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Leistungsdruck und Ängste

Chris Hemsworth: »Das ist das schlimmste Gefühl der Welt

Chris Hemsworth offenbarte seine Ängste in einem Interview
In einem Podcast zeigte sich Chris Hemsworth von seiner verletzlichen Seite Foto: Getty Images
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Melanie Hoffmann
Ernährungs-, Fitness- und Schlafexpertin

23. Dezember 2025, 13:25 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Wer kennt es nicht? Es stehen eine Präsentation, ein wichtiges Gespräch oder eine Prüfung an und schon geht es los. Der Magen grummelt, das Herz schlägt schneller, man fängt an zu schwitzen und die Gedanken überschlagen sich. Am liebsten würde man einfach weglaufen. Ein Gefühl, von dem auch Top-Performer wie Hollywood-Stars nicht verschont bleiben. So beschrieb jetzt Thor-Darsteller Chris Hemsworth seine Ängste, die ihn früher nahezu lähmten. Was ihm geholfen hat, besser mit seinen Empfindungen umzugehen und sie in etwas Produktives zu verwandeln, erfahren Sie bei FITBOOK.

Chris Hemsworth ist das, was man wohl einen Tausendsassa nennen könnte. Denn er ist nicht nur als Schauspieler begabt und erfolgreich, sondern auch als Sportler für viele Menschen ein Vorbild. Und vielleicht kann man auch seine Fähigkeit, sich zu öffnen und verletzlich zu zeigen, als eine Art Talent beschreiben. Angesichts dessen, dass dies insbesondere vielen Männern nach wie vor schwerfällt, ringt der Hollywood-Star zumindest seinen Fans damit viel Bewunderung ab. Im „Jay Shetty Podcast“ nahm er sich kürzlich anderthalb Stunden Zeit, um über mentale Gesundheit, seine Rolle als Vater und das Alzheimer-Schicksal seiner Familie zu sprechen. Ein großes Thema: Chris Hemsworths langer Kampf mit Ängsten und Panikgefühlen, die er grob unter der Bezeichnung „Performance Anxiety“ zusammenfasste.

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„Performance Anxiety“

Im Deutschen beschreiben Begriffe wie Leistungsdruck und Versagensängste wohl am besten, was mit „Performance Anxiety“ gemeint ist. „Flache Atmung, schneller Herzschlag, schwitzende Hände, man kann nicht denken und fühlt sich, als wäre der Kopf leer“, beschrieb Chris Hemsworth die körperlichen Symptome, die mit seiner Angst einhergehen, im Podcast. „Es ist das Schlimmste auf der Welt, wenn man ständig versucht, es zu vermeiden.“

Vor allem zu Beginn seiner Karriere überwältigten ihn bei Dreharbeiten oft diese Empfindungen. Er hatte das Gefühl, nicht gut genug zu sein (bekannt als „Imposter-Syndrom“ oder „Hochstapler-Syndrom“), Angst, eine Rolle nicht überzeugend spielen zu können, und Kollegen, Regisseure und Produzenten zu enttäuschen. Neben den körperlichen Symptomen, die ihn belasteten, lähmten ihn seine Gedanken regelrecht. Gleichzeitig merkte er aber auch: Gerade die Sorgen, die Nervosität und der Adrenalinkick waren für seine besten Leistungen verantwortlich. In Momenten, in denen es ihm egal war und er sich ruhig fühlte, klappte alles weniger gut.

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Ohne Angst kein Erfolg?

Ganz ohne Angst und Anspannung wäre sein Erfolg wohl nicht möglich. So erklärte Hemsworth im Interview: „Um besser zu werden, in der Karriere oder im Sport, muss man manchmal die Seite in sich pushen, die einen dahin bringt, aber nicht unbedingt zu größerer Lebensqualität führt – etwa auf mentaler Ebene.“

Eine Wahrheit, mit der er offenbar lange gehadert hat. „Ich habe mir früher oft gewünscht, nicht alle Details so stark wahrzunehmen und diese Informationsflut zu stoppen, um im Moment präsenter sein zu können“, erzählte der 42-Jährige. „Aber genau dieses Gefühl machte die Performance am Filmset großartig. Das Gefühl sollte also nicht das Problem sein, man sollte sich mit ihm anfreunden. Denn es ist ja auch eine Art Geschenk, es befähigt einen, schneller zu denken und zu reagieren und sich auf Situationen einzulassen – wenn man es in die richtigen Bahnen lenken kann.“

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Mutter und Forschung brachten ihn zum Umdenken

Bis es ihm gelang, seine Ängste und Empfindungen als „Art Geschenk“, wie er es nennt, anzuerkennen, war es für Chris Hemsworth jedoch ein weiter Weg. Einen wichtigen Impuls gab ihm seine Mutter, mit der er vor Jahren, als sie noch als Schullehrerin tätig war, über seine Probleme sprach. „Ich erzählte ihr, dass ich so nervös war, vor der Arbeit am Set, wegen des Produzenten und all dem. Und sie sagte: Das ist in jeder Umgebung gleich. In meinem Fall ist der Schuldirektor das, was bei dir der Produzent ist. Die anderen Cast-Mitglieder bei dir sind die Kollegen bei mir. Das ist einfach das menschliche Erleben.’ Sie erzählte mir, dass sie ähnliche Gefühle durchlebt. Alle erleben Druck, und sobald man versteht, dass es einem nicht anders geht als den anderen, hilft das.“

Ein weiterer Augenöffner sei eine wissenschaftliche Erkenntnis gewesen, von der er gelesen habe. Forscher hätten in einer Studie zu „Performance Anxiety“ sichtbar gemacht, dass sich das negative Gefühl Angst im Körper ähnlich manifestiere wie positive Aufregung oder Vorfreude (wahrscheinlich bezog er sich auf eine Harvard-Studie aus dem Jahr 2013, A. d. R.).1 Dieses Wissen habe ihm geholfen, seine körperlichen Empfindungen neu zu interpretieren. Was für ihn früher immer Angst war, ist jetzt mehr Vorfreude und Spannung. „Da muss ich mich aber immer noch disziplinieren. Das Gefühl kann aus dem Nichts in die andere Richtung kippen und ich muss meinen Weg zurück zum Enthusiasmus finden.“

Nicht vermeiden, sondern nutzen

Im Arbeitskontext nutzt er die nervösen Gefühle jetzt bewusst, um entgegen seiner Angst, zu versagen, im Gegenteil die gewünschte Leistung oder Performance abrufen zu können. „Ich muss mich vorher hypen und pushen, um in den Adrenalin-Status zu kommen und das Gefühl nutzen zu können. Aber unter meinen Bedingungen, ohne, dass es mich überwältigt“, beschrieb er seine Strategie direkt vor dem Dreh einer Szene.

Es gehe darum, sich nicht von dem Gefühl der Angst oder Anspannung kontrollieren zu lassen, sondern darum, das Gefühl zu kontrollieren und es zu einem Werkzeug zu machen: „Man muss das Gefühl verstehen lernen, merken, dass es Vorteile hat, und seine Einstellung dazu ändern.“

Quellen

  1. Wood Brooks, A. (2013). Get Excited: Reappraising Pre-Performance Anxiety as Excitement. Harvard Business School. ↩︎

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