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Hochverarbeitete Lebensmittel könnten dem Gehirn unbemerkt schaden

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Eine neue Studie zeigt einen Zusammenhang zwischen hochverarbeiteten Lebensmitteln und unbemerkten Gefäßschäden im Gehirn Foto: Getty Images/Peter Dazeley
Mara Pollokat
Mara Pallokat

20. Oktober 2026, 13:48 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Was täglich auf dem Teller landet, könnte mit Veränderungen im Körper und möglicherweise auch im Gehirn zusammenhängen, noch bevor sich Einschränkungen bei Gedächtnis oder Denkvermögen zeigen. Eine aktuelle Querschnittsanalyse aus Kanada bringt einen höheren Verzehr hochverarbeiteter Lebensmittel mit mehr Körper- und viszeralem Fett sowie mit häufiger festgestellten, unbemerkten Gefäßschäden im Gehirn in Verbindung.

Welche gesundheitlichen Folgen hochverarbeitete Lebensmittel haben könnten

Hochverarbeitete Lebensmittel, häufig mit der englischen Abkürzung UPF für „ultra-processed foods“ bezeichnet, machen der Studie zufolge in vielen Ländern mit hohem Einkommen mehr als die Hälfte der täglichen Energiezufuhr aus.

Frühere Studien haben bereits Zusammenhänge zwischen einem höheren UPF-Verzehr, stärkerer Fettansammlung und einem ungünstigeren kardiometabolischen Risikoprofil festgestellt. Als mögliche Mechanismen gelten unter anderem eine höhere Energieaufnahme, eine beeinträchtigte Appetitregulation, Stoffwechselstörungen, Entzündungsprozesse und Gefäßschäden.

Im Mittelpunkt der aktuellen Untersuchung aus Kanada stand eine weitere Frage. Könnten Gefäßveränderungen im Gehirn bereits vorhanden sein, bevor sich messbare Einschränkungen der geistigen Leistungsfähigkeit zeigen? Die Forscher untersuchten deshalb, ob die Aufnahme hochverarbeiteter Lebensmittel mit dem Körperfettanteil, dem viszeralen Fettgewebe (dem tief im Bauchraum sitzenden Fett), dem Fettgehalt der Leber sowie mit Gefäßschäden im Gehirn und der kognitiven Leistungsfähigkeit zusammenhing.

Zu den untersuchten Gefäßveränderungen gehörten eine ausgeprägte Belastung durch sogenannte White-Matter-Hyperintensitäten, auffällige Veränderungen der weißen Hirnsubstanz im MRT, sowie klinisch unbemerkte Hirninfarkte („stille“, symptomlose kleine Schlaganfälle). Solche Befunde wurden zusammen als vaskuläre Hirnschädigung betrachtet.

Studiendesign und Methoden

Die Querschnittsanalyse (eine Untersuchung zu einem einzigen Zeitpunkt) der McMaster University und weiterer kanadischer Forschungseinrichtungen umfasste 8783 Erwachsene im Alter von 35 bis 69 Jahren ohne Herz-Kreislauf-Erkrankung. Das Durchschnittsalter betrug 57,7 Jahre, 56,6 Prozent der Teilnehmer waren Frauen. Die Teilnehmer machten anhand validierter Fragebögen Angaben zu ihrer Ernährung im vorausgegangenen Jahr. Die Forscher teilten den Konsum hochverarbeiteter Lebensmittel nach dem NOVA‑System ein – einer Lebensmittelklassifikation, die Nahrungsmittel anhand ihres Grades an industrieller Verarbeitung in vier Gruppen einteilt.1

Untersucht wurden der Körperfettanteil, viszerales Fett und Leberfett sowie mittels MRT erfasste Gefäßschäden im Gehirn. Die geistige Leistungsfähigkeit wurde mit zwei kognitiven Tests beurteilt. Bei der statistischen Auswertung berücksichtigten die Forscher unter anderem Alter, Geschlecht, Bildung, körperliche Aktivität, Rauchen, Diabetes, Bluthochdruck und die gesamte Energieaufnahme. Da sämtliche Messungen bei einem einzigen Ausgangstermin erfolgten, gab es keine Nachbeobachtung.

Was die Studiendaten zu Körperfett und Gehirn zeigen

Im Durchschnitt stammten rund 42 Prozent der täglichen Energiezufuhr der Teilnehmer aus hochverarbeiteten Lebensmitteln. Im niedrigsten Quartil lag der Konsum bei median 3,1 UPF-Portionen je 2000 Kilokalorien täglich, im höchsten bei 12,8 Portionen.

Ein höherer UPF-Konsum war mit mehr Körperfett verbunden. Teilnehmer im höchsten Quartil hatten nach statistischer Anpassung durchschnittlich einen um 1,7 Prozentpunkte höheren Körperfettanteil und 5,7 Milliliter mehr viszerales Fett als Teilnehmer im niedrigsten Quartil. Dieser Zusammenhang zeigte sich vor allem bei Menschen mit Adipositas (einem Body-Mass-Index ab 30), während bei Normalgewichtigen (BMI unter 25) kein deutlicher Unterschied gemessen wurde. Beim Leberfett zeigte sich in der primären Analyse kein signifikanter Zusammenhang.

Auch vaskuläre Hirnschäden wurden bei höherem UPF-Konsum häufiger festgestellt. Ihre Prävalenz lag bei 8,1 Prozent im niedrigsten und 11,3 Prozent im höchsten Quartil. Nach statistischer Anpassung waren die Odds für solche Veränderungen im höchsten Quartil um 40 Prozent höher. Je zusätzliche fünf UPF-Portionen pro 2000 Kilokalorien täglich lagen die Odds für vaskuläre Hirnschäden um 16 Prozent und für klinisch unbemerkte Hirninfarkte um 21 Prozent höher.

Ein besonders auffälliges Ergebnis zeigte sich bei der Trennung nach Geschlechtern: Der Zusammenhang mit Gefäßveränderungen im Gehirn betraf in den Detailanalysen fast ausschließlich Frauen (78 Prozent höhere Odds im höchsten Quartil), während bei Männern kein statistisch signifikanter Zusammenhang festgestellt wurde. Dieser Befund erwies sich allerdings als weniger robust: Wurde der UPF-Konsum als Anteil der gesamten Lebensmittel-Portionen oder der Energiezufuhr berechnet, war der Zusammenhang nicht mehr statistisch signifikant.

Bei der kognitiven Leistungsfähigkeit zeigte sich kein konsistenter Zusammenhang mit dem UPF‑Konsum. Das könnte auch daran liegen, dass die Teilnehmenden ein sehr hohes Bildungsniveau hatten (über 73 Prozent mit Hochschulabschluss) und bei den Denk- und Gedächtnistests durchweg hohe Punktzahlen erzielten (sogenannter Deckeneffekt). Solche einfachen Tests können sehr frühe, leichte Veränderungen im Gehirn oft noch nicht abbilden.

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Welche Bedeutung haben die Ergebnisse?

Am deutlichsten war der Zusammenhang zwischen einem höheren UPF-Konsum und mehr Körper- sowie viszeralem Fett. Ob die beobachteten vaskulären Hirnveränderungen später mit einem kognitiven Abbau verbunden sind, bleibt dagegen offen.

Längsschnittstudien – also Untersuchungen über einen längeren Zeitraum mit mehreren Messzeitpunkten – müssen klären, ob ein höherer UPF-Konsum solchen Veränderungen tatsächlich vorausgeht.

Auch interessant: „Nicht alle hochverarbeiteten Lebensmittel sind ungesund“

Einordnung der Studie und mögliche Einschränkungen

Eine Stärke der Untersuchung war die Kombination von Ernährungsdaten mit objektiven Messverfahren. Körperfett, viszerales Fett und Leberfett sowie Gefäßveränderungen im Gehirn wurden unter anderem mittels Magnetresonanztomografie beurteilt.

Die entscheidende Einschränkung betrifft jedoch das Studiendesign. Da sämtliche Messungen zu einem einzigen Zeitpunkt erfolgten, lässt sich weder eine zeitliche Abfolge noch ein Ursache-Wirkungs-Verhältnis nachweisen. Die Studie zeigt folglich nicht, dass hochverarbeitete Lebensmittel Gefäßschäden im Gehirn verursachen. Auch umgekehrte Kausalität kann nicht ausgeschlossen werden.

Die Ernährung wurde zudem mithilfe eines einzelnen Fragebogens zum Konsum im vorausgegangenen Jahr geschätzt. Damit könnten längerfristige Ernährungsgewohnheiten unzureichend erfasst worden sein. Hinzu kommt, dass UPF eine heterogene Lebensmittelkategorie darstellen. Unterschiedliche hochverarbeitete Lebensmittel könnten daher unterschiedlich mit Gesundheitsmerkmalen zusammenhängen.

Quellen

  1. de Souza, R. J., Schulze, K. M., Desai, D., et al. (2026). Ultraprocessed Food Intake and Adiposity, Vascular Brain Injury, and Cognition in Middle-Aged Adults. JAMA Network Open ↩︎

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