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Action-Hormon

Was passiert bei einem Adrenalinschub im Körper?

Adrenalinschub: Erweiterte Pupille
Adrenalin versetzt den Körper in Alarmbereitschaft. Dann erweitern sich u. a. die Pupillen.Foto: Getty Images

Adrenalin zählt zu den Stresshormonen, und wird in dieser Kategorie auch als das Action-Hormon bezeichnet. Der Botenstoff erfüllt in verschiedenen Lebens- bzw. Notsituationen einen wichtigen Zweck. FITBOOK erklärt genauer, was bei einem Adrenalinschub im Körper passiert.

Von Adrenalin profitierte bereits der Urmensch, wenn etwa ein Angriff durch einen Säbelzahntiger drohte. Und bis heute vermag der Botenstoff, zusätzliche Kräfte zu mobilisieren, wenn man beispielsweise am Boden liegend vor einem umstürzenden Gerüst fliehen muss. Es erschließt sich also recht schnell, warum Adrenalin als aktivierendes „Action-Hormon“ gilt. Nicht jedoch, was konkret bei einem Adrenalinschub im Körper passiert.

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Was passiert bei einem Adrenalinschub?

Prof. Matthias M. Weber von der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie erklärt es genauer. Der Botenstoff werde im Nebennierenmark gebildet. Von dort aus gelangt es in die Blutbahn. Was dann passiert: Adrenalin aktiviert überall im Körper Rezeptoren, welche die kleinen Blutgefäße engstellen. Deshalb steigt im Zuge eines Adrenalinschubs der Blutdruck und der Puls beschleunigt sich. Die Bronchien sind erweitert und der Sauerstoffverbrauch des Körpers ist erhöht. Auch die Pupillen erweitern sich.

Aktivität an der einen, Pause an der anderen Stelle

Zu den weiteren körperlichen Reaktionen durch einen Adrenalinschub gehört eine gesenkte Darmmotilität (= Darmbewegung). Vereinfacht gesagt verhindert dies, dass wir etwa in einer Notsituation, in der es auf Schnelligkeit ankommt, auf die Toilette müssen. So erklärte uns der Ernährungsmediziner Dr. med. Matthias Riedl, warum viele Menschen beim Sport Blähungen haben: Auch wenn er nicht aktiv arbeite, werde der Darm durch die Bewegung passiv massiert – das fördert den Abtransport entstehender Gase.

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Wodurch wird ein Adrenalinschub ausgelöst?

Typische Adrenalin-Trigger sind:

• Stress, in Form körperlicher oder seelischer Belastung

• der Konsum von Alkohol und Aufputschendem wie Kaffee, verschiedenen Tees und Drogen

• die Einnahme bestimmter Medikamente

• ein niedriger Blutzuckerspiegel

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Vor- und Nachteile eines Adrenalinschubs

Dank eines Adrenalinschubs haben wir in Kampf- und Fluchtmomenten also mehr Energie. Das kann natürlich vorteilhaft sein – und ist auch der Grund dafür, dass z. B. Menschen mit einer Insektenstichallergie immer ein Notfallset mit Adrenalin-Fertigspritze mit sich führen sollten. Im Fall eines Stichs muss der Gestochene sich das Hormon schnellstmöglich injizieren. Das sogenannte Action-Hormon wirkt (in Zusammenarbeit mit Cortisol und einem Antihistaminikum, die ebenfalls in dem Autoinjektor enthalten sind) den Gefahren durch einen allergischen Schock entgegen.

Allerdings löst das Stresshormon Adrenalin auch Unruhe aus. Wird regelmäßig viel davon ausgeschüttet, bedeutet das für den Organismus ständige Alarmbereitschaft. Mit der Zeit kann ein anhaltend hohes Stressniveau die Organe belasten, dauerhaft nervös und reizbar machen.

Ursachen für zu wenig Adrenalin

Übrigens ist bei manchen Menschen der Adrenalinwert grundsätzlich zu niedrig. Dies kann an einer mangelnden Funktion der Nebenniere oder der Einnahme bestimmter Arzneimittel liegen. Die Betroffenen leiden häufig an Konzentrationsproblemen, sind öfter müde und relativ anfällig für Infekte.