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Forscher haben eine Vermutung

Warum sind wir eigentlich kitzlig?

Kinder kitzeln Frau
Wer gekitzelt wird, muss sich unweigerlich krümmen, schreien oder lachen. Aber warum eigentlich?Foto: Getty Images

Fast jeder ist kitzelig – wenn auch nicht an den gleichen Körperstellen und unterschiedlich stark. Manche krümmen sich automatisch zusammen und lacht, andere schreien auf. Warum wir kitzlig sind, wissen Forscher bislang noch immer nicht genau. Sie haben jedoch eine Vermutung.

Wer gekitzelt wird, ist ausgeliefert. Da kann man nur noch lachen – und zwar unkontrolliert und u. U. richtig laut. Warum, das können Wissenschaftler noch immer nicht sicher beantworten. Fakt ist: Dieses seltsame Verhalten beschäftigt die Forschung schon seit langem. Dabei wird zwischen zwei Arten von Kitzeln unterschieden. Womöglich liegt darin auch der Schlüssel, warum wir kitzlig sind.

Die zweiten Arten des Kitzelns

Bereits Ende des 19. Jahrhunderts haben Psychologen zwei Seiten des Kitzelns ausgemacht. Es gibt das Kitzeln, bei dem das Kitzelopfer zwar einerseits versucht, sie aus der (teils schmerzhaften) Attacke auf empfindliche Körperpartien herauszuwinden, andererseits durchaus positive Gefühle hat und lachen muss. Diese Art des Kitzelns nennen die Psychologen „Gargalesis“.

Die zweite Form des Kitzelns kommt zwar weitaus sanfter daher, löst aber durchaus und konsequent unangenehme Gefühle aus. Die Fachbezeichnung dafür heißt „Knismesis“. Es gibt unzählige Situationen, in denen einem nicht zum Lachen ist. Zum Beispiel, wenn ein Insekt das Bein entlang krabbelt. Oder wenn man aus dem Schlaf wach gekitzelt wird.

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Warum lacht man bei Gargalesis, bei Knismesis nicht?

Warum man kitzlig ist, hängt also von der Art des Kitzelns ab. Was die unangenehme Kitzelvariante betrifft, sind sich Forscher einig: Knismesis wird fast schon als Schmerz empfunden wird. Aber nur fast. Man fühlt einen lästigen Reiz, der jedoch nicht als gefährlich wahrgenommen wird. Das Gehirn vermittelt: Dieses Kitzeln nervt – aufhören!

Warum wir aber lachen, wenn Gargalesis zum Zug kommt, ist noch nicht ganz klar. Was jedoch bekannt ist: Schon Babys lachen, wenn sie liebevoll gekitzelt werden. Verhaltensforscher vermuten daher, dass das Kitzel-Lachen ein tief verankerter Wesenszug in uns ist, sozusagen ein Ur-Verhaltensmuster. Womöglich wird so, ohne viele Worte, die emotionale Bindung zum Gegenüber gestärkt. Das könnte in zu Urzeiten ein Überlebensvorteil gewesen sein und auch heutzutage die Bindung zwischen Baby und Eltern vertiefen.

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Die Gemeinsamkeit von Kitzeln und Witzen

In der Evolutionsbiologie sieht man zudem einen Zusammenhang zwischen dem Lachen durch Kitzeln und dem Lachen über einen guten Witz. Für das Kitzel-Lachen braucht man keine Worte, für das Witz-Lachen jedoch schon. Was beide Formen aber gemeinsam haben: den Überraschungseffekt oder den Moment der Überwältigung – durch das die plötzliche Kitzel-Attacke oder eine überraschende Pointe des Witzes. Als Reaktion wird gelacht. Viele Forscher in der Evolutionsbiologie halten daher das Kitzel-Lachen für eine wortlose Urform, aus dem sich später das Witze-Lachen entwickelt hat.

Warum ist man nicht kitzlig, wenn man sich selbst kitzelt?

Diese Frage beschäftigte schon Denker in der Antike wie Aristoteles. Auch der englische Philosoph Francis Bacon oder der Evolutionsforscher Charles Darwin rätselten über das Phänomen. Um zu klären, warum sich selbst zu kitzeln nicht möglich ist, baute der Psychologe Larry Weiskrantz in den 1970er Jahren die legendäre Kitzel-Maschine. Seine Probanden wurden mit Geräten verkabelt, die deren Hirnstromaktivität aufzeichneten. Anschließend wurden die Teilnehmer auf der Maschine festgeschnallt. Es folgte ein mechanisches Kitzeln an den nackten Füßen. Das löste lautstarke und fast verzweifelte Lachsalven aus.

Dabei wurde die Maschine entweder vom Studienleiter in Gang gesetzt oder von den Probanden selbst. Die waren einhellig der Meinung, dass sie kitzeliger waren, wenn sie die Kitzel-Maschine nicht selbst auslösten. Weiskrantz zog daraus den Schluss, dass man das Lachen unterdrücken kann, wenn man sich selbst kitzelt. Auch vermuten einige Forscher, dass das Kleinhirn in diesem Fall die Kontrolle übernimmt und den Körper über die drohende Attacke vorwarnt. Der Überraschungseffekt ist dann dahin.

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