18. Dezember 2025, 16:39 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten
Eine Limo, die nicht nur schmeckt, sondern auch ohne Zucker und mit einer Extra-Portion Ballaststoffen für die Darmgesundheit daherkommt, klingt für Fitnessbewusste erst mal praktisch. Und genau das verspricht „Fizi“ von Supplement-Hersteller More. FITBOOK-Ernährungsexpertin Sophie Brünke hat sich die Zutatenliste näher angeschaut.
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Die Idee hinter Fizi
In Deutschland liegt der jährliche Pro-Kopf-Verzehr von Zucker bei stolzen 30,4 Kilogramm. Das entspricht ca. 28 Stück Würfelzucker am Tag.1 Und Softdrinks wie Limonaden tragen hierzu erheblich bei: Sie landen nach Schokolade und Süßigkeiten auf Platz zwei der am häufigsten konsumierten süßen Lebensmittel in einer Statista-Umfrage aus 2022/23.2 Eine gesündere Alternative an dieser Stelle ergibt also Sinn. Doch gibt es die nicht schon in Form von Light- und Zero-Varianten? Nicht ganz, denn sogenannte funktionelle Limonaden wie Fizi setzen zusätzlich auf Darmgesundheit und enthalten weitere Zutaten wie Ballaststoffe. Doch ist das wirklich sinnvoll oder nur ein kluger Marketing-Schachzug?
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Was steckt drin?
Der Blick auf die Nährwerttabelle verrät: Der Kaloriengehalt liegt bei 14 Kalorien pro 100 Milliliter, macht schlappe 46 Kalorien pro Dose. Zucker ist nicht enthalten.3 Im Vergleich zu einer klassischen Limonade, die im Schnitt 42 Kalorien und zehn Gramm Zucker auf 100 Milliliter enthält, können Verbraucher folglich sparen.4
Übrigens: Seit eines Rechtstreits 2024, bei dem eine Limonade zu wenig Zucker für diesen Begriff enthielt, müssen ebendiese keinen Mindestzuckergehalt mehr aufweisen, lediglich „Zutaten zur Erzielung eines süßen Geschmacks“.5,6
Süßungsmittel
Für die Süße enthält Fizi (und auch die Limos einiger anderer Hersteller) Steviolglycoside aus Stevia. Damit punkten die Hersteller womöglich beim Verbraucher, da typische Süßstoffe wie Aspartam und Sucralose ein schlechtes Image aufweisen. Aspartam wurde 2023 von der Weltgesundheitsorganisation als „möglicherweise krebserregend“ eingestuft, übliche Verzehrmengen gelten jedoch als unbedenklich (FITBOOK berichtete). Zudem wird ein negativer Einfluss von Süßstoffen auf das Darmmikrobiom diskutiert.
Stevia hingegen wird häufig als „natürliche Süße“ dargestellt. Dabei sind die daraus gewonnenen Steviolglycoside ein klassisches Industrieprodukt und tragen als Süßstoffe die E-Nummern E 960 a und c. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat für Steviolglycoside einen ADI-Wert (Acceptable Daily Intake) von vier Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht festgelegt. Dieser beschreibt die Menge einer Substanz, die lebenslang täglich verzehrt werden kann, ohne dass dadurch gesundheitliche Gefahren zu erwarten sind. Die Verbraucherzentrale gibt allerdings zu bedenken, dass insbesondere Kinder den ADI-Wert leicht überschreiten könnten. Hauptquelle für Steviolglycoside sind Getränke, jedoch sind sie auch in 31 weiteren Lebensmittelkategorien erlaubt, was die Aufnahmemengen erhöhen kann.7
Neuartige Zutat Mönchsfrucht
Eine weitere Zutat, die für eine gewisse Süße sorgen dürfte, nennt sich in der Zutatenliste „konzentrierter Auszug aus Mönchsfrüchten“. Die Mönchsfrucht enthält bestimmte sekundäre Nährstoffe, die Migroside. Diese sind um ein Vielfaches süßer als der bekannte weiße Haushaltszucker, liefern aber keine Kalorien. Die Mönchsfrucht selbst ist in der EU nicht zugelassen, jedoch Auszüge aus ihr.8
Ballaststoffe – wofür sie gut sind und welche in der Limo stecken
Spannend ist die Idee, Getränken Ballaststoffe hinzuzufügen. Diese dienen den „guten“ Darmbakterien als Futter und sorgen so für eine gesunde Darmflora. Weiterhin halten sie lange satt, unterstützen die Verdauung und stabilisieren Blutzucker- und Cholesterinspiegel. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt eine tägliche Ballaststoffzufuhr von 30 Gramm, die jedoch häufig unterschritten wird. Frauen kommen durchschnittlich auf 18 Gramm Ballaststoffe pro Tag, Männer auf 19 Gramm.9
Je nach Hersteller liefert eine Dose funktionelle Limonade sechs bis zehn Gramm Ballaststoffe und könnte bereits bis zu ein Drittel der empfohlenen Zufuhr decken. Vergleichbare Mengen stecken aber auch in zwei Scheiben Vollkornbrot, einer Paprika oder einer Beilagenportion Erbsen.
Im Fall Fizi sind es rund zehn Gramm, wobei nicht nur auf einen, sondern auf vier verschiedene Ballaststoffe gesetzt wird: Maisfaser, Tapiokafaser, Akazienfaser und Guarbohne. Akazienfaser, auch als Gummi arabicum bekannt, erlebt zurzeit einen Hype. Der Ballaststoff gilt als gut verträglich (wenig blähend) und zeigte in einer Cambridge-Studie eine ähnlich starke präbiotische Wirkung wie Inulin.10 Auch bei Reizdarm-Patienten verbesserte eine vierwöchige Intervention mit Akazienfasern die Symptomatik der Darmerkrankung.11 Nach heutigem Stand der Forschung ist Gummi arabicum jedoch nicht grundsätzlich wirksamer oder „besser“ als andere Ballaststoffe.12
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Wasserunlöslich versus -löslich
Wichtig zu verstehen ist, dass alle in funktionellen Limos enthaltenen Ballaststoffe zu den wasserlöslichen gehören. Diese zeichnen sich besonders durch ihre präbiotische Wirkung aus: Sie dienen als Nahrung für nützliche Darmbakterien, die wiederum gesundheitsfördernde Stoffwechselprodukte wie kurzkettige Fettsäuren bilden.
Doch auch wasserunlösliche Ballaststoffe sind wichtig für die Darmgesundheit. Diese stecken in Vollkornprodukten, Obst, Gemüse, Nüssen und Samen. Die Darmbakterien bauen diese nur teilweise oder gar nicht ab, sie werden größtenteils unverändert ausgeschieden. Dadurch füllen sie den Darm wie eine Art reinigenden Schwamm und fördern sie die Darmbewegung. Infolge verkürzen sie die Transitzeit im Darm und erhöhen die Stuhlfrequenz.
Der Markt wächst: Von Poppi bis Super Pop
Bereits seit 2018 gibt es in den USA die Pioniermarken Poppi und Olipop, die vorwiegend durch Social Media rasch an Bekanntheit gewannen. Erstere wurde sogar von Marktgigant PepsiCo aufgekauft, welcher für Anfang 2026 den Launch einer präbiotischen Version der Pepsi Cola plant. Neben More springen auch andere deutsche Hersteller auf den Hype auf: Getränkehersteller Oettinger, der Supplementanbieter Braineffekt sowie das Startup Nova Nutrition brachten dieses Jahr ihre funktionellen Limonaden auf den Markt. An „Super Pop“ von Unibev ist auch Fitness-Influencerin Pamela Reif beteiligt.13,14
Zum Teil finden sich in den Zutatenlisten noch mal andere Stoffe als bei Fizi, die besonders darmfreundlich sein sollen, etwa Postbiotika und Apfelessig.
Postbiotika
Auf der Zutatenliste der Limo „Super Pop“ findet man den Begriff „durch Hitze inaktivierte Lactobacillus plantarum“. Damit sind abgetötete Milchsäurebakterien gemeint, die sich auf diese Weise nicht weiter im Getränk vermehren, aber dennoch einen gesundheitlichen Vorteil bieten können. Im Vergleich zu lebenden Mikroorganismen sind sie allerdings bisher weniger ausführlich erforscht.
Apfelessig
Im vergangenen Jahr hat eine Studie aus dem Libanon Apfelessig einen Hype beschert: Bei der Studie half Apfelessig den Probanden augenscheinlich signifikant beim Abnehmen. Doch aufgepasst: Infolge schwerwiegender Kritik an der Studienmethodik durch Experten wurde die Studie im September 2025 widerrufen – die Ergebnisse sind damit wissenschaftlich nicht mehr belastbar.
In einem früheren FITBOOK-Artikel über Apfelessig stufte Antje Gahl von der DGE weitere gesundheitliche Vorteile ebenfalls als überschaubar ein. Zur Wirkung des Essigs in unserem Körper erklärt sie: „Essig wird im Stoffwechsel letztlich zu Wasser und Kohlendioxid abgebaut, ohne besondere Effekte im Körper auszulösen.“ Eine mögliche Gewichtsreduktion sei eher auf eine Ernährungsumstellung zurückzuführen als auf das Apfelessiggetränk.
„Ersatz für Spaßgetränke, aber nicht fürs Vollkornbrot“
„Ich bin im Zuge dieses Artikels in die Drogerie meines Vertrauens gegangen, um eine funktionelle Limonade zu testen. Mein geschmackliches Fazit: Es schmeckt wie eine stark sprudelnde, etwas saure Fruchtsaftschorle, aber nicht schlecht. Als Alternative zu zuckerhaltigen Getränken kann man ruhig zu diesem neuen Trendgetränk greifen. Aber bitte nicht in falscher Sicherheit wiegen und dafür auf ballaststoffreiche Lebensmittel wie Vollkornprodukte verzichten. Denn neben den Ballaststoffen stecken eine Reihe weiterer Nährstoffe im Korn, die Limos nicht bieten können. Zumal die Limos lediglich wasserlösliche Ballaststoffe liefern. Und: Die gesündesten Durstlöscher bleiben ungesüßter Tee und Wasser – Limos sollten die Ausnahme bleiben.“