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Lebensmittel, die eine frühe Pubertät bei Mädchen auslösen können

Die Ernährung kann den Start der Pubertät beeinflussen
Eine Gynäkologin erklärt bei FITBOOK, welchen Zusammenhang es zwischen Ernährung und Pubertät bei Mädchen gibt Foto: Heidi Gößlinghoff, Getty Images; Collage: FITBOOK
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5. August 2025, 4:11 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Die Pubertät ist eine spannende, herausfordernde Lebensphase voller körperlicher und emotionaler Veränderungen. Wussten Sie, dass bestimmte Nahrungsmittel den Start der Pubertät beeinflussen können, manchmal sogar früher als erwartet? Erfahren Sie von der Expertin Frau Dr. med. Heidi Gößlinghoff, Frauenärztin und Mentorin für Frauen und Paare mit unerfülltem Kinderwunsch, was den Beginn der Pubertät bei Mädchen steuert und welche Rolle die Ernährung dabei spielt. Tatsächlich kann diese zu einem frühen oder späten Beginn der Pubertät beitragen. Lebensmittel, die ein frühes Einsetzen der Pubertät fördern können, sind etwa Milchprodukte und Hochverarbeitete Lebensmittel.

Dr. Heidi Gößlinghoff
Mit fachlicher Beratung von Frauenärztin und Online-Begleitung für Frauen und Paare mit unerfülltem Kinderwunsch

„Der Beginn der Pubertät bei Mädchen wird häufig mit der Menarche, also der ersten Monatsblutung, gleichgesetzt. Tatsächlich beginnt die Pubertät jedoch Jahre zuvor, meist äußerlich unbemerkt, mit der Adrenarche und der Gonadarche. Die Adrenarche bezeichnet die Reifung der Nebennierenrinde, die etwa im Alter von sechs bis acht Jahren einsetzt. Dabei wird die Produktion von Androgenen angeregt, den Hormonen, die unter anderem das Wachstum von Scham- und Achselhaaren fördern“, erklärt Frau Dr. Gößlinghoff. „Die darauffolgende Gonadarche aktiviert die Eierstöcke durch die beginnende Produktion von LH und FSH, die dann vermehrt Östrogene produzieren. Diese weiblichen Sexualhormone sind unter anderem für das Brustwachstum und andere sichtbare körperliche Veränderungen verantwortlich.“

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Wann setzt die Pubertät bei Mädchen ein?

In der Regel beginnt die Pubertät bei Mädchen zwischen dem achten und dreizehnten Lebensjahr, wobei die Menarche meist zwei bis drei Jahre nach dem Einsetzen der Brustentwicklung auftritt. In den letzten Jahrzehnten beobachten Fachleute weltweit, dass Mädchen früher in die Pubertät kommen. Ob es sich dabei um eine harmlose biologische Verschiebung oder um einen gesundheitlich bedenklichen Trend handelt, wird derzeit intensiv erforscht.

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Was beeinflusst den Beginn der Pubertät?

Wann genau die Pubertät startet, ist von Mädchen zu Mädchen verschieden und wird von einer ganzen Reihe an Faktoren beeinflusst. Neben den Genen spielen auch der Lebensstil, die Umwelt und psychosoziale Aspekte eine Rolle.

Veerbung: der stärkste Einfluss

Der wichtigste Faktor ist die Genetik. Wann die Mutter oder nahe weibliche Verwandte in die Pubertät kamen, ist ein starker Hinweis darauf, wann es auch bei der nächsten Generation losgehen könnte.

Körpergewicht und Ernährung

Auch der Körperfettanteil wirkt sich auf den Pubertätsbeginn aus. Mädchen mit höherem Körpergewicht produzieren mehr von dem Hormon Leptin, das die hormonelle Achse für den Pubertätsstart früher aktivieren kann. Gleichzeitig spielt die allgemeine Ernährung eine wachsende Rolle. Sowohl eine sehr kalorienreiche als auch eine stark eingeschränkte Ernährung kann den natürlichen Ablauf der Entwicklung beeinflussen.

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Umwelt und Chemikalien

Umweltchemikalien wie Bisphenol A oder Weichmacher in Kunststoffen geraten immer mehr in den Fokus. Sie gehören zu den sogenannten endokrinen Disruptoren und können im Körper hormonähnlich wirken, mit potenziellem Einfluss auf den natürlichen Beginn der Pubertät.

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Nicht zu unterschätzen: Der Zusammenhang zwischen Pubertätsbeginn und psychosozialen Faktoren

„Chronischer Stress, familiäre Belastungen oder traumatische Erfahrungen können den Hormonhaushalt durcheinanderbringen und so den Eintritt in die Pubertät beschleunigen oder verzögern. Auch psychosoziale Faktoren wie die Familiensituation oder das emotionale Umfeld dürfen in diesem Zusammenhang nicht unterschätzt werden“, betont Frau Dr. Gößlinghoff. „Studien zeigen, dass Mädchen, die in stressigen oder instabilen Familienverhältnissen aufwachsen, oft früher in die Pubertät kommen. Dies zeigt uns auch wieder deutlich, wie eng Körper und Psyche verbunden sind.“

Kann Ernährung den Beginn der Pubertät beeinflussen?

„Ernährung kann durchaus Einfluss auf die hormonelle Regulation und damit den Beginn der Pubertät haben. Wissenschaftliche Studien zeigen Zusammenhänge zwischen bestimmten Ernährungsgewohnheiten und dem Zeitpunkt der Pubertät, wobei die Effekte oft komplex und multifaktoriell sind. Sie müssen beachten, dass es nicht „die eine“ Nahrungsmittelgruppe gibt, die allein die Pubertät verschiebt, sondern es ist ein Zusammenspiel aus Nährstoffangebot, Kalorienzufuhr, Körperfettanteil und hormonell aktiven Substanzen in Lebensmitteln“, stellt Frau Dr. Gößlinghoff klar.

Welche Essgewohnheiten und Nahrungsmittel können eine frühe Pubertät hervorrufen?

Übergewicht

Ein höherer Körperfettanteil erhöht die Leptin-Produktion, die den Hirn-Hormon-Zyklus aktiviert. Übergewicht ist daher einer der wichtigsten Faktoren für eine vorzeitige Pubertät.

Zuckerkonsum und stark verarbeitete Lebensmittel

Zuckerreiche und stark verarbeitete Produkte wie Fast Food, Softdrinks und Süßigkeiten fördern Übergewicht und Insulinresistenz. Ein erhöhter Insulinspiegel kann wiederum die sogenannte Gonadotropin-Releasing-Hormon-Achse stimulieren, welche den Pubertätsstart steuert. Mädchen mit hohem Zuckerkonsum bekommen tendenziell früher ihre erste Menstruation.

Milch- und Sojaprodukte

Milch enthält natürliche Wachstumshormone und Östrogene, die den Hormonhaushalt beeinflussen können. Auch Sojaprodukte enthalten Phytoöstrogene (pflanzliche Östrogene), die den Körper imitieren und theoretisch den Pubertätsbeginn fördern können.

Tierisches Protein

Eine hohe Proteinzufuhr aus tierischen Quellen kann möglicherweise den sogenannten Insulin-like Growth Factor 1 (IGF-1) fördern, der das Körperwachstum und die Sexualhormone ankurbelt.

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Vegane Ernährung

Vegetarische oder vegane Ernährungsmuster, die reich an Ballaststoffen, pflanzlichen Proteinen und arm an Kalorien sind, zeigen in einigen Studien eine leichte Verzögerung des Pubertätsbeginns.

Niedriger Körperfettanteil

Ein zu niedriger Körperfettanteil, beispielsweise bei Sportlerinnen oder Mädchen mit Essstörungen, kann den Pubertätsstart deutlich verzögern oder sogar ganz aussetzen (Amenorrhoe).

Fazit

Die Pubertät ist ein vielschichtiger biologischer Prozess, der durch genetische, hormonelle, psychosoziale und umweltbedingte Faktoren beeinflusst wird. Die Ernährung spielt dabei eine wichtige Rolle, sowohl für eine gesunde körperliche Entwicklung als auch für den Zeitpunkt des Pubertätsbeginns. Ein bewusster Umgang mit Ernährung, der Übergewicht vermeidet und eine ausgewogene Nährstoffzufuhr sicherstellt, ist daher essenziell.

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