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Winterappetit

Brauchen wir bei Kälte mehr Energie?

Winterappetit – brauchen mir Kalorien im Winter
Minusgrade draußen, Burger deluxe drinnen – leider wärmt der nur die Seele, nicht den Stoffwechsel Foto: Olga Rolenko
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Nina Ponath
Freie Autorin

15. Februar 2026, 17:12 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Sobald die Temperaturen fallen, steigt bei vielen der Appetit. Doch braucht unser Körper bei Minusgraden wirklich mehr Energie – oder ist der Winter-Heißhunger nur ein Mythos? FITBOOK-Autorin Nina Ponath hat einen Experten gefragt, ob Kälte tatsächlich den Kalorienverbrauch ankurbelt und wie wir uns von innen wärmen können, ohne zuzunehmen.

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Körper muss im Winter keine zusätzliche Energie aufwenden, weil wir ihn künstlich warmhalten

Verbraucht unser Körper im Winter tatsächlich mehr Kalorien – oder essen wir einfach nur anders? Die ernüchternde Antwort: Nein. In unserem modernen Alltag verbrennen wir bei Kälte kaum mehr Kalorien. „Der Kalorienverbrauch steigt hierzulande nicht merkbar an“, sagt der Ernährungswissenschaftler und Adipositas-Experte Dimitri Kogan vom Krankenhaus Winsen auf FITBOOK-Nachfrage.

Der Grund ist simpel: Wir lassen die Kälte meist gar nicht erst an uns heran. Warme Kleidung, beheizte Räume – unser Körper muss kaum zusätzliche Energie aufwenden, um seine Kerntemperatur von 37 Grad zu halten. Zwar zeigen Studien, dass extremes Frieren und das damit verbundene Zittern (sogenannte „shivering thermogenesis“) den Energieumsatz kurzfristig massiv steigern kann. Doch dieser Effekt spielt im modernen Alltag praktisch keine Rolle: Sobald wir wieder drinnen sind, tut die Heizung ihr Übriges. Unser Körper muss also keine zusätzliche Energie aufwenden, um seine Kerntemperatur von 37 Grad zu halten, weil wir ihn künstlich warmhalten.

Doch wenn der Energieverbrauch im Winter kaum steigt, bleibt die entscheidende Frage: Warum schreit unser Körper dann so nach Pizza, Schokolade und Kaiserschmarrn?

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Warum haben wir dann trotzdem im Winter so einen Bärenhunger?

Der „Winterhunger“ ist möglicherweise ein Relikt aus der Steinzeit. In Zeiten echter Kälte bedeutete Winter: höhere Belastung, weniger Nahrung, mehr Energiebedarf. Unser Körper hat gelernt, Reserven anzulegen. Dieses Programm läuft heute noch – obwohl wir längst nicht mehr frierend durch die Steppe ziehen.

Hinzu kommt ein psychologischer Faktor: Kurze Tage, wenig Sonnenlicht, gedrückte Stimmung – viele Menschen kompensieren das mit sogenanntem „Comfort Food“. Süßes und Fettiges wirken kurzfristig stimmungsaufhellend. Doch hier beginnt das Problem.

Der Winterhunger ist psychologisch und insulinbedingt

„Gerade Süßigkeiten führen zu Insulinsprüngen“, erklärt Ernährungsmediziner Dimitri Kogan. „Der Blutzucker steigt schnell an, fällt aber auch schnell wieder ab – und dann kommt der nächste Heißhunger.“ Snacks und Softdrinks liefern zwar Kalorien, sättigen aber kaum. „Das sind Kalorien, die man zu sich nimmt, die aber weder lange satt machen noch nennenswert zur Wärmeproduktion beitragen“, so Kogan.

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2 Stellschrauben gegen den Winterappetit

Wie kann man es besser machen? Statt dem ersten Heißhungerimpuls nachzugeben, rät Experte Dimitri Kogan, an zwei Punkten anzusetzen: Sättigung und sogenannte nahrungsinduzierte Thermogenese.

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1. Essen, das einheizt

Bei der Verdauung entsteht Wärme – allerdings nicht bei allen Nährstoffen gleich stark. „Bei der Verstoffwechselung von Nahrung wird Energie verbraucht und als Wärme freigesetzt“, erklärt Kogan. Besonders effektiv sei Eiweiß: Bei Protein werden laut dem Experten rund 20 bis 30 Prozent der enthaltenen Kalorien direkt für die Verarbeitung genutzt.

Heißt konkret: Wer proteinreich isst, bleibt nicht nur länger satt, sondern unterstützt auch die körpereigene Wärmeproduktion. Geeignet sind etwa

  • Fleisch
  • Fisch
  • Eier
  • Hülsenfrüchte
  • Milchprodukte mit hohem Eiweißgehalt

Scharf würzen: Chili und Cayennepfeffer enthalten Capsaicin, das die Thermogenese zusätzlich ankurbelt. Ähnliches gilt in abgeschwächter Form für Koffein: Kaffee oder grüner Tee können die Wärmeproduktion leicht stimulieren.

2. Sättigung durch Volumen und Ballaststoffe

Mindestens genauso entscheidend ist die Frage, wie stabil unser Blutzucker bleibt. „Snacks, Softdrinks und Süßigkeiten helfen gar nicht gegen das Kältegefühl“, betont Dimitri Kogan. Diese Lebensmittel sorgen für schnelle Insulinspitzen – der Blutzuckerspiegel rauscht nach kurzer Zeit wieder in den Keller und der Hunger kehrt zurück.

Stattdessen sollten wir lieber auf ballaststoffreiche Kost setzen. Ein großer, warmer Teller mit Gemüse und Proteinen beschäftigt das Verdauungssystem lange. „Nach einer vernünftigen, vollwertigen Mahlzeit entleert sich der Magen nur langsam.“, so der Experte. Süßigkeiten sollten, wenn überhaupt, nur an letzter Stelle nach einer Mahlzeit stehen, um den Insulinpeak flach zu halten.

Fazit: Bei Kälte satt essen statt snacken!

Wir müssen im Winter also nicht mehr essen, sondern schlichtweg das Richtige. Anstatt dem ersten Impuls nach Schokolade nachzugeben, sollte man auf eine clevere Kombination aus Proteinen und Ballaststoffen setzen. Das sättigt nicht nur langfristig, sondern nutzt die nahrungsinduzierte Thermogenese, um uns auf ganz natürliche Weise von innen zu wärmen.

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