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Im Rahmen einer Therapie

Der unmittelbare Effekt von 30 Minuten Sport bei Depressionen

Rennradfahrer auf der Straße
Bewegung und Sport sind nicht nur ein allgemeine Stimmungsaufheller. Auch bei psychischen Erkrankungen wie Depressionen können sie offenbar helfen.Foto: Getty Images

Bereits 30 Minuten Sport können laut einer neuen Studie helfen, Depressionen zu lindern – vorausgesetzt, die Übungen sind Teil der Therapie. So lassen die Symptome der Krankheit bereits unmittelbar nach einer Trainingseinheit spürbar nach.

Ob nach einem stressigen Arbeitstag oder generell schlechter Laune – Bewegung gilt als verlässlicher Stimmungsaufheller. Doch lassen sich mit Sport auch psychische Krankheiten wie Depressionen lindern? Das wollten Forschende der Iowa State University herausfinden, indem sie 30 betroffene Personen mehrmals ein 30-minütiges Sportprogramm absolvieren ließen. Besonders überraschend: Sport hat bei Depressiven einen unmittelbaren Soforteffekt und kann somit helfen, die Schwere einer akuten Episode wirksam abzufedern.

Studie mit 30 depressiven Erwachsenen

Einem depressiven Menschen zu erklären, er solle doch nur etwas Sport machen, dann gehe es ihm schon besser, ist kein guter Ratschlag. Liegt es doch in der Natur einer Depression, sich nur schwer zu etwas überwinden oder aufraffen zu können. Im Rahmen einer Therapie können angeleitete Trainingseinheiten allerdings kleine Wunder bewirken, heißt es in einer neuen Untersuchung, die aktuell im Fachblatt „Psychology of Sport and Exercise“ veröffentlicht wurde.1 Hierfür rekrutierten die Wissenschaftler 30 Erwachsene, die unter schweren depressiven Episoden litten. „Was uns besonders interessierte, war: Wie beeinflusst akutes Training – das heißt eine Trainingseinheit an einem Tag – die primären Symptome einer Depression?“, erklärt Studienleiter Prof. Marcus Meyer in einer Universitätsmitteilung die Forschungsabsicht. 2

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Fragebögen vor und nach dem Training ausgefüllt

Die Forscher ließen die Teilnehmer entweder 30 Minuten Rad fahren oder baten sie, sitzen zu bleiben. Zuvor füllten sie Fragebogen zur Messung ihrer Depressionssymptome aus und absolvierten zudem mehrere kognitive Tests. Jeweils 25, 50 und 75 Minuten nach dem Training wurden das Prozedere wiederholt. Dabei konzentrierten sich die Forscher auf drei Depressions-Merkmale: Stimmungszustand (z. B. traurig, entmutigt, düster), Anhedonie (z. B. Schwierigkeiten, Freude bei Aktivitäten zu empfinden) und verminderte kognitive Funktion (z. B. Denkschwierigkeiten, Probleme, mehrere Informationen auf einmal aufzunehmen). Die erste erfreuliche Entwicklung vorweg: Diejenigen, die beim ersten Laborbesuch auf dem Rad trainierten, kamen eine Woche später aus eigenem Antrieb zurück, um das Experiment erneut zu durchlaufen.

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Wie Sport die Symptome von Depressionen lindert

Während des Fahrradexperiments verbesserte sich der depressive Stimmungszustand der Teilnehmer über die 30 Minuten des Trainings und hielt konstant bis zu 75 Minuten danach an, heißt es im Studienbericht. Die Anhedonie – also die mangelnde empfundene Freude an Aktivitäten – stieg danach wieder leicht, war aber immer noch besser als bei der Gruppe, die nicht trainierte. Die kognitiven Funktionen schnitten dagegen etwas schlechter ab als bei der sitzenden Gruppe. Warum das so ist, müsse laut Studienleiter Meyer weiter untersucht werden.

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Sport öffnet für Depressive ein wichtiges Zeitfenster zu Bewältigung von Herausforderungen

Die Tatsache, dass Menschen, die unter Depressionen leiden, sich nach dem Sport für länger als eine Stunde spürbar besser fühlen, birgt für Meyer eine große Chance. Diese 75 Minuten seien nämlich ein wichtiges Zeitfenster, welche die Erkrankten nutzen können, etwas psychisch Anspruchsvolles zu erledigen. So könne man Sport gezielt einsetzen, wenn eine Aufgabe ansteht, von der der Betroffene zuvor noch glaubte, sie nicht bewältigen zu können. „Dies könne beinhalten, eine Präsentation zu halten, einen Test zu machen – oder zu einer Therapie zu gehen“, so Meyer.

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Sport in Verbindung mit Therapie hat den größten Effekt

In einer kleinen weiterführenden Studie gingen Meyer und sein Team der Frage nach, ob Sport alleine oder als Teil einer Therapie die Symptome von Depressionen nachhaltiger lindert. Dafür ließen sie fünf Personen ohne und fünf Personen mit therapeutischer Begleitung trainieren. Nach acht Wochen Sportprogramm zeigten bei beiden Gruppen Verbesserungen. Aber diejenigen, die vor dem Gespräch mit einem Therapeuten trainierten, hatten weniger Depressionssymptome verglichen mit der Gruppe, die ohne weitere Unterstützung zum Sport ging. „Bei einer so kleinen Gruppe haben wir keine formalen statistischen Tests durchgeführt, aber die Ergebnisse sind vielversprechend“, räumt Meyer ein. So deutet für ihn vieles eindeutig darauf hin, dass Sport dazu beiträgt, den Therapieerfolg bei Erwachsenen mit Depressionen zu verbessern.

Quellen

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