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Wissenschaftliche Methode der US-Armee

Mit diesem Trick soll (fast) jeder in zwei Minuten einschlafen können

Schlafende Frau
120 Sekunden sollen genügen, um auch in Extremsituationen einschlafen zu können – das verspricht eine spezielle Methode der US-Army. FITBOOK fragte einen Somnologen, ob das sein kann.
Foto: Getty Images

Wenn Soldaten an Schlafmangel leiden, geht das auf Kosten ihrer körperlichen und geistigen Fitness. Und das kann in brenzligen Situationen fatale Folgen haben. Aus diesem Grund haben Wissenschaftler der U.S. Navy eine Methode entwickelt, um Kämpfer, die nicht zur Ruhe kommen können, binnen zwei Minuten zum Einschlafen zu bringen. Das soll auch bei „normalen“ Menschen funktionieren. Wir haben einen Experten gefragt, ob das stimmen kann.

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Beim Militär sieht und erlebt man Dinge, die einen um den Schlaf bringen. Und nicht nur die bloße Erinnerung: Auch das, was in der Nacht passiert, kann Soldaten daran hindern, sich zu erholen. Schlafmangel und Übermüdung haben schon in vielen Kriegen zu fatalen Fehlentscheidungen geführt.

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Aber kann das wirklich funktionieren?

So soll der Einschlaftrick funktionieren

  • Suchen Sie sich einen möglichst bequemen Platz
    Die Piloten, an denen die Übungen erprobt wurden, sollen aufrecht im Stuhl gesessen haben und konnten wohl nicht mal ihre Beine ausstrecken (Economy-Class-Urlauber werden hier bestimmt hellhörig). Anders gesagt: Dieser Trick soll ÜBERALL funktionieren. Also: Bringen Sie sich auf einer Sitz-, Lehn- oder Liegegelegenheit einfach in eine möglichst komfortable Position.
  • Beginnen Sie im Gesicht
    Wer es geschafft hat, sein Gesicht vollständig zu entspannen, soll seinem Körper so signalisieren, dass er es ihm nachtun soll. In diesem Sinne: die Augen schließen und dabei tief ein- und ausatmen. Alles soll ruhig sein, bitte keine Miene verziehen! Achten Sie bewusst darauf, nicht nur Stirn und  Mund, sondern die gesamte Gesichtsmuskulatur vollständig zu entspannen.
  • Oberkörper entspannen
    Lassen Sie die Schultern herabsenken, „als würden sie Ihren Körper hinabtreiben“, schreibt Ackman. Konzentrieren Sie sich nun auf Ihre Nackenpartie, die sich komplett reglos anfühlen soll. Nun geht’s an die Armarbeit. Je nachdem, ob Sie Rechts- oder Linkshänder sind, mit dem entsprechend dominanten Arm beginnen und ihn bewusst hängenlassen. „Wenn keine Entspannung einsetzt, spannen Sie die Armmuskulatur fest an und lassen dann locker“, empfiehlt die Autorin. Zuerst der eine, dann der andere: Von oben angefangen bis in die Fingerspitzen sollen sich Ihre Arme komplett taub anfühlen.
  • Die Beine ablegen
    Richten Sie alle Empfindungen auf Ihren rechten Oberschenkel. Wenn er sich anfühlt wie ein lebloses Körperteil, weiter zum Unterschenkel gehen, dann den Knöchel und den rechten Fuß lockerlassen. Die gleichen Befehle nun an das linke Bein senden. „Fühlen Sie, wie die Muskeln taub werden, als würden Ihre Beine in den Boden einsinken.“
  • Den Kopf ausschalten
    Wenn Sie körperlich zur Ruhe gekommen sind, gilt es, auch die Gedanken auszuschalten. Und das ist bekanntlich nicht so einfach. Zum Glück sollen hier 10 Sekunden Geistesabwesenheit reichen – „Das ist alles. Nicht daran denken, was den Tag über schief gegangen ist, wann Sie aufstehen müssen oder Zeit finden, Ihren Partner anzurufen.“ Jede dieser Überlegungen würde laut „Medium“ (ungewollte) körperliche Reaktionen erzeugen.

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Wie oben erwähnt, soll sich die Methode im Ernstfall bewährt haben. Sie sollten sich davon aber nicht allzu viel versprechen, sagt uns zumindest Allgemeinarzt, Somnologe und Schlafmediziner Dr. med. Michael Feld. Er erkennt die Methode als „eine abgewandelte Form der Progressiven Muskelentspannung nach Jacobson. Ihr Effekt basiert darauf, dass man den Kopf verlässt und sich aktiv auf den Körper konzentriert.“

Frau nachts im Bett

Bei Menschen, die ihre Sorgen nicht loslassen können, wird die Armee-Methode nicht funktionieren. Da ist sich Schlafmediziner Dr. Feld sicher.
Foto: Getty Images

Das sagt der Schlafmediziner

Wie Dr. Feld weiß, beklagen viele Menschen, aufgrund kreisender Gedanken nicht einschlafen zu können. Somit gehe es bei Muskelentspannungsübungen in erster Linie um das Verlassen des Kopfes in Richtung Körper. „Der Trick ist, die Muskeln zuerst stark anzuspannen“, erklärt uns der Fachmann. Durch die Diskrepanz sei die anschließende Entspannung umso stärker. „Das kann manchen Menschen in bestimmten Situationen etwas bringen. Und anderen wiederum nicht.“ Ob und wie stark jemand auf das Prinzip Muskelrelaxation reagiert, sei absolut typabhängig.

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Fazit

Die Erfolgsquote beträgt in Wahrheit sehr wahrscheinlich keine 96 Prozent, wie im Beitrag auf „Medium“ behauptet wird. Und dass man sich damit easy in den Schlaf wiegen kann, selbst wenn es um einen herum laut und stressig zugeht, trifft auf viele Menschen bestimmt auch nicht zu. Dennoch: Falls Sie öfter an Einschlafproblemen leiden, ist die Übung auf jeden Fall einen Versuch wert – und in jedem Fall kostengünstiger und mit weniger Nebenwirkungen verbunden als ein Schlafmittel.