen eine schützende Wirkung zu haben. Was genau dahintersteckt, wie viel Gemüse ausreicht und welche Sorten am besten wirken, zeigt eine aktuelle Metaanalyse aus China. FITBOOK erklärt, welche Inhaltsstoffe dafür verantwortlich sind und welche Gemüsesorten von nun an regelmäßig auf der Einkaufsliste stehen sollten. Ein Tipp vorab: Schon ein Röschen Brokkoli täglich soll Ihren Darm schützen können …
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Was wurde untersucht und warum?
Darmkrebs zählt zu den häufigsten und tödlichsten Krebserkrankungen weltweit. Allein in Deutschland gibt es jährlich über 60.000 neue Fälle, 25.000 Menschen überleben die Krankheit nicht. Erst kürzlich machte der aus „Dawson’s Creek” bekannte Schauspieler James Van der Beek seine Erkrankung öffentlich (FITBOOK berichtete). Seine Diagnose: Darmkrebs im Stadium 3 mit 46 Jahren. Auch wenn eine familiäre Vorbelastung eine Rolle spielen kann, sind Ernährung und Lebensstil wesentliche Faktoren, um das Risiko zu minimieren. Forscher gehen schon lange davon aus, dass insbesondere Kreuzblütler – wozu unter anderem Brokkoli, Blumenkohl, Rosenkohl und Grünkohl zählen – die Entstehung von Darmkrebs bremsen oder sogar verhindern können. Um ein genaueres Bild zu erhalten, nahmen chinesische Forscher 17 Studien zu diesem Thema unter die Lupe und kamen zu einem eindeutigen Ergebnis. Die neue Metaanalyse wurde aktuell in der Fachzeitschrift BMC Gastroenterology veröffentlicht.1
17 Studien mit insgesamt 639.539 Personen analysiert
Die 17 untersuchten Studien umfassten sieben Kohorten- und zehn Fall-Kontroll-Studien. Insgesamt nahmen 639.539 Personen daran teil, davon 97.595 mit Darmkrebs. Die Studien wurden in Amerika, Europa, Asien und Australien durchgeführt. In den meisten Fällen gaben die Probanden in Fragebögen selbst an, wie viel und wie oft sie Kreuzblütler-Gemüse verzehrten. Die chinesischen Forscher bewerteten jedoch den Großteil der einzelnen Studiendesigns als qualitativ hochwertig.
Für die maximale Schutzwirkung gegen Darmkrebs reichen 20 bis 60 Gramm Kreuzblütler
Die erste wichtige Erkenntnis lautet: Kreuzblütler können vor Darmkrebs schützen. Bereits 20 Gramm Brokkoli und Co. (das entspricht etwa einem mittelgroßen Röschen) reichen aus, um eine Schutzwirkung zu entfalten. Diese lässt sich sogar noch ein wenig steigern, wobei Portionen über 60 Gramm keine weiteren Effekte mehr haben. Die Forscher errechneten, dass sich das Darmkrebsrisiko um bis zu 20 Prozent senken lässt, wenn man sich täglich eine kleine Portion des Gemüses auf den Teller packt. Das Team stellte außerdem fest, dass der Schutzeffekt in Studien aus Nordamerika und Asien besonders ausgeprägt war, in Europa oder Australien jedoch weniger deutlich.
Diese Wirkstoffe in Kreuzblütlern sollen vor Darmkrebs schützen
Doch welcher Stoff in den Kreuzblütlern ist für die Anti-Darmkrebs-Wirkung verantwortlich? Kreuzblütler sind eine reichhaltige Quelle nützlicher sekundärer Pflanzenstoffe wie Flavonoide, Ballaststoffe, Vitamin C und Carotinoide und zudem reich an Glucosinolaten. Diese Verbindungen sind unter anderem für den typischen Kohlgeruch verantwortlich, der beim Kauen entsteht. Das ist auch der Moment, in dem sie in Isothiocyanate, insbesondere Sulforaphan zerfallen. Dieses Molekül soll für die krebsschützende Wirkung verantwortlich sein, indem es den Tod von bösartigen Zellen auslöst, die Bildung neuer Blutgefäße an Tumorstellen hemmt und das unkontrollierte Wachstum von Krebszellen verhindert.
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Es muss nicht immer Brokkoli sein – diese Gemüse zählen zu den Kreuzblütlern
Die Auswahl an leckeren Kreuzblütlern ist groß. Wer also Brokkoli beim besten Willen nichts abgewinnen kann, der kann auf ebenso gesunde Alternativen zurückgreifen. Die folgende Liste hilft, Abwechslung auf dem Teller zu schaffen.
- Brokkoli
- Blumenkohl
- Rosenkohl
- Grünkohl
- Kohlrabi
- Rotkohl
- Weißkohl
- Radieschen
- Steckrüben
- Rucola
- Kresse
Einschränkungen der Meta-Studie
Laut den beteiligten Forschern gibt die aktuelle Metaanalyse starke Hinweise darauf, dass Kreuzblütler das Risiko für Darmkrebs senken können. Dennoch basiert die Erhebung der Ernährung größtenteils auf Fragebögen, die ungenau sein können. Sie sind auch niemals ein Beweis für eine kausale Wirkung. Auch stammen die meisten Daten aus Asien und Nordamerika, weshalb unklar ist, ob die Ergebnisse global gültig sind. Allerdings ist jede Forschung, die Aufschluss darüber gibt, wie sich Darmkrebs mit einfachen Mitteln verhindern ließe, ein enormer Zugewinn. Lange galt Darmkrebs als typische Alterserkrankung, doch das ändert sich: In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Diagnosen bei unter 50-Jährigen weltweit gestiegen.2