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Kommentar

Bodyshaming gegen Heidi Klum: „Wer so etwas schreibt, tritt jeder Frau über 40 ins Gesicht!“

Heidi-Klum-Kommentare sind allerunterste Schublade
Die Abwertung prominenter Frauen eines bestimmten Alters scheint ein Volkssport zu sein. Denkt mal jemand an die vielen Frauen, die das ebenfalls lesen müssen? Foto: Getty Images, Collage: FITBOOK
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Anna Echtermeyer
Redakteurin

2. September 2025, 12:21 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Ja, Frauen kommen irgendwann in die Wechseljahre. Aber warum zum Teufel ist das für manche ein Grund, Häme über sie – und damit auch über andere Frauen – auszuschütten? Wer dieses Bedürfnis hat, sollte sich dringend fragen, was eigentlich sein ganz eigenes Problem ist.

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„Da schlagen wohl gerade die Wechseljahre zu“

Heidi Klum lief bei den Filmfestspielen von Venedig neulich in einem Kleid der Dessous-Marke Intimissimi über den roten Teppich. Auftrag erfüllt, alles wie immer: Sie trägt, was die Marke sehen will. Ein Model macht seinen Job, Ende der Geschichte – eigentlich. Als ich mir gestern Abend ein paar Kommentarspalten zu Postings dieses Auftritts auf Instagram durchlas, wurde ich wütend. Heidi Klum sei „ja gerade gut im Futter“, las ich. Weiter: Das Kleid sei „zwar schön“, jedoch „nicht an ihrem Körper“, sie hätte es „mal besser ihrer Tochter geben“ sollen. Und ebenfalls in Bezug auf ihren Körper: „Da schlagen wohl gerade die Wechseljahre zu.“

Solche Kommentare füttern Ängste von Frauen

Schon klar: Manch einem Absender solcher Gehässigkeiten geht es wahrscheinlich darum, die Person Heidi Klum maximal zu verletzen – warum auch immer. Auch ich war nie ein Fan von ihr, Klums oft herablassende und gnadenlose Art gegenüber jungen Frauen erzeugte bei mir in all den „Germany’s Next Topmodel“-Jahren immer wieder Störgefühle. Es ist also nicht so, dass ich Heidi Klum schützen möchte. Das Problem, das ich mit den hämischen Kommentaren unter den reichweitenstarken Venedig-Fotos habe: Sie treffen Frauen, die Angst vor den Wechseljahren haben oder sich mit dem Thema unsicher fühlen. Und ich bin eine davon.

Mir bleiben noch zehn Jahre, bis das Diktat der Scham greift

Denn ich brauche gar nicht groß zwischen den Zeilen zu lesen, um die Message solcher und anderer abfälliger Worte zu verstehen: Mit den Wechseljahren ist die Zeit der Bewunderung vorbei. Frauen sollen sich „so jedenfalls dann nicht mehr“ in der Öffentlichkeit zeigen. Der Körper, das Kleid, das Alter, der Hormonstatus, irgendetwas davon oder alles zusammen ist für ein paar Menschen anscheinend nicht mehr vorzeigbar. Allerspätestens in der Schamgrube zu verschwinden haben wir Frauen, wenn die Wechseljahre optisch „zugeschlagen“ haben – was auch immer das sein soll.

Frauen, die diesem Diktat der Scham nicht folgen, werden abgewertet. Heidi Klum ist 52, ich bin 42 – mir bleiben also noch maximal zehn Jahre, um abzutauchen.

Auch interessant: Woran Frauen erkennen, dass ihre Wechseljahre begonnen haben

Die Wechseljahre sind kein Schimpfwort!

Ja, Frauen kommen irgendwann in die Wechseljahre. Aber hatten wir uns in letzter Zeit nicht darauf geeinigt, die hormonellen Veränderungen nicht mehr als Ende des Frau-Seins zu interpretieren, sondern sie als Chance für Neuorientierung und Selbstfindung zu begreifen? Populäre Bücher wie „Woman on Fire“ oder „Perimenopause Power“, Podcasts und Artikel brechen endlich das Schweigen über Hitzewallungen, Schlaflosigkeit und Hormonschwankungen und nehmen mir und vielen anderen Frauen an der Schwelle zu den Wechseljahren irgendwie die Angst davor. Sie sagen: Mit den Wechseljahren beginnt eine der stärksten Phasen im Leben. Ich möchte lieber dieser Erzählung glauben – als dem alten Diktat der Scham. Hört auf! Die Wechseljahre sind kein Schimpfwort.

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Vielleicht mal das eigene Problem hinterfragen

Wer so kommentiert, tritt deshalb nicht nur Klum, sondern jeder Frau kurz vor, in oder nach den Wechseljahren ins Gesicht. Und das sind viele, so ziemlich alle über 40. Und damit auch mir. Was stimmt mit euch eigentlich nicht?

Die Scham sollten nicht die Frauen empfinden, die durch diese Phase gehen. Die Scham sollten jene empfinden, die diese Kommentare schreiben. Auch diese Menschen haben selbst Mütter, Freundinnen, Partnerinnen, Schwestern oder Töchter, die in dieser sensiblen Phase sind oder irgendwann hineinkommen. Sie sollten sich einmal fragen: Würden sie ihnen all die Boshaftigkeiten ins Gesicht sagen? Wohl kaum.

Wer das Bedürfnis hat, schlecht über die Körper von anderen zu reden, gehässig über einen Hormonstatus zu mutmaßen oder einer Person das Tragen bestimmter Kleidung abzusprechen, sollte sich dringend fragen, was genau gerade eigentlich sein ganz eigenes Problem ist.

Das Bitterste: Frauen gegen Frauen

Es gab eine Zeit, in der lebten Boulevardmedien davon, Unsicherheiten von uns Frauen zu verstärken. Schlagzeilen über „Speckröllchen“ bei Promi XY oder „zu dünn“ generieren Klicks. Die Medien haben in der Breite daraus gelernt und werten nicht mehr so ab wie früher – in den sozialen Netzwerken wuchert dieser Mechanismus leider ungehindert.

Frauen sind dabei untereinander häufig besonders grausam. Frauen, die andere Frauen mit derselben Rücksichtslosigkeit niedermachen, die sie selbst schon erlebt haben. Mag die Ursache bei manchen vielleicht nicht reine Boshaftigkeit sein, sondern ein Spiegel der eigenen Verletzungen oder eine Projektion von Frust und eigenen Ängsten – all das macht es für mich nicht besser. Eure Kommentare sind ein Verrat an der Solidarität, die wir Frauen untereinander dringend stärker bekunden sollten.

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