12. Dezember 2025, 4:04 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten
Erdnüsse gelten aufgrund ihres hohen Gehalts an pflanzlichem Eiweiß, Mineralstoffen und Vitaminen sowie wertvollen ungesättigten Fettsäuren als gesunder Snack. Ihr Verzehr kann die Funktionsfähigkeit von Herz, Muskeln und Stoffwechsel unterstützen – und möglicherweise auch die Gehirngesundheit fördern. Eine Studie hat untersucht, welche Wirkung der regelmäßige Konsum von Erdnüssen auf die Durchblutung des Gehirns hat, mit bemerkenswertem Ergebnis.
Viele Menschen schätzen Erdnüsse als kleine Turbo-Energielieferanten. Dank ihrer Kombination aus Eiweiß, gesunden Fetten, wichtigen B-Vitaminen sowie weiteren Inhaltsstoffen wie L-Arginin, ungesättigten Fettsäuren und Polyphenolen kurbeln sie den Stoffwechsel an, verbessern die Gefäßfunktion und helfen dabei, schnell Leistung abzurufen – sowohl körperlich als auch geistig. Die Forschung beschäftigt sich schon länger mit den Eigenschaften von Erdnüssen, deren Verzehr insgesamt als förderlich betrachtet wird (, wenn man dabei auch eine relativ hohe Energiedichte beachten sollte). Eine jüngere Studie etwa kam zu dem Ergebnis, dass der regelmäßige Konsum gerösteter Erdnüsse mit Haut vor Zellalterung schützen kann.1
Stichwort Alterung: Mit fortschreitendem Lebensalter verschlechtert sich die Funktion der Blutgefäße im Gehirn, was zu Gedächtnisabbau führen kann. Nüsse im Allgemeinen sowie Erdnüsse – die streng genommen Hülsenfrüchte sind – wiederum können die Gehirndurchblutung positiv beeinflussen; das haben frühere Untersuchungen bereits gezeigt.2 Forschern des Maastricht University Medical Center ging es in einer aktuellen Studie nun darum, diese bislang vielversprechenden Erkenntnisse mithilfe moderner, besonders präziser bildgebender Verfahren zu überprüfen und zu bestätigen.3
Details zur Untersuchung
Verbessert der tägliche Verzehr von Erdnüssen die Gefäßfunktion im Gehirn? Hat dieser potenzielle Effekt Auswirkungen auf das Gedächtnis, die Aufmerksamkeit und andere kognitive Fähigkeiten? Und: Lassen sich mögliche Wirkmechanismen – etwa eine bessere Durchblutung – nachweisen? Diesen Fragen ging das niederländische Team in seiner randomisierten, kontrollierten, einseitig verblindeten Crossover-Studie auf den Grund. Es nahmen 31 allgemein gesunde Erwachsene im Durchschnittsalter von 67 Jahren daran teil.
Im Rahmen der Untersuchung durchliefen alle Frauen und Männer zwei Phasen. In der ersten Phase sollten sie über einen Zeitraum von 16 Wochen täglich 60 Gramm Erdnüsse verzehren. In der zweiten, die ebenso lang war, verzichteten sie auf Erdnüsse. Zwischen den einzelnen Untersuchungsteilen lag jeweils eine achtwöchige Pause, eine sogenannte Auswaschphase, in der sich der Körper „zurücksetzen“ sollte. Die Reihenfolge, also ob zuerst die Erdnussphase oder die erdnussfreie Kontrollphase stattfand, wurde zufällig festgelegt. Bei ihren Messungen wussten die verantwortlichen Forscher nicht, in welcher Phase sich die jeweiligen Probanden befanden.
Messwerte im Fokus
Die Forscher definierten den zerebralen Blutfluss (CBF) als Hauptzielgröße. Denn dieser lässt die zuverlässigsten Aussagen darüber zu, ob der regelmäßige Verzehr von Erdnüssen die Durchblutung des Gehirns beeinflusst. Sie ermittelten den Wert mithilfe des hochmodernen MRT-Verfahrens „Arterial Spin Labeling“, das eine besonders präzise und direkte Quantifizierung der Gehirndurchblutung ermöglicht.
Die kognitiven Leistungen der Studienteilnehmer bewerteten die Forscher mithilfe der sogenannten CANTAB-Testbatterie. Dabei handelt es sich um ein neuropsychologisches Testsystem, das vollständig am Computer durchgeführt wird. Mit diesem System werden unter anderem die Gedächtnisleistung, die Aufmerksamkeit und die Orientierungsfähigkeit der Versuchspersonen geprüft. Zudem führten die Forscher Blutdruckmessungen durch und bestimmten die Gefäßwerte im Auge der Probanden, die als Messwert für den Zustand der Mikrogefäße im Gehirn dienen. Die Durchblutung der großen Hirnarterien wurde per transkraniellem Doppler-Ultraschall erfasst.
In die Datenerhebung flossen außerdem die Angaben der Studienteilnehmer aus Ernährungstagebüchern ein sowie auf dieser Grundlage vorgenommene Nährstoffanalysen. Erfasst wurden zudem die Körpermaße, die von den Probanden selbst eingeschätzte Schlafqualität und die körperliche Leistungsfähigkeit. Um die Ergebnisse eindeutig dem Konsum von Erdnüssen zuordnen zu können, sollten die Teilnehmer während der gesamten Studie auf andere Nüsse und vergleichbare nährstoffreiche Lebensmittel verzichten. Das Einhalten solcher Vorgaben ist gemeinhin schwer zu überprüfen. Doch die Studienautoren betonen eine „sehr hohe Compliance“ der Teilnehmer. Den Ernährungstagebüchern zufolge sollen sie sich nahezu vollständig an die vorgegebenen Ernährungsrichtlinien gehalten haben.
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Bessere Gehirndurchblutung dank Konsum von Erdnüssen
Laut der Auswertung konnte der 16-wöchige Verzehr von Erdnüssen mit Schale die durchschnittliche Gehirndurchblutung um 3,6 Prozent steigern. Auch die graue Substanz im Gehirn nahm um 4,5 Prozent zu. Die Veränderungen waren besonders deutlich in den Frontal- und Temporallappen, die eine zentrale Rolle bei Gedächtnis, Sprache, Aufmerksamkeit und Entscheidungsprozessen spielen, so die Forscher.
Neben der verbesserten Gehirndurchblutung zeigten sich zudem positive Veränderungen im verbalen Gedächtnis. Im entsprechenden CANTAB-Test konnten die Teilnehmer nach der Erdnussphase im Durchschnitt 1,4 Wörter mehr erinnern, was einer Leistungssteigerung von rund 5,8 Prozent entspricht. In anderen kognitiven Bereichen (z. B. Reaktionsgeschwindigkeit) blieben signifikante Effekte hingegen aus. Im Bereich der Herz-Kreislauf-Gesundheit ergaben sich wiederum bemerkenswerte Veränderungen: Während der Erdnussphase sank der systolische Blutdruck im Durchschnitt um 5 mmHg und der Pulsdruck um 4 mmHg. Ein niedrigerer Blutdruck entlastet die Blutgefäße insgesamt und passt somit gut zu den gemessenen Verbesserungen der zerebralen Durchblutung.
In den großen Hirnarterien oder den Mikrogefäßen des Auges zeigten sich keine Veränderungen, räumen die Forscher ein. Sie schließen daraus, dass die positiven Effekte der Erdnüsse eher im Bereich der kleinsten Blutgefäße des Gehirns wirken. Sie sind demnach nicht zwangsläufig in größeren Gefäßen nachweisbar.
Bedeutung der Ergebnisse – und Einschränkungen
Wie die Studienautoren erklären, liefere ihre Arbeit klare und methodisch hochwertige Argumente dafür, dass der Konsum von Erdnüssen die Gehirndurchblutung bei älteren Erwachsenen verbessert. Ihre Ergebnisse stützen die Annahme, dass bestimmte Inhaltsstoffe von Erdnüssen – darunter L-Arginin, ungesättigte Fettsäuren und Polyphenole – die Gefäßfunktion direkt unterstützen können. Dies ist bemerkenswert – schließlich gilt eine schlechtere Hirndurchblutung im Alter als zentraler Risikofaktor für kognitiven Abbau und neurodegenerative Erkrankungen. Als positiv werten die Forscher auch die einfache Verfügbarkeit von Erdnüssen im Gegensatz zu „echten“ Nüssen, die meist teurer sind.
Es sind allerdings auch Einschränkungen zu berücksichtigen. Die Stichprobe war mit nur 31 Personen recht klein und zudem relativ einseitig, da ausschließlich ältere, gesunde Erwachsene untersucht wurden. Die Effekte auf jüngere, vorerkrankte oder bereits kognitiv beeinträchtigte Personen könnten sehr anders ausfallen. Zudem lässt sich kaum mit Gewissheit sagen, ob die beobachteten Effekte ausschließlich auf den Verzehr von Erdnüssen zurückzuführen sind. Es wurde nur eine Sorte und eine bestimmte Menge gerösteter Erdnüsse mit Haut untersucht. Ob auch andere Lebensmittel, die Erdnüsse enthalten, positive Effekte bringen, ist unklar. „Dies ist eine wichtige Frage“, erklärt Dr. Peter Joris, einer der Studienautoren, auf FITBOOK-Nachfrage. Künftige Studien sollen prüfen, ob ähnliche Vorteile auch bei anderen Zubereitungsarten von Erdnüssen auftreten – etwa bei blanchierten, gekochten, gerösteten oder zu Produkten wie Erdnussbutter verarbeiteten Erdnüssen.
In Zusammenarbeit mit der Pennsylvania State University (USA) werde ein Projekt durchgeführt, verriet Dr. Joris, das die langfristigen Auswirkungen des Verzehrs von Erdnussbutter auf die Gesundheit des Gehirns untersucht. Zudem möchten die Forschenden herausfinden, welche konkreten Bestandteile der Erdnuss für die beobachteten positiven Effekte verantwortlich sind. Zu diesem Zweck laufe bereits eine Studie, die die Auswirkungen von (pflanzlichem) Protein auf die Gehirnfunktion untersucht.
Das Forscherteam sieht die Begrenzung der Studiendauer auf 16 Wochen und die daraus resultierende fehlende Aussagekraft für Langzeitwirkungen als wenig problematisch an, da keine wesentlichen Unterschiede beim langfristigen Verzehr von Erdnüssen erwartet werden. Dennoch sollen zukünftige Untersuchungen klären, ob die beobachteten Effekte auch bei regelmäßiger, längerfristiger Aufnahme bestehen bleiben.