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Studie zeigt

Dieses Training hilft gegen Panikattacken

frau hält herz
Eine Studie zeigt, welches Training besonders gegen Panikattacken helfen kann Foto: Getty Images/Olena Malik
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Isa Kabakci
Redakteur

2. Juni 2026, 20:38 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Panikattacken können durch viele verschiedene Faktoren ausgelöst werden. Häufig lässt sich die genaue Ursache jedoch nicht eindeutig bestimmen. Für Betroffene ist es in solchen Momenten oft schwer, sich aus der belastenden Situation zu lösen. Forscher haben nun herausgefunden, was dabei helfen kann, eine Panikattacke zu bewältigen. Die Methode dürfte viele überraschen.

So wurde die Studie durchgeführt

An der brasilianischen Studie nahmen 102 untrainierte Erwachsene teil, bei denen eine Panikstörung diagnostiziert worden war. 72 schlossen die Studie mit dem vollen Interventionsprogramm ab.1 Voraussetzung für die Teilnahme war, dass sie seit mindestens zwölf Wochen keine Medikamente gegen ihre Erkrankung eingenommen hatten. Vor Beginn der Untersuchungen wurden alle Teilnehmenden kardiologisch untersucht, um mögliche Gesundheitsrisiken auszuschließen.

Die Probanden wurden per Zufallsprinzip in zwei Gruppen eingeteilt: 37 Personen nahmen an einem Intervalltrainingsprogramm teil, die übrigen 35 an einem Entspannungstraining. Diese führte die progressive Muskelentspannung nach Jacobson durch. Dabei absolvierten sie drei 45-minütige Sitzungen pro Woche. Alle Teilnehmer erhielten zusätzlich eine identische Placebo-Pille. Dadurch sollte die klinische Realität simuliert werden, in der Patienten häufig eine Kombination aus Medikamenten und Therapie erhalten.

Ziel der Sportgruppe mit dem Intervalltraining war es, durch kurze, intensive Belastungsspitzen gezielt körperliche Symptome hervorzurufen, die einer Panikattacke ähneln – etwa Herzrasen oder Atemnot. Auf diese Weise sollte eine Gewöhnung an die Symptome erreicht werden, ein Ansatz, der als interozeptive Exposition bezeichnet wird.

Nach einem fünfminütigen Aufwärm- und Dehnprogramm sowie einer 15-minütigen Gehphase begann das eigentliche Training. Anschließend liefen die Teilnehmenden weitere 30 Minuten, wobei sie immer wieder kurze, 30 Sekunden lange Sprints einlegten. Die Anzahl dieser Sprints hat man alle zwei Wochen gesteigert, von einem Sprint zu Beginn auf sechs Sprints am Ende des Trainingszeitraums. Zwischen den Sprints lagen jeweils 4,5 Minuten Gehen. Den Abschluss bildete eine weitere 15-minütige Gehphase in moderatem Tempo ohne Sprints. Wichtig zu erwähnen ist, dass das Training unter Aufsicht erfolgte und die Forscher die Intensität per Herzfrequenzmesser kontrollierten.

Das sind die Ergebnisse der beiden Gruppen

Tatsächlich stellten die Forschenden fest, dass das gezielte Auslösen panikähnlicher Symptome durch die Sprints – etwa Herzrasen, Kurzatmigkeit oder Schwitzen – wirksamer war als das Entspannungstraining.

Gemessen hat man die Schwere der Erkrankung mithilfe der „Panic and Agoraphobia Scale“ (PAS), die Werte zwischen 0 und 52 Punkten umfasst. Ein Wert von 0 steht für das vollständige Fehlen von Symptomen, höhere Werte weisen auf stärkere Beschwerden hin.

Das Ergebnis fiel eindeutig aus: Nach zwölf Wochen war die Sportgruppe deutlich weniger belastet als die Entspannungsgruppe. Der durchschnittliche PAS-Wert sank in der Sportgruppe auf 14,9 Punkte, während die Probanden des Entspannungstrainings im Schnitt noch bei 23,1 Punkten lagen.

Besonders bemerkenswert war, wie nachhaltig die Effekte des Trainings waren. Bei der Sportgruppe blieb die Verbesserung auch Monate nach dem Ende des Programms bestehen. Der durchschnittliche PAS-Wert sank sogar leicht weiter auf 14,2 Punkte. In der Entspannungsgruppe zeigte sich dagegen ein Rückschritt: Nach dem Ende des Trainings stieg der durchschnittliche Wert wieder auf 24,7 Punkte an. Dies deutet darauf hin, dass das Intervalltraining langfristigere Effekte auf den Umgang mit den Angstsymptomen hatte als das reine Entspannungstraining.

Auch bei der Zahl der Panikattacken schnitt die Sportgruppe besser ab. Nach 24 Wochen erlebten die Teilnehmer im Durchschnitt nur noch 0,7 Panikattacken im jeweiligen Messzeitraum. In der Entspannungsgruppe lag der Wert mit 1,5 Panikattacken mehr als doppelt so hoch.

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Was das konkret bedeutet

Die Ergebnisse legen nahe, dass Menschen mit Panikstörungen davon profitieren können, sich den körperlichen Symptomen ihrer Angst gezielt auszusetzen, statt sie zu vermeiden. Viele Betroffene deuten Herzrasen, Atemnot oder Schwindel als Warnzeichen einer drohenden Panikattacke und meiden deshalb Situationen, in denen solche Empfindungen auftreten könnten.

Genau hier setzt das Intervalltraining an: Die Teilnehmer erlebten diese Körpersignale wiederholt unter kontrollierten Bedingungen beim Sport. So konnten sie lernen, dass ein schneller Herzschlag oder Kurzatmigkeit nicht automatisch gefährlich sind und nicht zwangsläufig eine Panikattacke auslösen.

Auf FITBOOK-Nachfrage erklärt Ricardo William Muotri, einer der Hauptautoren der Studie, dass nicht zwangsläufig Sprintintervalle nötig seien. Auch andere hochintensive Trainingsformen könnten theoretisch ähnliche Effekte erzielen, sofern sie starke körperliche Reaktionen wie Herzrasen und Atemnot auslösen. „Alternative Formate wie klassisches hochintensives Intervalltraining (HIIT) oder jede dynamische Sportart, die schnelle, explosive Energieausbrüche erfordert, sollten theoretisch denselben interozeptiven Lernprozess auslösen und vergleichbare klinische Erfolge erzielen“, so Muotri.

Mehr als nur eine Ergänzung zur Therapie?

Die Studie deutet zudem darauf hin, dass gezieltes Training mehr sein könnte als nur eine Ergänzung zur Behandlung. Die Sportgruppe zeigte nicht nur stärkere Verbesserungen als die Entspannungsgruppe, sondern konnte diese auch Monate nach Ende des Programms aufrechterhalten. Hinzu kommen die bekannten gesundheitlichen Vorteile regelmäßiger Bewegung.

Auf die Frage, ob bewegungsbasierte Exposition vor allem als Ergänzung zu etablierten Behandlungen oder in manchen Fällen auch als eigenständige Intervention dienen könne, verweist Muotri auf die Ergebnisse der Studie. Demnach habe sich das sprintbasierte Protokoll bei körperlich inaktiven Erwachsenen mit mittelgradiger bis schwerer Panikstörung auch ohne begleitende Medikation oder Psychotherapie als wirksam erwiesen. Langfristig sieht der Forscher das größte Potenzial jedoch in der Einbindung in bestehende Behandlungskonzepte. Außerdem fügt er hinzu: „Wir glauben, dass sein größtes Potenzial darin liegt, als strukturelle Expositionskomponente in umfassendere KVT-Ansätze (Kognitive Verhaltenstherapie, Anm. d. R.) oder gestufte Versorgungsmodelle integriert zu werden“, so Muotri.

Allerdings: Die Ergebnisse der Studie sind vielversprechend, haben jedoch auch Grenzen. So haben die Forscher das Intervalltraining nicht mit der kognitiven Verhaltenstherapie verglichen, die als Standardbehandlung für Panikstörungen gilt, sondern lediglich mit einem Entspannungsverfahren. Zudem war die Studie mit 72 Teilnehmern relativ klein und umfasste ausschließlich untrainierte Erwachsene. Ob die Ergebnisse auch auf andere Patientengruppen übertragbar sind, müssen weitere Untersuchungen zeigen.

Quellen

  1. Muotri RW, Luciano AC, Garrudo Guirado A, Lotufo Neto F and Bernik M. (2026). Brief intermittent intense exercise as interoceptive exposure for panic disorder: a randomized controlled clinical trial. Front. Psychiatry 16:1739639. doi: 10.3389/fpsyt.2025.1739639 ↩︎

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