17. Juni 2026, 16:48 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Für viele junge Erwachsene gehören soziale Medien längst selbstverständlich zum Alltag. Doch welche Folgen hat es, wenn das Scrollen, Posten und Liken überhandnimmt? Eine aktuelle Studie mit fast 1000 jungen Erwachsenen aus Spanien ist dieser Frage nachgegangen und hat dabei Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen intensiver Social-Media-Nutzung und der Leistung auf das Gedächtnis im Alltag gefunden. Die Ergebnisse werfen Licht darauf, wie digitale Gewohnheiten mit alltäglichen Erinnerungsprozessen zusammenhängen könnten.
So wurde die Studie durchgeführt
Die Studie untersuchte, ob problematische Social-Media-Nutzung (PSMU) mit subjektiv wahrgenommenen Gedächtnisproblemen zusammenhängt. Als problematisch galt dabei ein übermäßiges, schwer kontrollierbares Nutzungsverhalten, das mit Merkmalen wie Kontrollverlust, Rückfällen oder Konflikten im Alltag einhergeht.1
Im Fokus standen allgemeine Gedächtnisfehler sowie prospektive Gedächtnislücken (das Vergessen geplanter Handlungen) und retrospektive Gedächtnislücken (Schwierigkeiten, sich an bereits gelernte Informationen oder vergangene Ereignisse zu erinnern). Ziel war es zu prüfen, ob höhere Werte problematischer Social-Media-Nutzung mit mehr Gedächtnisproblemen verbunden sind und welche Rolle allgemeine Gedächtnisfehler dabei spielen.
Für die Querschnittsstudie wurden 943 spanische Erwachsene im Alter von 18 bis 35 Jahren online befragt. Mithilfe etablierter Fragebögen erfassten die Forschenden problematische Social-Media-Nutzung sowie verschiedene Formen subjektiver Gedächtnisprobleme. Personen mit psychischen, neurologischen oder körperlichen Erkrankungen, die Aufmerksamkeit und Gedächtnis beeinflussen könnten, wurden ausgeschlossen. Die statistischen Analysen umfassten unter anderem Korrelations-, Gruppen- und Mediationsanalysen.
Problematische Nutzung sorgt offenbar für Gedächtnisschwierigkeiten
Die Ergebnisse zeigten einen klaren Zusammenhang zwischen problematischer Social-Media-Nutzung und Gedächtnisproblemen im Alltag. Je stärker die Teilnehmer zu einem problematischen Nutzungsverhalten neigten, desto häufiger berichteten sie von Erinnerungsschwierigkeiten – etwa davon, Termine oder geplante Aufgaben zu vergessen oder sich schlechter an bereits bekannte Informationen zu erinnern.
Auch die Nutzungsdauer spielte eine Rolle. Teilnehmer, die täglich mehr als fünf Stunden in sozialen Netzwerken verbrachten, berichteten deutlich häufiger von Gedächtnisproblemen als Personen mit einer Nutzungszeit von weniger als einer Stunde pro Tag.
Besonders aufschlussreich war, dass sich ein großer Teil des Zusammenhangs durch allgemeine Gedächtnisfehler im Alltag erklären ließ. Diese machten rund drei Viertel der Verbindung zwischen problematischer Social-Media-Nutzung und spezifischen Gedächtnislücken aus.
Zudem identifizierten die Forscher eine kleine Gruppe von Teilnehmern mit besonders hohen Werten für problematische Social-Media-Nutzung. Diese Personen berichteten deutlich häufiger über Gedächtnisprobleme als der Rest der Stichprobe. Insgesamt deuten die Ergebnisse darauf hin, dass eine problematische Nutzung sozialer Medien eng mit subjektiv wahrgenommenen Gedächtnisschwierigkeiten verbunden ist.
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Was das konkret bedeutet
Die Studie deutet darauf hin, dass problematische Social-Media-Nutzung nicht nur mit psychischen Belastungen, sondern auch mit Gedächtnisproblemen im Alltag zusammenhängen könnte. Betroffene berichten unter anderem häufiger davon, Gesprächen schlechter zu folgen, Informationen zu vergessen oder geplante Aufgaben aus den Augen zu verlieren – Schwierigkeiten, die sich auf Studium, Beruf und soziale Beziehungen auswirken können.
Besonders interessant ist, dass allgemeine Gedächtnisfehler einen Großteil des Zusammenhangs zwischen problematischer Social-Media-Nutzung und spezifischen Erinnerungslücken erklärten. Die Autoren vermuten, dass ständige Ablenkungen, häufige Unterbrechungen und der permanente Wechsel der Aufmerksamkeit dabei eine Rolle spielen könnten.
Zugleich legen die Ergebnisse nahe, dass subjektiv wahrgenommene Gedächtnisprobleme ein möglicher Hinweis auf eine problematische Social-Media-Nutzung sein könnten. Die Studie liefert damit neue Einblicke in mögliche kognitive Folgen intensiver Social-Media-Gewohnheiten.
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Einordnung der Studie und mögliche Einschränkungen
Zu den Stärken der Studie zählen die große Stichprobe mit fast 1000 Teilnehmern, der Einsatz etablierter Fragebögen und der Fokus auf problematische Social-Media-Nutzung statt auf digitale Mediennutzung im Allgemeinen.
Allerdings hat die Untersuchung auch einige Einschränkungen. Die Ergebnisse beruhen ausschließlich auf Selbstangaben und erfassen somit die subjektive Wahrnehmung von Gedächtnisproblemen, nicht die tatsächliche Gedächtnisleistung. Zudem erlaubt das Querschnittsdesign keine Aussagen über Ursache und Wirkung.
Hinzu kommt, dass mögliche Einflussgrößen wie Stress, Schlafprobleme oder psychische Belastungen nicht berücksichtigt wurden. Da die Stichprobe außerdem überwiegend aus überdurchschnittlich hoch gebildeten jungen Erwachsenen bestand (76,6 Prozent Universitätsabschluss), lassen sich die Ergebnisse nur eingeschränkt auf die Gesamtbevölkerung übertragen. Trotz dieser Einschränkungen liefert die Studie wichtige Einblicke in das Thema.