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Infektion kann tödlich sein

Wo fleischfressende Bakterien lauern und wie man sich vor ihnen schützen kann

Vibrionen
Gerade in flachen, sich schnell erwärmenden Küstenbereichen steigt das Risiko für ein vermehrtes Auftreten der fleischfressenden Bakterien bei Wassertemperaturen ab 20 Grad Celsius Foto: Getty Images/Stocktrek Images
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7. August 2025, 11:28 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten

Vibrionen sind fleischfressende Bakterien, die beim Baden in Nord- und Ostsee schwere Infektionen auslösen können. Bei Personen mit chronischen Erkrankungen kann diese sogar tödlich verlaufen. Wie man sich davor schützen kann – und was typische Symptome sind.

Was sind Vibrionen und wo lauern sie?

Vibrionen sind Bakterien der Gattung Vibrio, die mäßig bis stark salzbedürftig sind. Sie kommen laut Robert-Koch-Institut (RKI) „weltweit sowohl in Süß- als auch Salzwasser vor, beispielsweise in Flussmündungen/Buchten, Bodden/Lagunen, Brackwasser und auch in Binnenseen“. Besonders in stehenden, flachen und sich daher rasch erwärmenden Bereichen sei die Infektionsgefahr höher.

Auch aus Schweden, Finnland, Dänemark, Norwegen, den Niederlanden sowie von den Kanal-Inseln und der polnischen Küste seien Infektionen bekannt. Berichte über Vibrionen gäbe es zudem auch aus den USA, Israel, Spanien, Griechenland, Tunesien und der Türkei.

Vermehren können sich Vibrionen optimal bei einem Salzgehalt von 0,5 bis 2,5 Prozent sowie einer Temperatur ab 20 Grad Celsius. Die Ostsee mit ihrem niedrigen Salzgehalt (rund 0,8 Prozent) ist deshalb besonders günstig für deren Verbreitung. In Bereichen, in denen Strömungen oder die Gezeiten das Wasser stärker durchmischen, sind Vibrionen weniger wahrscheinlich.

Der bekannteste Vertreter der Vibrionen ist Vibrio cholerae, der durch ein bestimmtes Toxin Cholera verursacht. Nicht-Cholera-Vibrionen sind nicht in der Lage, das Cholera-Toxin zu bilden. Eine Infektion mit NCV kann Krankheitsbilder wie Wund- und Ohrinfektionen hervorrufen.1 Vor allem V. vulnificus kann zu schwerwiegender Gewebezerstörung führen, daher spricht man auch von „fleischfressenden Bakterien“.

Interaktive Karte zeigt, wo aktuell günstige Bedingungen für Vibrionen herrschen

Wie gut die Bedingungen in den jeweiligen europäischen Küstengewässern für die Vermehren von Vibrionen sind, kann man dieser interaktiven Karte des Europäischen Zentrums für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) entnehmen.

Wie ist die Lage aktuell in Deutschland?

Einige Arten, etwa Vibrio vulnificus, können beim Menschen schwere Infektionen verursachen. In den USA wurden in diesem Jahr bereits mehrere Dutzend Fälle von Vibrio vulnificus und neun Todesfälle gemeldet (Florida, Louisiana, North Carolina, Alabama und Mississippi).2 In Deutschland wurde Ende Juli vom Landesamt für Gesundheit und Soziales (LAGuS) die erste Vibrionen-Infektion der Badesaison 2025. In Mecklenburg verstarb ein 68-Jähriger, nachdem er sich mit Vibrionen infiziert hatte. Der Mann soll an verschiedenen chronischen Erkrankungen gelitten haben.

Dass Vibrionen und speziell Vibrio vulnificus in der Ostsee vorkommen, ist seit 1994 bekannt. Laut „NDR“ werden zwischen Boltenhagen über Rügen bis zur Insel Usedom alle zwei Wochen Wasserproben entnommen. Aktuell seien bei allen Proben Vibrionen nachgewiesen worden. Gleiches gelte auch für die gesamte polnische und schleswig-holsteinische Ostseeküste. Laut LAGuS wurden in Deutschland seit 2003 insgesamt 95 Infektionen gemeldet, 14 Personen sind daran gestorben. 13 von ihnen sollen „relevante Vorerkrankungen“ gehabt haben.3

Auch interessant: Wie gefährlich sind E.-coli-Bakterien und wo steckt man sich an?

Symptome einer Infektion mit fleischfressenden Bakterien

Gelangt der Erreger z. B. über eine Hautverletzung in den Körper, kommt es in den meisten Fällen zu einer Haut- bzw. Wundinfektion. Betroffene Hautstellen können gerötet und geschwollen sein oder Blasen bilden. Weitere, eher seltenere Beschwerden sind Fieber, Schüttelfrost, Durchfall, Übelkeit und Erbrechen. In schlimmeren Fällen breiten sich die Vibrionen von der infizierten Wunde schnell auf andere Körperregionen aus, lassen Gewebe absterben und können zu einer Blutvergiftung (Sepsis) führen.4 Je nach Erreger können die ersten Symptome einer Vibriose bereits nach vier Stunden oder erst nach bis zu vier Tagen auftreten. Bei V. vulnificus wird die Inkubationszeit mit 12 bis 72 Stunden angegeben.

Typische Symptome Wundinfektion

Vor allem V. vulnificus kann zu schwerwiegender Gewebezerstörung führen. Als frühes Symptom nennt das RKI einen lokalen Schmerz, welcher angesichts der sichtbaren Wunde überproportional stark erscheint. Weiterhin können Fieber, Schüttelfrost, Herzrasen und ein Krankheitsgefühl wie bei einem schweren grippalen Infekt auftreten.

Typische Symptome bei Magen-Darm-Infektion

  • krampfartige abdominale Schmerzen
  • Erbrechen
  • Übelkeit
  • wässriger Durchfall

In den meisten Fällen verläuft die Erkrankung mild. In seltenen Fällen kann jedoch ein schwerer Verlauf eintreten, bei dem sich ein septisches Krankheitsbild entwickelt. Wird dieses nicht frühzeitig erkannt und mit Antibiotika behandelt, kann dies zu einem Multiorganversagen und/oder einem septischen Schock führen – mit potenziell tödlichem Ausgang.

Bei Symptomen nach Kontakt mit Meerwasser oder Meeresfrüchten sollte man ärztliche Hilfe suchen.

Wer ist besonders gefährdet für schwere Verläufe?

Vor allem sind Menschen mit offenen Wunden oder geschwächtem Immunsystem gefährdet. Zu den Risikogruppen für einen schweren Krankheitsverlauf zählen Ältere sowie Personen mit chronischen Erkrankungen, etwa Diabetes mellitus, Lebererkrankungen (z.B. Leberzirrhose, chronischer Hepatitis), Krebserkrankungen sowie schweren Herzerkrankungen. Junge, gesunde Erwachsene erkranken in der Regel nicht schwer. Bei Kindern werden häufig Ohrinfektionen festgestellt.

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Wie kann man sich vor einer Infektion schützen?

Eine Infektion ist beispielsweise dann möglich, wenn eine nicht (vollständig) verheilte Wunde in Kontakt mit erregerverschmutztem Meerwasser kommt. Dadurch können sich eitrige Entzündungen bilden, die chirurgisch behandelt werden müssen. Wenn man eine solche nicht verheilte Wunde hat, sollte man nicht nahe besonders flachen, sich schnell erwärmenden Küstenbereichen baden. Auch das Baden in Flussmündungen sollte man meiden. Meeresfrüchte sollte man generell nur gut durchgegart verzehren.

Studien

Mehrere wissenschaftliche Studien haben sich in der Vergangenheit mit der Häufigkeit, Verteilung und Belastung von Vibrionen beschäftigt. Wir haben uns zwei davon genauer angesehen.

Vibrionen in Meeresfrüchte-Proben aus deutschen Supermärkten

2023 untersuchten Forschende der FU Berlin 306 Meeresfrüchte-Proben aus Supermärkten und Fischmärkten in Berlin, darunter Garnelen, Muscheln, Austern. Ergebnis: In 56 Prozent der Proben waren Vibrionen nachweisbar. Am häufigsten war die Vibrionen-Art Vibrio parahaemolyticus, V. vulnificus wurde in 4 Prozent der Proben gefunden. Proben aus Supermärkten wiesen eine geringere Prävalenz auf als Proben aus Fischmärkten.5

US-Studie zur Ursache der Ausbreitung von Vibrio vulnificus in Gewässern

Weil auch im Osten der USA vermehrt Infektionen mit den fleischfressenden Bakterien vorkommen, hat sich 2023 ein US-Forschungsteam mit der Ursache für die Ausbreitung von Vibrionen beschäftigt. Mithilfe ozeanografischer und klimatischer Daten und unter Anwendung gängiger Vorhersagemodelle kamen die Wissenschaftler – zumindest für die USA – zu einem beunruhigenden Ergebnis: Als Ursache wird die Erderwärmung, bedingt durch den Klimawandel, aufgeführt. Sie sorge dafür, dass nun auch Gewässer in eigentlich kälteren Gebieten die für die Bakterien optimalen Temperaturbedingungen bieten.6

Steigt das Risiko im Zuge des Klimawandels?

Was die Prognose bezüglich der Infektionsfallzahlen angeht, schauten die Forscher zunächst zurück und stellten fest, dass die Wundinfektionen mit Vibrio vulnificus von 1988 bis 2018 um das Achtfache zugenommen haben. Das räumliche Vorkommen dieser Infektionen hat sich dabei um 48 Kilometer pro Jahr nach Norden verschoben. Mit anderen Worten: Die Bakterien wandern immer weiter von Süden nach Norden.

Und auf diese Weise könnte die Entwicklung laut der Studie weiter voranschreiten: In einem Zeitrahmen von 2041 bis 2060 könnten Vibrio- vulnificus-Infektionen ihr derzeitiges Verbreitungsgebiet auf die großen Bevölkerungszentren um New York ausgeweitet haben. Da gleichzeitig die Bevölkerung weiter wächst und älter wird (ältere Menschen haben erhöhtes Risiko für eine Infektion), könnte sich die jährliche Fallzahl verdoppeln. Um die nächste Jahrhundertwende herum (zwischen 2080 und 2100) könnten die Infektionen mit dem Erreger in jedem östlichen Bundesstaat der USA auftreten. Voraussetzung dafür ist, dass die zukünftigen Emissionen und die Erwärmung mittel bis hoch sind.

Quellen

  1. Robert-Koch-Institut. Antworten auf häufig gestellte Fragen zu Nicht-Cholera-Vibrionen (2015, aufgerufen am 06.08.2025) ↩︎
  2. New York Post. How to protect yourself against flesh-eating bacteria — as deadly infection sweeps 5 states (2025, aufgerufen am 06.08.2025) ↩︎
  3. Landesamt für Gesundheit und Soziales (LAGuS). Vibrionen – Krankheitserreger in der Ostsee. (2019, aufgerufen am 06.08.2025) ↩︎
  4. Nagel, G. Vibrionen: Fleischfressende Bakterien in der Ostsee. Onmeda. (2025, aufgeerufen am 06.08.2025) ↩︎
  5. Zeidler C., Szott V., Alter T. et al. (2024). Prevalence of Vibrio spp. in Seafood from German Supermarkets and Fish Markets. Food Microbiology ↩︎
  6. 5. Archer E. J., Baker-Austin C., Osborn T. J. et al. (2023). Climate warming and increasing Vibrio vulnificus infections in North America. Nature. ↩︎

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