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Was abendliches LED-Licht mit dem Schlafhormon Melatonin macht

Die Art des Lichts am Abend kann einer Studie zufolge die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin beeinflussen
Die Art des Lichts am Abend kann einer Studie zufolge die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin beeinflussen Foto: Getty Images, Niels Starnick; Collage: FITBOOK
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Nuno Alves
Chefredakteur

23. Februar 2026, 10:57 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Künstliches Licht prägt heute weite Teile des Alltags – auch zu Zeiten, in denen der Körper biologisch auf Dunkelheit eingestellt ist. Eine Untersuchung wollte herausfinden, wie verschiedene Lichtquellen diese Prozesse beeinflussen könnten. Im Mittelpunkt stand dabei das Hormon Melatonin, dessen Konzentration im Körper am Abend normalerweise ansteigt und dem Organismus signalisiert, dass es Zeit wird, zu schlafen.

Was wurde in der Studie untersucht?

Für die im Fachjournal „Scientific Reports“ veröffentlichte Studie analysierten Forscher 52 handelsübliche Lampen, darunter LED-Lampen, Energiesparlampen und klassische Glühlampen.1 Zusätzlich wurden moderne LED-Lampen untersucht, bei denen sich der Farbton des Lichts gezielt von kaltweiß zu warmweiß verändern lässt. Grundlage der Auswertung waren präzise Messungen der im Licht enthaltenen Farbanteile.

Auf dieser Basis berechneten die Autoren mithilfe eines etablierten biologischen Modells, wie stark das jeweilige Licht voraussichtlich den natürlichen abendlichen Anstieg des Melatonins beeinflusst. Die Berechnungen bilden eine typische abendliche Nutzung von Wohnraumlicht etwa 30 bis 90 Minuten vor dem Zubettgehen ab und beziehen sich auf eine standardisierte Helligkeit.

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Die Ergebnisse

Die Auswertungen zeigen klar: Nicht jedes Licht wirkt abends gleich auf den Körper.

Kaltweißes LED-Licht (ca. 5000 bis 5700 Kelvin)

Hier zeigte sich der stärkste Effekt. Im Modell war der abendliche Anstieg von Melatonin im Mittel um etwa 12,1 Prozent abgeschwächt. Der Körper erhält dadurch schwächere Signale, müde zu werden.

Kaltweiße Energiesparlampen

Der Effekt war nahezu identisch mit dem kaltweißen LED-Licht. Auch hier lag die berechnete Abschwächung des Melatonin-Signals bei rund 12 Prozent.

Warmweiße LED-Lampen (ca. 2700 bis 3000 Kelvin)

Sie wirkten deutlich weniger störend. Bei warmweißen LED-Lampen war der modellierte Anstieg von Melatonin nur noch um 3,6 Prozent vermindert, also etwa ein Drittel des Effekts kaltweißer LEDs.

Warmweiße Energiesparlampen

Mit einer Abschwächung von 2,6 Prozent lagen sie in einem ähnlichen Bereich wie warmweiße LED-Lampen.

Klassische Glühlampen

Sie beeinflussten den abendlichen Melatoninanstieg am wenigsten. Hier betrug die berechnete Abschwächung lediglich 1,5 Prozent.

Besonders ausgeprägt war der Unterschied bei LED-Lampen mit verstellbarer Lichtfarbe: Wurden sie von kaltweiß (rund 5700 Kelvin) auf sehr warmes Licht (etwa 2100 Kelvin) umgestellt, sank die berechnete Melatonin-Abschwächung von rund 10 Prozent auf etwa 0,1 Prozent.

Zusätzlich analysierte die Studie den Effekt sogenannter Blaulichtfilter-Brillen:

  • Klare oder nur leicht gelblich getönte Blaulichtfilter-Brillen zeigten im Modell kaum eine Veränderung des natürlichen abendlichen Melatoninanstiegs. Sie lassen den Lichtanteil weitgehend durch, auf den das innere Uhrsystem besonders empfindlich reagiert.
  • Stark braun getönte Blaulichtfilter-Brillen blockieren diesen kritischen Lichtanteil deutlich stärker. Im Modell blieb der natürliche Melatoninanstieg dadurch weitgehend erhalten.

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Was bedeutet die Studie?

Die Studie legt nahe, dass Abendlicht nicht gleich Abendlicht ist. Je nach Lichtfarbe beeinflusst es unterschiedlich stark das natürliche Signal des Körpers, müde zu werden. Kaltweißes Licht mit hohem Blauanteil kann dieses Signal deutlich abschwächen, während warmes Licht den natürlichen Übergang in den Schlaf wesentlich weniger stört.

Wichtig zur Einordnung: Alle Ergebnisse beruhen auf modellbasierten Berechnungen und nicht auf direkten Messungen der Melatoninkonzentration im Körper. Die Studie erlaubt aber dennoch einen systematischen und realitätsnahen Vergleich gängiger Lichtquellen unter standardisierten Bedingungen. Die tatsächliche Wirkung im Alltag kann je nach individueller Lichtempfindlichkeit, realer Helligkeit, Abstand zur Lichtquelle, Raumgestaltung und Nutzungsdauer variieren.

Melanie Hoffmann
Ernährungs-, Fitness- und Schlafexpertin

Ohne Schlafdruck wird es schwierig, einzuschlafen

„Unsere innere Uhr steuert unsere Schlaf- und Wachzeiten. Die Hormone Cortisol und Melatonin spielen dabei eine wichtige Rolle – sowohl für das Aufwachen als auch für das Einschlafen. Und für den Schlafdruck. Damit ist vereinfacht gesagt das körpereigene Bedürfnis nach Schlaf gemeint. Dieses steigt während der Wachzeit stetig an und nimmt im Schlaf ab. Bauen wir während unserer Wachphase nicht genügend Schlafdruck auf, wird es abends schwieriger, einzuschlafen. Dieser Prozess kann durch verschiedene Faktoren gestört werden: zu wenig Bewegung, ungeeignete Ernährung, Nickerchen am Tag, zu wenig Tageslicht – oder eben auch zu spät am Tag noch (das falsche) Licht.“

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Quellen

  1. Terán, E., Yee-Rendon, C. M., Sosa-Arámbula, H. J., De La Herrán-Arita, A. K., & Woods, R. L. (2026). Home lighting, blue-light filtering, and their effects on melatonin suppression. Scientific reports, 16(1), 2850. https://doi.org/10.1038/s41598-025-29882-7 ↩︎

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