Bild.de Hier geht es zurück zu Bild.de
Gesundheitspartner
von FITBOOK

Lernen von einem Zen-Mönch

Die Atemübung, die in einer Minute glücklicher macht

Sich Zeit zu nehmen für die eigenen Gedanken – laut Zen-Mönch Haenim Sunim ein wichtiger Schlüssel, um das Gefühl von Glück zu empfinden
Sich Zeit zu nehmen für die eigenen Gedanken – laut Zen-Mönch Haenim Sunim ein wichtiger Schlüssel, um das Gefühl von Glück zu empfindenFoto: Getty Images

Das Glück, sagt Zen-Mönch Haemin Sunim, kommt zu uns, wenn wir es loslassen und langsamer werden. Wer ungeduldig ist, sollte es mit der Abkürzung versuchen – einer speziellen Atemübung. FITBOOK hat sie ausprobiert.

Was wohl jeder kennt, wenn ein negatives Gefühl aufkommt: Man versucht reflexhaft, es unter Kontrolle zu bringen, um nicht von ihm überwältigt zu werden. Was kann man dagegen tun? „Der Schlüssel besteht darin, zu erkennen, dass negative Emotionen nicht dauerhaft sind“, sagt Haenim Sunim. Der 46-jährige Harvard-Absolvent, Zen-Mönch und Autor ist einer der erfolgreichsten Lehrer des Zen-Buddhismus in Südkorea. FITBOOK hatte Gelegenheit, ihm ein paar Weisheiten zu entlocken – und eine Atemübung zu lernen.

Was also tun, wenn man spürt, dass ein negatives Gefühl in einem hochsteigt? Man solle beobachten, bis sich die Energie in etwas anderes verwandelt habe, rät Sunim. Außerdem sei es hilfreich, die Benennung vom Gefühl „abzuschälen“, wie er es nennt: Also sich nicht an Begriffen wie Wut, Hass und Eifersucht festzuhalten.

Glücklich werden – wie geht das?

Sunim, der in Daejeon, Südkorea geboren wurde und in Harvard und Princeton Religionswissenschaft bzw. Psychologie studiert hat, besteht darauf, dass die Zeit, glücklich zu sein, nicht irgendwann in der Zukunft liegt, sondern im Hier und Jetzt: „Was uns glücklich macht, ist die Aufmerksamkeit, mit der wir etwas tun.“

Die Tatsache, dass uns als gestressten Menschen der Aktivitäts-Modus besonders vertraut sei, halte uns jedoch davon ab: Wir sind meistens nicht im richtigen Modus, um glücklich zu sein – sondern es gewohnt, ein Projekt nach dem anderen anzupacken. Wir wollen Probleme lösen. „In diesem Modus sind wir mit den Gedanken immer in der Zukunft“, erklärt Sunim.

Als Beispiel nennt er einen Gedanken, der vielen vertraut sein dürfte: Wenn ich dies oder jenes erledigt habe, bin ich glücklich. Wenn ich mir etwas gekauft habe, bin ich glücklich. Der Tag, an dem ich heirate, wird der glücklichste meines Lebens … Doch so laufe es eben nicht. Glücklich sein in der Zukunft geht nicht. „Es funktioniert nur im Hier und Jetzt.“

Auch interessant: Das passiert im Gehirn, wenn es still wird

Vom Aktivitäts- in den Seins-Modus wechseln

Als besonders wichtige Voraussetzung zum Glücklichsein nennt der Zen-Mönch er die Fähigkeit, sich Zeit zu nehmen. „Seien sie selektiv, genießen Sie die eigenen Gedanken!“ Es geht also darum, die Aufmerksamkeit nach innen zu richten. Vom Aktivitäts- in den Seins-Modus wechseln, nennt der Meister diesen Schritt. Dort angekommen, geschehen laut Sunim drei Dinge: „Unser Denken verlangsamt sich, wir erleben Wahrnehmung und wir fühlen uns mit anderen verbunden und entspannen.“

Eine simple Übung, mit der man das Erreichen des Seins-Modus – zumindest kurzfristig – ein wenig beschleunigen kann, hat der 46-jährige Autor erfolgreicher Bücher (z.B. Die schönen Dinge siehst du nur, wenn du langsam gehst) auch auf Lager.

Atemübung, die in einer Minute glücklicher macht – Anleitung

  • Setzen Sie sich bequem hin und schließen Sie die Augen
  • Lassen Sie die Schultern ein paar Mal schnell in beide Richtungen kreisen
  • Strecken Sie jetzt die Arme nach oben und lassen sie sie fallen. Wiederholen Sie das ein paar Mal.
  • Atmen Sie anschließend mit geschlossenen Augen sechs- bis siebenmal ganz tief ein und aus
  • Legen Sie die rechte Hand in Herzhöhe auf die linke Brust und sprechen Sie die folgenden Sätze vor sich hin. Wichtig sei laut Sunim, sie auch wirklich auszusprechen. Vielleicht schaffen Sie es ja mit einem Lächeln? (Sie können das natürlich auch auf Deutsch tun):

„May I be healthy.“ (Möge ich gesund sein.)
„May I be happy.“ (Möge ich glücklich sein.)
„May I be peaceful.“ (Möge ich friedvoll sein.)
„May I be protected.“ (Möge ich beschützt sein.)
„May I be loved.“ (Möge ich geliebt sein.)

  • Danach öffnen Sie Ihre Augen und fokussieren sich auf Ihre Wahrnehmung

Wie fühlen Sie sich? Was nehmen Sie wahr? Laut Sunim haben Sie die Übung richtig ausgeführ, wenn sie in diesem Moment danach an nichts denken und gleichzeitig mit allen Sinnen wahrnehmen, was um Sie herum geschieht. „Das“, sagt der Zen-Mönch, „ist der Seins-Modus“.

Kann das wirklich funktionieren? FITBOOK-Redakteurin Anna Kessler wollte es wissen und hat die Atemübung ausprobiert.

Zugegeben, ich musste zunächst über den Punkt hinweg kommen, diese einfachen Buddhistischen Weisheiten nicht als alberne Kalendersprüche abzutun. Aber dann hat es erstaunlich gut funktioniert. Nach Sunims Übung war ich tatsächlich erst einmal nicht in der Lage, einen klaren Gedanken zu fassen. Gleichzeitig wirkt alles weit und hell und greifbar. Meine Sinne waren voll auf Empfang. Im Bauch breitet sich ein wach-wohliges Gefühl aus, das man vielleicht am besten als starke Aufmerksamkeit beschreiben kann. Leider hielt der „Seins-Modus“ nur ein paar Sekunden an.

Weitere Schlüssel für Glücksempfinden

Sunim zufolge funktioniert das mit dem Seins-Modus auch, wenn wir lieben oder genießen: „Was wir wahrnehmen, wenn wir beispielsweise unser Kind beim Schlafen betrachten. Wenn wir einen schönen Menschen sehen. Oder ein Essen bewusst langsam genießen.“ Es sei nie die Aktivität, die glücklich mache, sondern „die Aufmerksamkeit, die uns erlaubt, dabei Freude zu empfinden“.

Auch interessant: Psychologin erklärt, warum uns schon kleine Veränderungen glücklicher machen können

Wie führe ich eine gute Beziehung?

Sunim vergleicht es mit dem Sitzen an einem Feuer: „Tut man es zu lange und zu nah, herrscht Verbrennungsgefahr.“ Entsprechend liege der Schlüssel darin – was wir alle schon x-mal gehört haben –, die richtige Balance zu finden. Sunim gibt dazu noch folgenden Gedankenanstoß: „Derjenige, der dir heute das Leben schwer gemacht hat, könnte ein gut getarnter Lehrer sein, der vom Himmel mit der Aufgabe geschickt wurde, für dein spirituelles Wachstum zu sorgen!“

Wie verbanne ich Stress?

Wer sich chronisch gestresst fühlt, dem empfiehlt Sunim, alles, was ihn stresst, auch Kleinigkeiten, auf ein Blatt Papier zu schreiben. „Die Stressauslöser sind jetzt auf ein Blatt Papier gebannt, fern von deinem Geist. Entspann dich heute Abend und sag dir, dass du die Liste morgen Punkt für Punkt durchgehen wirst.“ Am nächsten Tag, garantiert Sunim, werden Geist und Körper bereit sein.