8. August 2025, 12:45 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Ausnahme mit Folgen? Laut britischen Forschern der University of South Wales wirkt sich bereits eine Portion Fast Food negativ auf das Gehirn aus. FITBOOK-Autorin Friederike Ostermeyer erklärt, was die Ergebnisse ihrer neuesten Studie bedeuten und ob man sich den gelegentlichen Lieblingsburger ab jetzt auch noch verkneifen muss.
Junkfood wie eine ganze Pizza oder ein Burger mit Pommes steckt voller gesättigter Fettsäuren. Dass diese auf Dauer schädlich für das Herz-Kreislauf-System sind, ist bekannt. Doch wie sieht es mit den unmittelbaren Auswirkungen einer einzigen Fast-Food-Mahlzeit auf das Gehirn aus? Britische Forscher haben sich dieser Frage angenommen und sind in ihrer Studie auf ein aufschlussreiches Ergebnis gekommen. Vor allem zeigte sich, dass die Gehirne älterer Menschen besonders empfindlich auf eine extrem fettige Mahlzeit reagieren. Die Studie wurde aktuell in der Fachzeitschrift „The Journal of Nutritional Physiology“ veröffentlicht.1
41 gesunden Männern Milchshake mit 130 Gramm Fett verabreicht
Die Forscher rekrutierten 20 junge Männer im Alter zwischen 18 und 35 Jahren sowie 21 Männer im Alter zwischen 60 und 80 Jahren. Bei den Probanden wurden im nüchternen Zustand folgende Parameter gemessen:
- Bluttests auf Triglyceride, Glukose und Insulin
- Systemische Gefäßfunktion (zeigt, wie gut die Arterien sich bei verlangsamtem Blutfluss weiten können)
- Dynamische zerebrale Autoregulation (die Fähigkeit des Gehirns, trotz Schwankungen im Blutdruck eine stabile Durchblutung zu gewährleisten)
Anschließend bekamen alle eine Testmahlzeit verabreicht. Die Forscher wählten dafür einen Sahne-Milchshake, den sie „die Gehirnbombe“ nannten. Das Getränk enthielt 1.362 Kalorien und 130 Gramm Fett und entsprach damit in etwa der Fettmenge eines durchschnittlichen Fast-Food-Imbisses.
Wie Fast Food die Gehirn-Funktion schwächt
Vier Stunden später maßen die Forscher dieselben Parameter erneut. Wie erwartet stiegen die Blutfette (Triglyceride) sowie Glukose und Insulin bei allen Probanden deutlich an. Die Blutgefäße wurden steifer und verloren ihre Fähigkeit, sich zu entspannen und auszudehnen. Damit bestätigten sich die Ergebnisse früherer Untersuchungen, denen zufolge eine extrem fettreiche Mahlzeit die mit der Herzgesundheit verbundenen Blutgefäße negativ beeinträchtigt. Die neue Erkenntnis: Gleichzeitig verringerte dieser Effekt die Fähigkeit des Gehirns, Blutdruckschwankungen auszugleichen. Bei älteren Erwachsenen war die Auswirkung um etwa zehn Prozent stärker ausgeprägt.
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Warum eine instabile Blutzufuhr für das Gehirn problematisch ist
Normalerweise verfügt der Körper über einen Mechanismus, der eine stabile Blutzufuhr zum Gehirn gewährleistet. Dies ist wichtig bei den alltäglichen Blutdruckschwankungen, die beispielsweise durch Sport oder das morgendliche Aufstehen verursacht werden. Man kann sich das wie einen „eingebauten Stoßdämpfer“ vorstellen. Eine einzige fettige Fast-Food-Mahlzeit reicht jedoch aus, um diesen Mechanismus zu schwächen. Das kann dazu führen, dass kurzzeitig zu wenig oder zu viel Blut ins Gehirn gelangt. In einem Begleitartikel im Wissenschaftsportal „The Conversation“ vermuten die Forscher, dass sich dadurch das Risiko für Erkrankungen wie Schlaganfall und Demenz erhöht. 2
Ist Fast Food als Ausnahme bereits schädlich? Das sagt der Studienleiter
Viele Gesundheitsbewusste gönnen sich Junkfood hin und wieder als Ausnahme. Sollte man sich diese auch verkneifen? FITBOOK hat bei Studienleiter Dr. Chris Marley nachgefragt. Seine Einschätzung: „Eine gelegentliche fettreiche Fast-Food-Mahlzeit richtet sehr wahrscheinlich keinen Schaden an, auch wenn sie kurzfristig das Gehirn negativ beeinflusst.“ Die Studie unterstreiche vielmehr die Bedeutung, bei der täglichen Ernährung – das gilt vor allem für ältere Personen – auf mehrfach ungesättigte Fettsäuren zu setzen. Diese sind unter anderem in fettem Fisch, Nüssen und Samen enthalten. Und wenn die Junkfood-Lust doch zu sehr lockt, rät Marley: „Überlegen Sie, welche gesündere Variante Ihres Lieblingsfastfoods sich anbietet. Reduzieren Sie möglichst den Fett- und Salzgehalt. Alternativ wählen Sie einfach eine kleinere Portion, die genauso befriedigend sein kann, den Körper aber nicht so stark belastet.“
Einschränkungen der Studie
Übrigens haben die Forscher ihren Probanden nach dem Fett-Shake keine Denksportaufgaben gegeben. Somit bleibt unklar, ob und wie Fast Food und Co. die Gehirnleistung unmittelbar beeinträchtigen. Schließlich bleibt auch unklar, wie das weibliche Gehirn auf eine fettreiche Fast-Food-Mahlzeit reagiert. Dies ist laut den Forschern eine entscheidende Wissenslücke, da Frauen im späteren Leben einem höheren Schlaganfall- und Demenzrisiko ausgesetzt sind als Männer.