Zum Inhalt springen
logo Das Magazin für Fitness, Gesundheit und Ernährung
Schlaf Alle Themen
Was dahintersteckt

Warum Sie den „First Night Effect“ sicher auch schon erlebt haben

Die erste Nacht im Hotel schläft es sich oft nicht gut
Die erste Nacht im Hotel schläft es sich oft nicht gut – der „First Night Effect“ schlägt zu! Foto: Getty Images
Artikel teilen
Melanie Hoffmann
Fitness- und Schlafexpertin

24. Juli 2026, 13:19 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Die erste Nacht im Urlaub im Hotel, in der neuen Wohnung, eine Übernachtung bei Freunden – man kann nicht gut einschlafen, wälzt sich umher und wacht ständig auf. Dass dieses Phänomen nicht nur eine subjektive Wahrnehmung, sondern real ist, hat die Schlafforschung bewiesen. Der sogenannte „First Night Effect“ sorgt sogar dafür, dass die Daten von Schlafpatienten, die aus der ersten Nacht im Schlaflabor stammen, nicht gewertet werden. FITBOOK erklärt, was dahintersteckt.

Der „First Night Effect“ (FNE) beschreibt den Umstand, dass wir in einer neuen Umgebung zunächst schlechter schlafen als zu Hause. Durch Messdaten sichtbar gemacht wurden die für die erste Nacht typischen Schlafstörungen in Schlaflaboren. Die Schlafdaten machten sichtbar, was viele sicher aus eigener Erfahrung aus dem Urlaub oder nach einem Umzug kennen: Man braucht länger, um einzuschlafen, schläft insgesamt kürzer, weniger gut und wacht häufiger auf.

Die Forschung zum „First Night Effect“

Erstmals beschrieben wurde der Effekt der „ersten Nacht“ bereits 1966.1 2022 bestätigte eine Metaanalyse von 53 Studien zum Thema FNE, dass besonders die erste Nacht in einer neuen Umgebung betroffen ist, während er in der zweiten Nacht bereits deutlich nachlässt. Manche Betroffene spüren Beeinträchtigungen ihres Schlafs aber auch bis zu vier Nächte lang.2,3 Offenbar betrifft der Effekt jedoch nicht alle Menschen gleich. Die Forschung kam zu der Erkenntnis, dass Menschen, die generell einen leichteren Schlaf haben oder ängstlicher sind, eher dazu neigen, den „First Night Effect“ zu erleben.

Warum stört eine neue Umgebung den Schlaf?

2016 fanden Forscher heraus, dass das Gehirn während der ersten Nacht an einem neuen Ort nicht vollständig „abschaltet“. Eine Gehirnhälfte verbleibt in einer leichteren Schlafphase und fungiert nahezu wie ein Wachposten, während die andere in einen tieferen Schlaf übergeht.4 Die Annahme ist, dass diese Asymmetrie eine evolutionäre Anpassung darstellt, da neue, unbekannte Orte in der Menschheitsgeschichte potenziell große Gefahren bargen, die man nicht direkt einschätzen konnte. Ähnliches kennt man bei einigen Vogelarten und Meeressäugern, die aus Sicherheitsgründen mit einem Auge offen schlafen.

Weitere Erkenntnisse darüber, was den „First Night Effect“ bedingt und was im Körper passiert, brachte eine Studie aus dem Jahr 2024. Sie zeigte, dass neue Geräusche, Gerüche, Lichtverhältnisse oder sogar die Bettwäsche eine erhöhte Aktivität im limbischen System auslösen, insbesondere in der Amygdala (Region im Gehirn), die auf die Erkennung potenzieller Bedrohungen spezialisiert ist. Dies führt zu einem fragmentierten Schlaf, häufigeren Mikroerwachungen und einer geringeren Menge an erholsamem Tiefschlaf.5

Auch die innere Uhr spielt bei Schlafstörungen in einer neuen Umgebung eine Rolle.6 Sie kann aufgrund von ungewohnten Licht- und Geräuscheinflüssen sowie Veränderungen der Abendroutine und zeitlichen Verschiebungen von Essenszeiten und Aktivitäten am Tag aus dem Takt geraten. Das erschwert das Ein- und Durchschlafen zusätzlich.

Auch interessant: Früh, spät, normal? Machen Sie den Chronotyp-Test!

Mehr zum Thema

Bedeutung des „First Night Effects“

Für viele Menschen bedeutet das Phänomen vor allem eine Erklärung dafür, warum sie zu Beginn ihres Urlaubs oder generell nach einem Ortswechsel schlecht schlafen. Und sie wissen nun, dass der Effekt auch schnell wieder verschwindet.

Schlafforscher und -mediziner berücksichtigen den „First Night Effect“ bei Studien und Untersuchungen. Sie wissen, dass die Daten der ersten Nacht das normale Schlafverhalten oft nicht zuverlässig widerspiegeln – weder bei Studienteilnehmern noch bei Menschen, die wegen des Verdachts auf eine Schlafstörung ein Schlaflabor aufsuchen.

Was hilft, den Effekt zu reduzieren?

Die Forschung hat gezeigt, dass man mit ein paar Tricks den Schlaf in einer neuen Umgebung fördern kann. Hilfreich kann das Mitbringen vertrauter Gegenstände sein, wie des gewohnten Kissens von zu Hause oder einer geliebten Decke. Auch vertraute Düfte steigern das Wohlbefinden an einem neuen Ort. Maßnahmen, die auch sonst einen gesunden Schlaf unterstützen, können auch in diesen Situationen helfen. Versuchen Sie, sich in der zweiten Tageshälfte möglichst wenig blauem Licht auszusetzen, und die gewohnten Essenszeiten und Abendrituale beizubehalten. Wer am nächsten Tag Leistungen bringen muss, etwa auf einer Geschäftsreise, kann überlegen, schon eine Nacht früher anzureisen, um die Auswirkungen des „First Night Effects“ auf den Tag vor dem wichtigen Termin zu verschieben.

Quellen

  1. Agnew, H.W., Webb, W.B., Williams, R.L. (1966). The first night effect: an EEG study of sleep. Psychophysiology. ↩︎
  2. Ding, L., Chen, B., Dai, Y., Li, Y. (2022). A meta-analysis of the first-night effect in healthy individuals for the full age spectrum. Sleep Med. ↩︎
  3. O. Le Bon, O.L., Staner, L., Hoffmann, G. et al. (2001). The first-night effect may last more than one night. Journal of Psychiatric Research. ↩︎
  4. Tamaki, M., Bang, J., Watanabe, T. et al. (2016). Night Watch in One Brain Hemisphere during Sleep Associated with the First-Night Effect in Humans. Current Biology. ↩︎
  5. Ferretti, D., Islind, A.S., Ólafsdóttir, K.A. et al. (2024). Feasibility and usability of three consecutive nights with self-applied, home polysomnography. Journal of Sleep Research. ↩︎
  6. Zhang, Y., Chen, K., Xu, Y., Wu, H. (2024). Research progress on the first-night effect in polysomnography studies. Sleep Research. ↩︎

Sie haben erfolgreich Ihre Einwilligung in die Nutzung unseres Angebots mit Tracking und Cookies widerrufen. Damit entfallen alle Einwilligungen, die Sie zuvor über den (Cookie-) Einwilligungsbanner bzw. über den Privacy-Manager erteilt haben. Sie können sich jetzt erneut zwischen dem Pur-Abo und der Nutzung mit Tracking und Cookies entscheiden.

Bitte beachten Sie, dass dieser Widerruf aus technischen Gründen keine Wirksamkeit für sonstige Einwilligungen (z.B. in den Empfang von Newslettern) entfalten kann. Bitte wenden Sie sich diesbezüglich an datenschutz@axelspringer.de.