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Laut Studie

Diese unterschätzte Sportart hilft bei Depressionen erstaunlich schnell

frau depressionen
Eine bestimmte Sportart soll laut einer neuen Studie bei Depressionen helfen Foto: Getty Images/Galina Zhigalova
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Isa Kabakci
Redakteur

22. Juni 2026, 16:23 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Medikamente und Psychotherapie gelten als wichtige Bausteine der Depressionsbehandlung, vor allem, wenn möglichst schnelle Hilfe gefragt ist. Doch auch Bewegung könnte früher helfen als bisher angenommen. Eine französische Studie zeigt, dass schon nach wenigen Wochen eines betreuten Fitnessprogramms erste positive Effekte bei Depressionen sichtbar werden können. Wer jetzt an Klassiker wie Laufen oder Krafttraining denkt, wird überrascht sein: Es ging um Nordic Walking.

Die Forscher wählten Nordic Walking ganz bewusst: Es zählt zum aeroben Training, das laut Studien als besonders wirksam gegen Depressionen gilt.1 Für Sportanfänger oder ältere Menschen ist es zudem oft weniger einschüchternd als Laufen. Und von Gesundheitsbehörden wird es als optimale Bewegung für die mentale Gesundheit empfohlen. Was die Wissenschaftler jetzt zusätzlich zeigen konnten: Nordic Walking kann im Fall von Depression erstaunlich schnell wirken.

Ein Mann und eine Frau beim Nordic Walking
Nordic Walking wird mithilfe von Stöcken ausgeführt Foto: Christin Klose/dpa-tmn

So wurde die Studie durchgeführt

Körperliche Aktivität kann depressive Symptome lindern. Weniger gut erforscht ist jedoch, wie schnell sich erste Verbesserungen bemerkbar machen. Forscher aus Frankreich wollten daher untersuchen, wie sich die Beschwerden von Menschen mit mittelschweren bis schweren Depressionen während eines zehnwöchigen Bewegungsprogramms entwickeln. Außerdem prüften sie, ob Personen mit stärkeren Symptomen besonders von der Bewegung profitieren.

An der randomisierten kontrollierten Studie nahmen 64 Erwachsene mit mittelschweren bis schweren depressiven Symptomen teil. Das Durchschnittsalter lag bei 50 Jahren, die meisten Teilnehmer waren Frauen. Per Zufall wurden sie entweder einer Nordic-Walking-Gruppe oder einer Kontrollgruppe zugeteilt. Die Trainingsgruppe absolvierte zehn Wochen lang zweimal pro Woche ein einstündiges, betreutes Nordic-Walking-Training mit moderater Intensität. Die Kontrollgruppe erhielt lediglich Informationsmaterialien zu Depressionen.2

Nordic Walking ist eine gelenkschonende Ausdauersportart, bei der mit speziellen Stöcken gegangen und auch die Muskulatur des Oberkörpers trainiert wird. Die depressiven Symptome wurden zu Beginn der Studie sowie nach fünf und zehn Wochen mit einem standardisierten Fragebogen erfasst. Anschließend verglichen die Forscher die Veränderungen in beiden Gruppen.

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Spürbare Verbesserungen bereits nach wenigen Wochen

Das Nordic-Walking-Programm führte zu einer deutlichen Verbesserung der depressiven Symptome, während sich die Beschwerden in der Kontrollgruppe kaum veränderten. In der Trainingsgruppe sank der durchschnittliche BDI-II-Wert, mit dem die Schwere depressiver Symptome erfasst wird, von rund 27 Punkten zu Beginn auf knapp 17 Punkte nach fünf Wochen und auf etwa 13 Punkte nach zehn Wochen. In der Kontrollgruppe blieben die Werte dagegen weitgehend unverändert.

Besonders auffällig war, dass der größte Teil der Verbesserung bereits in den ersten fünf Wochen (also der ersten Hälfte des zehnwöchigen Untersuchungszeitraums) auftrat. Danach verbesserten sich die Symptome zwar weiter, der zusätzliche Nutzen fiel jedoch deutlich geringer aus. Menschen mit schweren Depressionen profitierten dabei stärker als Teilnehmer mit mittelschweren Beschwerden. Ihre Depressionswerte gingen in den ersten fünf Wochen deutlich stärker zurück.

Nach fünf Wochen zeigte bereits etwa die Hälfte der Teilnehmer eine klinisch relevante Verbesserung. Nach zehn Wochen stieg dieser Anteil bei den Teilnehmern mit schweren Depressionen sogar auf 70 Prozent. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass regelmäßiges, betreutes Nordic Walking depressive Symptome innerhalb weniger Wochen spürbar verringern kann – insbesondere bei Menschen mit stärker ausgeprägten Beschwerden.

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Was das nun konkret bedeutet

Die Ergebnisse könnten auch praktische Bedeutung für die Behandlung von Depressionen haben. Da Betroffene häufig unter Antriebslosigkeit und Energiemangel leiden, können langfristige Bewegungsprogramme eine zusätzliche Hürde darstellen. Die Aussicht auf erste spürbare Verbesserungen bereits nach wenigen Wochen könnte den Einstieg in regelmäßige körperliche Aktivität erleichtern.

Die Studie deutet zudem darauf hin, dass Menschen mit schweren Depressionen besonders von einem strukturierten Bewegungsprogramm profitieren könnten. Gleichzeitig bleibt offen, welche Trainingsdauer langfristig optimal ist. Die Ergebnisse sprechen jedoch dafür, betreute Ausdauerprogramme als sinnvolle Ergänzung bestehender Behandlungsangebote zu betrachten.

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Einordnung der Studie und mögliche Einschränkungen

Zu den Stärken der Studie zählen das randomisierte Design, die hohe Teilnahmequote und die wiederholten Messungen, die eine genaue Beobachtung des zeitlichen Verlaufs ermöglichten. Allerdings gibt es auch Einschränkungen: So lagen keine detaillierten Informationen zu anderen Behandlungen wie Medikamenten oder Psychotherapie vor. Zudem wussten die Teilnehmer, ob sie am Trainingsprogramm teilnahmen, was die Selbsteinschätzung der Symptome beeinflusst haben könnte.

Darüber hinaus war die Kontrollgruppe relativ klein und erhielt keine vergleichbare Gruppenaktivität. Deshalb lässt sich nicht sicher sagen, welcher Teil der Wirkung auf die Bewegung selbst und welcher auf Faktoren wie soziale Kontakte oder die Betreuung durch den Trainer zurückzuführen ist. Da zudem mehr als 90 Prozent der Teilnehmer Frauen waren, sind die Ergebnisse nur eingeschränkt auf Männer übertragbar. Positiv ist, dass während der zehnwöchigen Studie keine unerwünschten Ereignisse berichtet wurden.

Quellen

  1. Noetel, M., Sanders, T., Gallardo-Gómez, D. et al. (2024). Effect of exercise for depression: systematic review and network meta-analysis of randomised controlled trials. BMJ. ↩︎
  2. Clément Ginoux, Brendon Stubbs, Matthew P. Herring, Mohammad Farris Iman Leong Bin Abdullah, Fabien D. Legrand. (2026). Early antidepressant effects of supervised Nordic walking in adults with moderate to severe depression: A randomized controlled trial. Journal of Affective Disorders, Volume 405. ↩︎

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